Sonntag, 24. Mai 2020

Coronatimes die Zweite

Acht Wochen homeoffice. Einige Wochen weniger homeschooling, das jetzt abwechselnd mit Präsenzunterricht für Kind 2 und bei Kind 1 am vorigen Dienstag die letzte Fachabitursarbeit.
Wir sind eingegroovt.
Nach wie vor finde ich homeoffice suboptimal, aber die Aufrüstung aus der Technikschachtel des Gatten hat einiges verbessert.
Ein Laptop ist nicht gemacht für stundenlange Arbeit. 1. Der Bildschirm steht zu tief, wenn die Hände entspannt schreiben können sollen. Genickstarre. 2. Stelle ich das Teil auf 3 Bücher, damit ich geradeaus in den Bildschirm gucken kann, geht tippen gar nicht mehr. 3. Das ständige Benutzten des kleinen Mauspads zwingt die Unterarme auf eine scheissenge Haltung, das geht langsam Richtung Tennisarm.
Also erstens einen USB Hub angehängt, da das kleine Ding nur einen USB Anschluss hat. An den Hub kommen externe Tastatur und Maus, das Laptop wandert hoch auf 3 Bücher und fungiert als Bildschirm. So gehts besser.
Dass davon abgesehen, weder mein Tisch noch mein (Küchen-)Schreibtischstuhl ergonomisch für volle Arbeitstage ausgelegt sind, danach fragt keiner.
Das ist das bescheuerte an homeofficelösungen. Die ganze Einrichtung eines Arbeitsplatzes, von der Frage der Ergonomie bis zur Datensicherheit, bla und blubb, wandern tralala stillschweigend in die Verantwortlichkeit der Arbeitnehmenden.
Und da sind wir noch nicht bei der Frage, wohin mit den Kindern, die bei uns glücklicherweise nicht mehr ins Gewicht fällt. Bei zwei Großen, die ihren Kram selbst organisieren und glücklicherweise auch das technische Equipment vorhanden ist, ist keine Schul-/Kita- oder Hortbetreuung notwendig. Ich weiss, dann klingt das hier wie ein Luxusproblem.
Aber da mein Chef gewillt zu sein scheint, den Zustand noch einige Monate, ggfls bis 2021 auszudehnen, ist das Problem dauerhaft schmerzender Unterarme/Ellbogen/Handgelenke irgendwann nicht mehr luxuriös....
Wenig luxuriös ist auch der umgebende Lärmpegel, den ich bei Schönwetter und dem Wunsch nach offenen Fenstern an der Backe hab. Die kleineren zuhause festgenagelten Kinder unserer Mitbewohner haben hier und im benachbarten Mietshaus den Luxus einen begrünten Innenhofes, der sich über zwei Höfe erstreckt. Also haben die Eltern, von denen viele arbeiten müssen, ohne für einen Kitaplatz systemrelevant genug zu sein, aus der Not eine Tugend gemacht und betreuen den Kinderhaufen abwechselnd in eben jenem Hof. Hat was von Bullerbü. Ist gut so, begrüße ich, finde ich klasse, dass es geht, ist prima für die sechs bis acht Kinners und die Eltern haben eine Sorge weniger. Alles gut. Aber es gibt Tage, da nehme ich irgendwann nur noch DEZIBEL wahr und das bis in die Abendstunden knapp 20 Uhr. In den Hinterhöfen schallt es halt auch wie blöd. An Ausspannen ist also nach meinem eigenen homeofficetag nicht zu denken, es sei denn, ich verlasse das Haus oder sperre mich bei geschlossenen Fenstern und Türen ein.
Letzte Woche war ich an einem so kinderreich durchgebrüllten durchgejohlten durchgekrähten durchgeheulten Nachmittag/Abend so gar, dass ich selber kurz vorm Losheulen stand. Der Nachmittag hatte was von Terror. Der Dauerlärm hatte mich vollkommen gemürbt. Also ging ich runter und sagte zu dem nächstbesten Papa, der mir übern Weg lief " es reicht. Ich.kann.nicht.mehr. Ich.kann.nicht.mehr. Das geht jetzt seit Stunden, es reicht. Bitte. Ruhe. Jetzt."  Er nickte verstehend, sagte was von 10 Minuten und tatsächlich, dann kehrte auch Ruhe ein. (Dass die Nachbarn einen Hinterhof weiter danach lautstark draussen grillten, dafür konnte er nix. Aber die waren nach 'ner Stunde fertig.) Ich war für den Rest des Abends trotzdem nicht mehr zu gebrauchen.  Das Nervenkostüm war für zwei Tage in Fetzen.

