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Samstag, 23. September 2023

gesammeltes

 am freitagnachmittag von der arbeit wegfahren. nein, nicht heim. mit dem rad über die kaiserbrücke, im kasteler feld herummäandern bis zur ochsenquelle, eine weile auf einer bank lesen und schlafen unter wolken und dem blätterdach dreier platanengöttinen. wieder wach in der sonne den steifen rücken wärmen, hernach klares kaltes quellwasser mit der hand zwischen den wasserläufern schöpfen und weiterrollen. die anspannung der woche loswerden. feldwege, gärten, neubaugebiete, kleine hohlwege. sonne trinken. aus der überfülle von hagebutten und weissdornbeeren schalen füllen, brombeerblätter sammeln (autsch sind die pieksig hinten)

 

am abend erfrischt, mit wachen sonnenaugen, blättermund und sprudelnder ruhe

heimkommen.

 

die alchemie geht weiter.

oxymel eins, mit thymian, salbei, oregano, kapuzinerkresse, ingwer, honig, apfelessig abfiltern, verkorken. boh, der salbei knallt.  hustenoxymel.

oxymel zwei mit weissdornbeeren ansetzen. herzstärkend.


hagebuttenoxymel. immunbooster, vitamin c.

 

die schiere notwendigkeit, angesichts tagundnachtgleiche und den dem dunkel zuwachsenden tagen, licht zu tanken, zu schlürfen, schlucken, aufsammeln, im herz bewahren, im inneren auge, im herzfeuer, im ich. 

nach dem reichsbürgerfahnenirrsinn im kleingartenvorstandsgarten diesen sommer, angesichts  einer unsäglichen partei, der allzuviele menschen sagbarkeit unerträglicher sachen antragen, angesichts nicht endender kriege, hungernder menschen am horn von afrika, jemen, burkina faso, afghanistan, sie können die liste beliebig fortsetzen, protestierender frauen in iran, denen mord, folter, vergewaltigung tagtäglich angetan wird (und den männern ebenso), angesichts erdbeben, dürre, überflutungen, einer bundesregierung, die die klimaziele krachend verfehlt und blöd rumlaviert,  bin ich dankbar für das licht, jeden morgen das licht und versuche es weiterzutragen.

bitte spenden sie an: ärzte ohne grenzen, tuisa hilft, oxfam, maldusa.org, proasyl, wer auch immer hilfe bringt, verteilt. sie können die liste gerne ergänzen.

bleiben sie wachsam, deutschland hat es laut amnesty international auf die unrühmliche liste steigender repression gebracht durch repressive gesetze, polizeigewalt und versammlungsverbote.

halten sie unsere demokratie nicht für selbstverständlich und einen sommer, der sie mit dürre oder überschwemmung verschont hat, ebensowenig. der klimawandel verbrennt uns den arsch oder lässt uns absaufen.we have no planet b.

bleiben sie freundlich, küssen sie ihre lieben, (oder rufen sie wenigestens an), pflegen sie ihre freundschaften (ich weiss, die to do listen sind lang, legen sie sie mal weg bitte)  denken und handeln sie demokratieschützend. fängt im quartier an. 

lesen: die schönheit der differenz von hadija haruna-oelker (war eine schöne lesung in mainz!)

alle zeit von tessa bücker (kommt im november nach mainz!)

podcast hören: im aufzug mit raul krauthausen und tadzio müller

trauer und turnschuh mit haruna hadija-oelker und max czollek

daniela sepehri und gilda sahebi zu iran 




Samstag, 25. Februar 2023

mit dem zug in die alte heimat

 mit dem zug in die alte heimat


jedes mal, wenn ich fahre, und ich fahre selten, neugier und verwunderung über neues.
eine weitere bahnstation auf der strecke, weggefallene haltepunkte.
die ortschaften und städte, die, eingekeilt zwischen bahnlinie und bundesstrasse, aufeinander zuwachsen und die gewerbegebiete mit ihren einmal rin alles drin-zweckbauten miteinander teilen. jedes mal sind mehr windräder auf den hügeln gewachsen.
 
