Dienstag, 12. Juni 2018

Die Welt vor meiner Tür


Sitze in der Früh mit Herrn W. am Tisch. Wir besprechen so seine Fragen, geht die Türe auf, die Kollegin kommt rein, stoppt, bleibt stehen, sieht Herrn W. ungläubig an " Ich glaubs ja nicht! Was machst Du denn hier?!" - Wie so oft: Diese Stadt ist ein Dorf. 

Der junge Mann, der im Supermarkt im Schatten eines Regals steht und seine Haartolle mit Hilfe der Handykamera in die richtige Lage wischt. Undercut und schwarze Locken, die sich einfach nicht bändigen lassen. Draussen vor dem Geschäft sitzt ein Mittdreissiger in einem grauen Strickoverall, die Kapuze mit Ohren über dem Kopf, barfuß vor einem Stück Zeitung mit Münzen darauf. Er sieht aus, als hätte ihn die vorletzte Party ausgespuckt.

Am Morgen auf dem Molenweg unter Regenhimmel ist alles von gleichem Grau: Der Himmel, der Fluss, sogar der ICE auf der Eisenbahnbrücke nur ein grauer sich bewegender Strich über und unter dem Wasser.  

*  *  *  *  * 

Am Morgen entziffert die Sonne
meine Buchrücken im Regal.
Zeile für Zeile.

Der Hausmeister fegt Schmutz zusammen.
Die Schaufel schreit auf dem Asphalt.

Plötzlicher Wind schubst die Lampen an,
iiik-aak laufen sie mit dem Ticken der Uhr um die Wette.

Gegen Abend kehrt die Sonne zurück
spiegelverkehrt
und schaut, was ich las über Tag.

Der Regen hängt Wäsche auf.


 *  *  *  *  *









Montag, 11. Juni 2018

Papierliebe am Montag

RUND 

will es die liebe Susanne.

Nun denn das neue kleine Faltbuch soll sich runden....








ja ja seh ich auch, die Brause ist auch RUND.

Treibt's bunt rund!

Sonntag, 10. Juni 2018

Nachhaltigkeit

Die liebe Zitronenfalterin gibt als Denkanstoß für diesen Monat Nachhaltigkeit.

Wie nachhaltig lebe ich, leben wir als Familie, hat es Auswirkungen bis in den Beruf? 

Wir versuchen bio einzukaufen, regional auf dem Markt, aus dem eigenen Garten futtern. Nachdem wir den Wurstverbrauch ziemlich eingeschränkt hatten (Fleisch essen wir so gut wie garnicht mehr) hat das auftun von Biometzgern auf dem Markt den Verbrauch wieder erhöht. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das so wollte....

Für Einkäufe fliegen immer ein, zwei Stoffbeutel im Rucksack herum. Die Marktfrauen kennen mich und meine Taschen mittlerweile. 

Was wir nicht schaffen, den Milchverbrauch unserer vierköpfigen Familie, der verdammt hoch ist, auf weniger / Pflanzenmilch / Biomilch umzustellen. Das reisst dann echt im Geldbeutel.

Nachhaltig sind wir beim Putzen und Waschen


sogar die alte Spülmaschine mit ihren über 20 Jahren hat ein SparBioprogramm, das wir grundsätzlich nutzen. 

Bei dem Papier, das ein Haushalt verwendet. Toipa, TaTü, Kosmetiktücher, Küchenrolle. Geht alles 100% Recyclingpapier, wenn man weiss, wo.


Auch Haarseife und ganz altmodisch Rasierer, bei denen die Klingen ausgetauscht werden, statt Wegwerfrasierer, haben Einzug gehalten im Bad.  

Mülltüten werden nicht gekauft, jedenfalls keine aus Plastik. Der Biomüll wandert in Papiertüten, die Plastiktüten, die beim einen oder anderen Einkauf doch noch anfallen, kommen in den Sanieimer im WC oder hüllen den Brotvorrat für den Tiefkühler ein. Wir wiederverwenden die Kistchen von Obst  und Gemüse im Garten, um dort zu pflücken und heimzutransportieren. Die Papiertüten von Brot polstern die Biomüllpapiertüte aus, damit's nicht suppt oder dienen selber als kleine Mülltüten.