Wer hier mitliest, weiss, wir haben einen Schrebergarten. Wer Schrebergärten kennt, weiss, es gibt Reglements, es gibt Vorschriften, es gibt im Mai Juni Gartenbegehungen, um zu gucken, ob alles ordentlich ist und der Garten kleingärtnerisch bewirtschaftet wird.
Wir haben knapp 600 qm Grund. Wiese. Beete. Manches fein angelegt, manches wild, weil's halt wild wächst.  Wir haben die letzten Wochen nachmittags rangeklotzt. Der Gatte zT ganze Tage. Unkraut raus. Beete anlegen. Komposterde umsetzen. Sensen. Mähen. Es gab Nächte, da wummerte meine Schulter von der Belastung so fett, dass ich mich kaum umdrehen konnte.

Samstag war Begehung. Es regnete. Wir fuhren raus. Die Begehung war bereits durch. Ein Zettel klemmte am Türchen. "Garten total verunkrautet. Ränder zu den Nachbarn keine 50 cm frei." So ein Zettel ist nach der Oxerei der letzten Wochen ein Schlag in die Magengrube. Letztes Jahr sah der Garten genauso aus, da hiess es alles okay. Dieses Jahr war ein anderer Vorstand begehend, einer der Hardliner, für den Öko suspekt ist und vor allem unaufgeräumt. Meine Pflanzen sind keine Soldaten!

Ich war kurz vorm Kotzen vor Zorn. Vor Frust. Vor Ärger.
Vor "jetztnochmehrtun" - ich will eine Pause! Verdammt. 
Okay, nochmal zwei Wochen Schufterei, um den Kotzbrocken friedlich zu stimmen, damit wir den Rest des Jahres machen können, was und wie wir wollen. Ich werde die Grabgabel heiraten und die Hacke an der Hand ankleben und die Sense an der Schulter oder so....

Es ist zum zerplatzen! Dieser besch.. Korinthenkacker, der Rauke, Wegerich, Giersch (essbar!) und blühenden Feldsalat und überhaupt alles als Unkraut definiert, was nicht aus dem Baumarkt kommt.  Wenn es möglich wäre (was es nicht ist) hier im Stadtrandgebiet an ein unreglementierten Stück Gartenpachtland zu kommen, wäre ich sofort weg.

Den Rest des gestrigen Tages hab ich grollend herumgesessen, zornig Teig geknetet, knurrend Kuchen gebacken und mit zwei Händen gleichzeitig Suppen gerührt - Stressabbau.

Scheisstag.

Dafür gibt's heute Kuchen....





Samstag, 11. April 2020

schreiben in covid19zeiten.

es ist nicht lange her, ein paar wochen vielleicht, ein monat, nein eher zwei, drei, da zottelte durch meinen kopf ein immer wiederkehrender hartnäckiger gedanke. ich müsste mal zeit haben. so richtig. richtig zeit. zum malen, schreiben, bücher binden, all die creative-online-classes machen, die gebucht aber kaum angefangen sind. zeit, mich um eine handvoll texte zu kümmern, die als ufos herumliegen und endlich in die richtige form geschrieben werden sollen, weil ein ziel dahinter steht (wenn ich mich denn traue, aber das steht auf einem ganz anderen blatt)
und im gleichen denkmoment immer das schlechte gewissen "wünsch dir so was nicht. das hieße arbeitslos sein. sei froh dass du arbeit hast, die kinder gelingen, der mann gesund ist (klopfaufholz)" undsoweiter. der kopf ist gut in blockaden.