weinberge gibt es immer noch. winterkahle reihen hügelabwärts wie mit dem lineal gezogen, von der bundesstraße oder einem quer laufenden hohlweg geschnitten; richtung bahnlinie und fluß von feldern abgelöst, in denen im sommer mais steht oder rüben, manchmal getreide. in den selten gewordenen senken winken ausgeblichene schilfbüschel. in trockenen monaten werden die felder bewässert, das zick-zick-zick der drehpumpen läuft manchmal im april schon. 

ich nehme mir vor, im frühjahr wieder zu kommen, wenn jede zweite rebenreihe gefüllt ist mit leuchtendem löwenzahn und die schlehen in hängen und gräben duftende wolken sind.

angekommen wecke ich das haus, ziehe läden hoch, öffne fenster, lasse wasser laufen und lese zählerstände ab. begrüße im hof jedes büschel lerchensporn, das sich zärtlich vermehrt hat. steche suppentellergroße stachelbiestige distelrosetten aus.
auch das löwenmaul hat überlebt. ich überlege, es umzusetzen, aber um die wurzel zu schonen müsste ich zwei backsteine heben, was einarmig, solange der gebrochene arm noch in der schlinge ist, heute nicht geht.

auf dem friedhof verstecke ich blumenzwiebeln unter dem efeu wie ein eichhörchen nüsse und hoffe, dass der frühling sie findet.

ein eisiger schauer treibt mich vom kirchberg herunter. am liebsten würde ich mich zu den schneeglöckchen ducken, aber man sah mir schon arwöhnisch zu, als ich am grab wunderkerzen abbrannte, aber nachher die kerze nicht anbekam (der wind war zu stark).

den nachmittag über sitze ich bei verwandten. wir lassen im erzählen unsere alte gasse auferstehen.
frau s, die ich immer um ihren garten beneidete mit seinem riesigen schleierkrautstrauch, der mit tiefroten rosen vor ihrem taubenblauen schuppen wuchs. so schön wollte ich auch einen garten. schleierkraut hatten wir nie.
die alte frau e "die wurde über 100!", als greisin dement und kindisch (zum glück! als kinder fürchteten wir ihre boshaftigkeit), tante p mit den hasen, g's jugend und meine kindheit in den gassen, radfahren lernen auf schotterstraßen, hühner im hof, zweitweise ein schwein, die kinderschulterschmalen reule in andere höfe, wo wir uns besuchten und spielten.

die hühner, sich balgend um nudelreste von mittagessen, die vom küchenabfluss direkt in den hof durch's "flösschen" schwammen.

an was wir uns schweigend erinnern: die gerüche. vieh und stroh, nasse briketts, atmende lehmkellerkühle, ungelöschter kalk im plumpsklo gegen die maden.

was anzuhören am schmerzlichsten ist: die pein und das schreckliche siechtum und sterben der schwiegermutter, krepierend an unterleibskrebs in windeln voll blut, kot und verfaulendem fleisch. wie muss dieser fluch die schamhaftigkeit der tiefgläubigen katholikin verhöhnt haben, von allen krankheiten ausgerechnet mit gebärmutterkrebs geschlagen zu sein.

wir gehen die nachbarschaft durch. die m's, schweigsam und freundlich, "waren denn h's nicht verwandtschaft?" "doch, aber die zogen früh weg". familie sch, getroffen mit selbstmord und wahnsinn. frau a, die so gut schneidern konnte, mit ihrem immer gleichen typ frauenverachtenden liebhabern. "warum bloß? sie war doch nicht dumm. hässlich auch nicht."
später im gespräch fällt die antwort "sie war gutmütig. zu gutmütig. auch zu den ekeln".

schwalben unter den giebeln. erste modernisierungen von mistkauten zu regelmäßig geleerten abwassergruben, schließlich gab es kanalanschlüsse, wurde die straße geteert.