und leben ging weiter mit büro und einkaufen, kochen und haushalt, gelegentlich onlinekursen oder was ausprobieren, manches sehr konzentriert und begeistert, manches halbherzig, lustlos, verloren zwischen den bildern auf instagram derer, die alles besser können, schöner, ideenreicher, ausdrucksstärker, einfach perfekt, blablabla.
dann kam anfang märz eine doofe grippe, zwei wochen zuhause, anderthalb davon krank, covid19 wurde immer ernst zu nehmender (anfang märz war das noch nicht so, ich erinnere mich gut) und dann lockdown.
anfangs noch halb büro, halb von zuhause arbeiten, eine woche später waren die vom chef eilends bestellten laptops mit allem bespielt, was wir für den job brauchen und schliesslich die letzten zwei wochen homeoffice.
als erste aufstehen, meist alleine frühstücken (was mich nicht stört), früh schon am rechner sitzen, arbeiten. der rest der familie taucht gegen 10 auf oder so, (oder gegen vier am nachmittag, es sind nachteulen) teepause mit kind oder mann, mal eine maschine wäsche aufsetzen, arbeiten.
bis zwei halb drei am rechner, danach war ich meistens unglaublich knatschig, angespannt, griesgrämig, es dauerte tage, bis ich kapierte, wieso.
da war kein abstand. kein ich fahre mit dem rad von hier nach da, lüfte mein hirn aus und bin aufnahmefähig und willig! für andere. da war kein "bist du jetzt zuhause oder im office?" da war in der tür stehen bleiben und losquatschen - hallo, ich arbeite. oder telefoniere. oder reiche online anträge ein, knifflig, mussmich konzentrieren. da war es schwierig für die anderen meinen ich-bin-da zustand als ich-muss-arbeiten-lass-mich-in-ruhe zu respektieren.
und bis ich den laptop nachmittags zuklappte und auch für mich selbst nicht mehr am arbeiten war, stand ich immer mehr unter strom.
der fehlende abstand von zustand home zu zustand job und vice versa ist schwierig.
zum zweiten sind weder mein tisch noch mein stuhl darauf eingestellt, einen komfortablen ergonomischen arbeitsplatz abzugeben.
später, nach essen kochen, pause machen, rumhängen, lesen, schläfchen einschieben, wieder an den schreibtisch gehen, um zu zeichnen, bücher bauen, nähen, what ever, war und ist schlicht unbequem.
jetzt eben sitze ich auf dem bett, beine untergeschlagen, laptop auf den oberschenkeln, kissen im kreuz, schreibe.
versuche auszublenden, dass mein mann unsinn und faxen machend aufkreuzt, rumalbert, mich ablenkt, versuche auszublenden, dass die kinderschar der hinterhöfe halligalli macht oder vorne auf der strasse mal wieder eines der nachbarkinder einen hysterischen schreibrüllplärrtobwütanfall hinlegt, der sich gewaschen hat und mich zunehmend rasend macht.

ich habe urlaub jetzt. seit gestern. donnerstag nachmittag hab ich das bürolaptop zugeklappt und weggepackt. für 10 tage. göttliche herrliche freie 10 tage. auf die ich doch nun schon seit monaten hinfiebere, oder?!

ich komme nicht aus dem quark. wie schon in all den freien nachmittagen und abenden der letzten wochen nicht. da hatte ich ja auch schon zeit.

was ist los. dieser covid19 lockdown macht mich bleischwer. wie eine lahme ente eiere ich zwischen küche, schreibtisch und bett her und hin. lese. koche. backe, esse. lese. döse. hänge rum. verliere mich auf insta. ich denke noch nicht mal, wow, das würde ich auch gerne mal machen, ich denke - nichts. leere. lähmung.

mir fehlt mein tanzen, der austausch mit all den wunderbaren frauen, mit denen ich mittwoch für mittwoch tanze, meditiere, spiele, mich ausprobiere, lache, weine, andere haut berühre, körper an körper durch den raum rolle, stupse, tanze, streichle, mir fehlt dieser austausch, dieser körperliche nonverbale kontakt so unendlich.

mir fehlt die unbeschwertheit, mich im freien zu bewegen. jedes rausgehen ist geprägt, gestempelt, gebrandmarkt mit den zwischenraum ausmessen, sind das 1,50 m oder weniger? muss ich jetzt stehen bleiben oder kann ich gehen? was ist mit der dänischen studie, die meint, im umkreis von sport treibenden menschen müsste man 4-5 meter abstand halten, weil die körperlichen ausdünstungen uns wie ein strom umfluten und viren transportieren?

einkaufen ist ein stetiges abchecken der abstände, ein flacher atmen, wenn ich mich unter unterschreitung der einmetzerfuffzich doch an jemandem vorbeischiebe, weil ich etwas suche oder leicht klaustrophobisch aus dem laden endlich raus!! will. ständiges aufmerken und innerliches zurückpfeifen meiner selbst, wenn ich versucht bin, meine nase zu kratzen, die brille hochschiebe, wenn meine augen so wahnsinnig jucken. warte.bis.zuhause.nach.dem.händewaschen.

es gibt lichtblicke. mit dem kind in den sonnenstreifen auf dem küchenboden sitzen und lesen.
mit kind zwo essen zubereiten und mit ihrer musikauswahl beschallt werden und zusammen wise guys rauf und runter mitsingen.
mit den nachbarn quatschen von hof zu balkon.  auf dem markt heute früh im strahlenden sonnenwetter eine tanzfreudin zu treffen und im zwei meter abstand zu quatschen.
es gibt lichtblicke. frühlingspost mit schönen drucken auspacken. die eigene in den kasten schubsen. den dicken bohnen beim schlüpfen, äh, aus der erde kommen zusehen.  die wespenkönigin, die einen nistplatz sucht. lehmbienchen in den traubenhyazinthen. frisch gesteckte blumenzwiebeln buchstäblich aus der erde gucken. die kastanie blüht. die goldlacksamen, vorige woche vorsichtig aus samenschoten in einem fremden blumenbeet geporkelt, gehen auf. am abend die fledermäuse.

morgen ist ostern. ich gehe mal eier kochen.

morgen und morgen und morgen ist immer noch covid19. morgen gehen weitere selbständige, einzelkämpferInnen, kleinst- und kleinunternehmerInnen kaputt, weil rheinland-pfalz mit den auszahlungen nicht nur hinterherhinkt, sondern schlicht stagniert. morgen können weitere menschen nicht mehr ihre miete zahlen, ihr essen kaufen, ihre verbindlichkeiten bedienen. morgen wird die lage in den flüchtlingslagern, in den zeltstädten, vor den grenzzäunen und auf den schiffen gefährlicher und gefährlicher, ohne dass wir ernsthaft etwas dagegen unternehmen wollen. wir, die reichen länder, in denen die menschen wasser haben und seife und abstände einhalten können.
morgen gehen die raubzüge auf den aktienmärkten weiter, wo die kurse nach unten rutschen und die global player easy peasy auf fischzug gehen können und alles aufkaufen, was grade abkracht. wenn dieser covid19wahnsinn mal vorbei ist, werden wir uns die augen reiben und neu verschobene kräfteverhältnisse zugunsten des raubtierkapitalismus feststellen. werden wir mühe haben, die aufgegebenen freiheitsrechte wieder zurückzubekommen. unsere überwachungsdaten nachweislich gelöscht zu bekommen. die an diktatorischen allmachtsphantasien besoffenen staatschefs wieder an demokratie und grundrechte zu erinnern.

es wird hart.




Freitag, 10. April 2020

Ich trage ein Kleid aus Wind - in Farbe.


"Ich trage ein Kleid aus Wind" die Zweite.
Diesmal in lesetauglicherer Größe für meinen Vater. 16,5 x 8,5 cm.
Das Zwergenbüchlein misst nur 3,5 x 8 cm .


gewebter Rücken.


 Das Zusammenspiel aus Aquarellfarbe und Salz macht den Schneekristalleffekt.






Das Papier ist problematisch. Es schlägt Wellen wie sonstwas die sich auch mit lange pressen nicht glätten lassen. 


Ich trage ein Kleid aus Wind, © Eva Becker, 2020

Sonntag, 1. März 2020

Ich trage ein Kleid aus Wind


Ich trage ein Kleid aus Wind

Ich trage ein Kleid aus Wind.
Meine Füße stecken in Schuhen, aus Treibholz genäht.
Ich halte mein Herz in den Händen
und warte auf schmelzendes Eis.

In meinem Haar rasten Vögel,
auf ihrem Weg aus dem Süden von Schnee überrascht. 
Sie singen vom Frühling.