fast keiner lebt mehr dort. auch meine verwandten wohnen in einem anderen ortsteil. die einen zu alt, weggezogen die andern, gestorben, die häuser verkauft, der schöne garten mit einem klotzigen mietshaus bebaut, andere gärten geteilt, voller häuser gestellt. kein baum mehr, kein strauch.
die hausgesichter noch abweisender zur straße zu als sie früher schon waren, giebelständig, daneben verschlossene tore.
in den höfen: parkplätze. keine schwalben mehr unter den giebeln.

während wir reden tobt sich aprilwetter im januar aus. vor dem fenster zum norden ein rüttelnder falke über den feldern, dahinter spannen sich zwei regenbögen; der vordere so funkelnd und strahlend, dass er unecht erscheint. leuchtreklame des himmels. farbiges hologramm.

vor dem westlichen fenster treibt regen im spitzen winkel, silberne fäden, theatralisch von der sonne bestrahlt.

als es aufklart, gehe ich, erinnerungssatt, voller lachen und weinen und reden. dankbar. umarmt.

danke an dieses stück heimat, das meine wurzeln verwahrt, die erinnerung meiner nackten füße an sommerpudrigen lehmstaub, backsteingepflasterte höfe und weich ausgetretene sandsteinstufen, an schwalbenrufe und wettsprünge von hofmauern in tiefer liegende gärten, den singenden klang der holztreppe in großmutters haus, an die menschen, die meine kindheit begleitet, behütet, bewacht haben vor so langer zeit. 
 



ebenfalls ein nachgetragener text aus dem januar 2023.




Sonntag, 19. Februar 2023

Monatsspaziergang

 Die liebe Kristina von "am liebsten bunt" lädt allmonatlich zum Spazierengehen ein. 

Mensch ist sozusagen eingeladen, wie sie schreibt,  "ein Stück der Umgebung in der ich mich gerade aufhalte, fotografisch zu dokumentieren. Dabei möchte ich versuchen, genau hinzuschauen, Schönes in Alltäglichem zu sehen und Details zu entdecken, die sich festzuhalten lohnen."

Nun denn. Seit Monaten will ich mitmachen und verpasse es ebenso regelmäßig.  Letzte Woche dann auf dem Heimweg Handy in der Hand statt im Rucksack. :-)

Einer meiner Wege nach der Arbeit führt mich, wenn ich möchte, am Rheinufer, an der Dauerbaustelle Nordmole entlang. 

Stilleben vor der Feuerwehr

Der Anblick des baumlosen Ufers ist immer noch ein Schock. Diese Leere! 

2017 hab ich den jüngsten der drei Bäume schon mal gezeigt

Jetzt nur noch Stummel. Es tut weh. Vor allem frage ich mich, ob die Fällaktion auf der Uferseite notwendig war, ich dachte nicht, dass diese auch bebaut werden sollte...


Große Traurigkeit. Drei großgewachsene Platanen weniger. An einem Ort, an dem eh kein Strauch, kein Baum, kein Schatten ist.
 

 

Ribbelige Wasserhaut.


 

Innenmole.

 

Einer der drei alten Kräne, früher war hier der Zollhafen, die stehen bleiben. Die Menschen sitzen, stehen, gehen, schlürfen Sonne. Es ist so ein ganz freundliches Nachmittagsgwusel und im Sonnenlicht richtig warm.

 

 

Kaimauerfundstück...

Börsentown

 

Sonntag vor 1 Woche aus Gründen die Familie nach Frankfurt verschleppt. Geburtstagswunsch: Senckenbergmuseum. Überraschung: Alle kamen mit. Froi. 

 

 

Davon gibt es keine Fotos, weil: Sonntag und Winter = Museum = VOLL  UND  LAUT

 

Danach entnervt, frischluftbedürftig und hungrig Stadtspaziergang und auf dem eisernen Steg Himmelsspektakel fotografieren. 