Meine Schritte lassen das Grün los.
Ich schicke den Löwenzahn vor, er sprengt selbst Asphalt.

Bienenschwärme verberge ich unter der Achsel,
fallen die Winterstürme über mich her.

Meine Augen sind tiefgrüne Teiche,
mit Regen gefüllt.
Am Grunde regen sich Molche, träge Fische
und die grausamen Krieger der Libellen.

Singe ich, so erröten die Sträucher,
legen Pflaume und Schlehe duftende, weisse Schleier an,
setzen Krokus und Winterling
Blütendotter ins schüttere Gras.

Mit einem Schulterzucken
schicke ich meine Bienen los.

Ich trage ein Kleid aus Wind.



(c) Eva 29.2.2020

Heilung und anderes

Sarah Maker hat mit ihrer challenge areyoubookenough für Februar das Thema heal ausgerufen.






Da ich immer noch Unmengen Treibholz zur Verfügung habe, wurde Treibholz genäht.
Für das Buch habe ich alte und auch veraltete Heilmethoden ausgesucht.
So finden sich die Begriffe Trepanation, die seit der Jungsteinzeit angewandt wird, Tollkästen  14. Jhdt., Tabakklistier 18. Jhdt., Aderlass, der seit 460 v. Chr. bekannt ist, Quecksilber, Exorzismus, Schlafschwämme, Elektroschock 1930, Cox-Schaukel 1806, Cardiazolschocktherapie, Epilepsiekuchen 16. Jhdt. und den Abschluss macht Lobotomie, die ab 1940 etwa zu unübersehbar vielen verstümmelten Menschen führte.

Parallel dazu und ohne einen Weg in das Buch zu finden sind in diesem Februar einige Texte entstanden, die mit Heilung ebenso zu tun haben. Einige Freundinnen sind erkrankt, erdrückt durch depressive Phasen, sind auf den langen schweren Wegen der Heilung unterwegs.
Heilen, Heilung durch trommeln ist etwas, was mich nicht zuletzt durch Louise Erdrichs Buch Der Klang der Trommel sehr berührt. Eine Trommel lebt. Sie hat eine Seele. Sie hat eine Stimme. Sie ist heilig. Mithilfe trommeln zu einer Trance zu kommen, ist uraltes schamanistisches Wissen.



heal with the drumbeat

every drum has ist own voice
like a person, like you
a voice like earth, wind and fire
drips of rain
rush of a river
thundering crescendo of a descending cascade

the drumbeat speaks to your heart
to the flow of your blood
the rhythm of your inner organs

takes you in a flow
to forget
injuries, traumas, inabilities

heals

take the drum
let the pain go


heal.

*  *  *  *  *
Keine Heilung scheint es zu geben für den Hass, der in unserer Zivilgesellschaft eingenistet ist und in Hanau Ferhat Unvar, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtovic, Said Nessar El Hashemi, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Kaloyan Velkov, Fatih Saracoglu, Vili Viorel Paun das Leben gekostet hat.
Ich zitiere  Mulla Çetin
»Hanau war keine Überraschung, sondern das Ergebnis eines jahrelangen vergifteten Diskurses in Politik und Medien über Migration, Muslime und Muslim*innen. Zuerst fallen Worte, dann Schüsse. Die Würde des Menschen ist in Deutschland verdammt antastbar geworden.«

Dem ist nichts hinzuzufügen. 


Auseinandersetzen müssen wir uns damit. Jede und Jeder privilegierte weisse nicht als Migrant gelesene Mensch. Mit unserer eigenen Blindheit. Unserer Bequemlichkeit. Unserem Alltagsrassismus.  
Mahnwachen, politische Reden, Kerzen und Blumen reichen nicht. Es sind unsere Mitbürger und Mitbürgerinnen, die sich hier nicht mehr sicher fühlen können. Hören wir ihnen zu. Nehmen wir sie ernst. Wachen wir auf. 

... noch ein  Nebenbei: Der hessische Kultusminister Lorz ließ bei der Übergabe einer Unterschriftensammlung, die die Entfernung des gerichtlich festgestellten Faschisten B.H. vom Schuldienst anstrebt, erklären, dass die Landesregierung derzeit keinen Anlass und auch keine rechtliche Handhabe dazu sehe.