 Der Rest war Pizza, langsam bessere Laune, Heimfahrt, Himbeerquarktorte (hmpf, schleck, inhalier) 

Kommentar Kind 2 (das mit mir das Landesmuseum Wiesbaden samt dessen Naturkundeabteilung sehr liebt) : Dioramen und Schaukästen sind ziemlich "angestaubt" bis naja, Pelz und Federn lassend, das ist in Wiesbaden kleiner, aber viel schöner präsentiert.  Stimme 100% zu. 

Schön: Tiefsee, Wale und Dinos. Großes Kino. Und der Nachbau des Korallenriffs! 

Dienstag, 4. Januar 2022

Regen

Regnerischer Morgen. Unterwegs im Dunkeln mit Schirm und Rucksack. Ein Mosaik aus Geräuschen. Rattat trommelt der Regen auf den Schirm, ob ich unter einer undichten Traufe gehe, plabb plabb , unter Balkonen - Stille - oder den Weg entlang. Dicke Tropfen dopsen mit lauten blobb vom Dachrand. Bäng deng deng deng singt es blechern auf Motorhauben, jedes geparkte Auto klingt ein bisschen anders. Und wenn sie fahren das Swuusch unter den Reifen, ein langes Zschschsch oder ein stürmisches Wosch - Mist, jetzt hat mich einer mit Pfützenwasser vollgespritzt. In den Kanalschächten strömt es, rauscht, mal tief, mal heller, je nach Durchmesser. Schliesse ich die Augen, klingt es wie kurvenreiche Bäche. In den Pfützen schlagen die Tropfen Blasen, haben Wasserhütchen, springen. Gluckernd und glucksend in holpernden Schlucken kommt der Regen die Fallrohre runter und hängt in hellen Fäden unter den Laternen.


Samstag, 7. August 2021

Wald + Hund + unterwegs sein

Endlich zweimal geimpft! 

Meine Freundin habe ich bis auf 40 min letzten Sommer auf Abstand im Hof seit 2019 nicht gesehen. Traditionellerweise besuchen wir uns zwei- bis dreimal im Jahr samt Übernachtung. Wir haben uns sehr gefehlt! 

Aus der Zeit fallen mit einem Wochenende im Siegerland mit viel Wald + Hund Spaziergängen, quatschen, malen, kochen, Wein trinken, geniessen, Zeit zu haben.


An der Ley oder Lay











an der Nister


Frechdachs Sam


Wehr am Kloster



Kräutergarten Marienstatt


 
Ich will Akanthus im Garten!! Wer kennt sich aus?

Sam durfte nicht mit aufs Gelände - also ein schneller Kräutergartengang




 

Ach war das schön!!



Sonntag, 17. Januar 2021

Endlich Schnee

In der Nacht schon stehe ich mit dem jüngeren Kind auf dem Balkon und wir hören dem Flüstern des Schnees zu. Nachts gegen dreiviertel eins, stehe ich mit Aprikosenmarmeladebrot und einer Tasse Tee an der offenen Balkontür und genieße die Schneeluft. 

Sogar die Brause der Gießkanne hat ein Schneehäubchen und er ist in meinen Schnittlauch geweht.





 

Morgens stehe ich in Socken (bah ist das kalt) auf dem Balkon und mache die ersten Fotos. Schnee ist so rar bei uns. Ich möchte ihn festhalten. 

Im EG ist niemand zuhause, wie schön, nur Vogelspuren, die niemand zertrampelt. 



Badewanne zugefroren. 


Mein Glücksgott sieht im Schnee immer so glücklich aus. 



Später machen wir uns auf zu einem Schneespaziergang. 




und sie schüttelt ihr güldenes Haupt

... Korkenzieherweide

Schneefrau
Schneekind


Dachgartenzwergwäldchen



Gras streicheln


Jetzt regnets schon wieder und die Pracht ist dahin. 

Soifz. 

Gute Nacht.