Was sagt man dazu. 






 

Montag, 17. Februar 2020

turbulenzen

draussen läuft ein leichter schleudergang für graupel, es klappert am (fenster)glas.
so kann ich mich beruhigt weiter in die bettecke knüllen und die vergangenen wochen aufsammeln.

erst mal: gesundheitsberuhigung. danke an alle, die an mich gedacht haben, besserung gewünscht, daumen gehalten. das röntgenbild der prothese sagt alles okay,  die orthopädin gibt tips für ein paar dehnungen, von denen ich dachte, sie seinen prothesenbedingt untersagt ("ach was? im ersten jahr vielleicht. jetzt dürfen sie alles!") und meint "da machen wir nix"
hach. steine polter.


liebste geburtstagskarten, die mittige collage von birgitt, danke!

mittwoch haben wir ganz geruhsam en famille meinen geburtstag gefeiert und am abend (schweren herzens ;-) statt tanZen...) eine lesung von miriam spies' marokkanischem roadtrip besucht. nett war's. nicht grade umwerfend. aber nett und fröhlich. mir kam es so vor, als habe das lektorat (oder sie selbst?) ihre fröhlich frische art zu erzählen, die bei den frei gesprochenen überleitungen so schön zu erleben war, zugunsten einer vermeintlich besseren lesbarkeit beschnitten. schade.


danach 35 min in der windigen mistkälte zu stehen, weil der bus nicht kam, mit einem schnatternden, klappernden ehegespons, das sich minütlich mieser und kränker fühlte, machte den tagesabschluss unschön.


freitag nachmittag tanzte hüpfte lachte prustete schwitzte ich mich mit VIELEN anderen frauen und ein paar wenigen männern im foyer des theaters eine stunde lang durch die choreographie zu one billion rising.
one billion rising: one billion, eine milliarde, jede dritte frau, die in ihrem leben gewalt erfahren hat. eine unvorstellbare anzahl. initiiert 2012 von eve ensler treffen sich weltweit frauen, um zu dem song break the chain gemeinsam zu tanzen. eine kraftvolle getanzte demonstration gegen gewalt! ein tolles erlebnis, in einem den platz füllenden gewoge und gewusel die gleichen moves, die gleiches steps zu machen und am ende mit hoch erhobenen one billion rising bannern unsere geballte kraft und solidarität zu zeigen. ein weltweiter aktionstag für gerechtigkeit, der in deutschland unter den schlagworten bewegen erheben leben stand. sprecherinnen von frauenhaus, mädchentreff, frauenbüro flankierten die demo.
es war verdammt beeindruckend.
der muskelkater danach auch.



gestern nutzten wir das föhnhafte frühlingswetter zu einer langen tour zu/in/durch den stillgelegten steinbruch in weisenau. im früheren steinbruch der portland zementfabrik wurde 150 jahre kalkstein gebrochen zur zementherstellung. heute ist das gelände renaturiert und auf einem beschilderten geopfad zu begehen. bienen waren auch schon unterwegs. kein wunder bei 15 °C - am 16. februar! bekloppt!


das schwärzlichkrisselige sind die verkalkten wohnbauten von köcherfliegenlarven





das hochwasser beschert immer neue spülsäume und meine treibholzsammlung hat bald keinen platz mehr auf der heizung...

freundlicher kleiner pottwal



den rehunterkiefer brachten mir neulich meine kinder von einem ihrer waldausflüge mit.  sie wissen doch unfehlbar, was ihrer mutter freude macht! die muschel fand ich 2019 am main.  

Samstag, 1. Februar 2020

Was ein Monat!!

Spontan am Abend mit zwei Frauen weggehen. J. ist eine alte Freundin aus Studienzeiten, A. kenne ich bisher nur vom Sehen, sie ist eine Kollegin und Freundin von J.  Nach zwei Stunden Geschichten erzählen, rumgackern, gemütlich sitzen, essen, trinken und reden, reden, reden, feststellen, alle Drei schreiben wir --- !! Nee, ne?!
....und ich denke so bei mir, da brauchen wir zwei Stunden für, bis wir zu dem Thema vorstoßen, das uns alle Drei bewegt. Handwerk. Technik. Aufbau einer Story, Romanpersonal sortieren, oder doch lieber short stories, wo nehme ich die Zeit her, woistmeinroterfaden. 
Wie irre. Wie überraschend. Was ein Geschenk!  
Bis zum Auseinandergehen nimmt der Gedanke zur Gründung eines Autorinnenstammtisches immer greifbarere Formen an. 
Hach.


Was ein Januar! 
Theaterbesuche mit modernem Ballett "Freiheit" von Weizman und Haver.
Hörtheater, The cold trip - eine Winterreise, bei dem bespielt (nein besungen!) wird: Ein kleiner Saal, ein Treppenhaus, Gänge, ein Platz und Kollonadengang, eine Baugerüsttreppe aus Stahl, ein Baustellenraum mit mordsviel Nebel und Plastikplanen. Soo geil! Ja, es war strange für die Ohren, schräg, manchmal auch anstrengend und unverständlich, aber es war großartig und noch viel großartiger finde ich, dass unser Theater so was macht! 
Familientreffen und GöGaGeburtstag. 
Die conversing with leaves Ausstellung in der Kunsthalle - Pflanzen, Anbau, Ausbeutung, Kolonialismus und Neokolonialismus. Sehr sehr sehenswert! 
Im Museum Wiesbaden mit Kind Zwei mehrere Stunden verbringen (und doch nicht alles sehen) beginnend mit der unendlich farbenfrohen Mit fremden Federn - Ausstellung
Rebecca Horn Adlerkarrussell (okay, das ist jetzt nicht "bunt")

über die einfach großartige Naturkundesammlung (wir lieben solche Sammlungen!) 






zu einem modernen Lasercutgebilde





zu einer Sphinx
Katsura Funakoshi A tale of a sphinx


 zu den bezaubernden riesigen Papierarbeiten von Angela Glajcar: 





Sehr spannend auch der Diskurs, der in der Fremde-Federn-Ausstellung thematisiert wurde zur Rückgabe sakraler Kunstwerke, die als koloniale "Beute" in unseren Museen zu sehen sind. Die Ausstellung hat Federschmuck aus Asien, Afrika, Nordamerika, Australien, Neuseeland etc. versammelt, der sehr oft rituellen und sakralen Handlungen dient(e). Der Wert eines solchen Objektes geht weit über ein Exponat hinaus. Absuderweise haben manche Objekte nur deswegen überlebt, weil sie als "entführtes" Exponat vor der Zerstörungswut der Kolonisatoren auf fremden Boden geschützt waren. Dennoch dürfte man sie im Grunde nur als Leihgabe betrachten und behandeln und auch zurückgeben.


Es gab Waldbesuche


Nebelperlchenstola


Gartenbesuche

zoomt mal, das grüne sind zwei Sittiche beim Baumhöhlebegucken. Nestmieter....


Potzblitz, wer hat die Böschungen freigeschlagen? Die waren 3 Jahre vollkommen zugewuchert und ein grünes Tunnel über dem Bach






Bei der areyoubookenough challenge in_between
mitmachen und dank Manos Hilfe auch auf Insta eine Collage der 9 Favoriten hinbekommen....




Radfahren am morgen und dem steigenden Licht zuschauen


 Weihnachtsbeleuchtung der Marina am 2.1.2020

Buchbinden nach dem wunderbaren Kurs bei Ali Manning  


crossed linked stitch over ribbons




Ein pickepackevoller Monat, bei dem mich am meisten freut, dass ich es immer wieder geschafft habe zu Verabredungen mit mir selbst. Input fürs Hirn. (Etwas, das ich seit anderthalb Jahren vernachlässigt habe. Ich bin sehr entschlossen, das dauerhaft zu ändern.)
Nicht zu vergessen das TanZen, das alle zwei Wochen beglückt, auspowert, nährt, Herz, Seele und Haut berührt und uns alle jedes Mal tief und reich beschenkt auseinandergehen lässt.  
Ja, so könnt's jetzt bitte weitergehn. Aber Sonne gibbes nich ohne Regen. 
Seit Dienstag nacht beunruhigen mich Schmerzen, ich brauche Arzt, Überweisung und Röntgentermine, das dauert jetzt 'n Weilchen. 
Wundert Euch nicht, wenns plötzlich leise ist....