Unsere Stadt hat ein gutes System, gerettete Lebensmittel weiterzuverteilen. Auch das nutzen wir. Und einen tollen Unverpacktladen.

Nachhaltig ist für mich auch so was ganz olles wie heissgeliebte Wollsocken flickzustricken.



Die dicken Wollsocken aus Riga, die hier wie Hausschuhe angezogen werden, sind immer mal durch. 

Aber auch die weichen Wollkuschelsocken, die meine Mutter irgendwem an der Haustür abgekauft hat und die von den Wollmotten geliebt werden, sind alle gerettet....


Die Lieblingsjeans, in die echt nicht mehr reinpasste (und eine Änderung dieses Zustandes ist utopisch, wenn ich ehrlich bin) habe ich gestern passend gemacht. 



Weil ich den Fischleinstoff so mag und Susannes Nadelbriefchen einfach süß sind, hab ich mich mal daran gemacht, etwas ähnliches zu verfertigen. 


Aussen Fischlein, innen alter brauner Jenasstoff, hellgrüne Wellen zum Zusammenhalten.



Schiff ahoi!

Nachhaltigkeit bedeutet mir auch: Stoffe vom Flohmarkt, gelegentlich auch Kleidung (zuletzt ein wunderbarer Wollwintermantel) , Backformen dito, Ersatztopfdeckel, meine Sockenquietschbuntwollrestknäule, die Stick- und Häkelgarne, die ich zum Bücher binden verwende. Für Kurse hab ich mich auf dem Flohmarkt eingedeckt mit Bleistiften, Scheren, Cuttern, reicht für 10 TeilnehmerInnen .... nicht, dass ich je so viel hätte, kicher.

Wir haben kein Auto, haben gemeinsam bisher 1 Flugreise unternommen (Wir sitzen im Flieger nach Riga, sagt der Sohn, "wenn wir abstürzen, sind wir wenigstens alle zusammen." Hach ja, Kinder bauen einen immer so auf) fahren alle Rad, nutzen den Anhänger für Baumarkttouren und wenns nicht anders geht, nehme ich sehr entspannt ein Taxi.

Der Garten wird mit Kompost versorgt, Hornspänen, Biodüngern, nicht gespritzt, bzw. mit eigens angesetzten Pflanzenbrühen.

Auf dem Balkon gibt es nur Erde ohne Torf. 



Unseren Chef haben wir vor 2 Jahren endlich zu Recyclingpapier bekehrt und als Toner nur Refillpatronen zu nutzen. 

Nachhaltigkeit kann auch heissen, Sachen von meiner Oma weiterzunutzen, Knöpfe, Stoffe, Backformen, Gartengerät und all ihre Stahlnadeln in diesen zauberhaften Nadelbriefen!





Ehrenplatz. Lach.  

Danke Andrea, für den Anstupser, mir wird klar, an wieviel Ecken wir noch auf mehr Nachhaltigkeit achten könnten!

Fünf Fragen am Fünften

Astrid hat mich wieder drauf gebracht, Luzia Pimpinella fragt ja monatlich die 5 Fragen am Fünften. Ja ja ja der Fünfte ist rum, ich hinke hinterher wie immer.

1.   Wenn du emigrieren müsstest, in welches Land würdest du auswandern und warum?

Schwierig. An eins an der Ostsee denke ich. Lettland? 


Riga von oben
 Oder ins Burgenland, in die Nähe des Neusiedler Sees.  Wasser in der Nähe zu haben wäre unabdingbar.

2.   Nach welchen Kriterien suchst du einen Film aus und fällt es dir schwer, ihn einfach auszuschalten und nicht zu Ende zu gucken, wenn du ihn dann doch nicht so gut findest?

Es fällt mir nicht schwer auszuschalten, oder, wenn der Mann weiterschauen will, in mein Zimmer zu gehen. Manche Filme sind so "nee, muss ich mir jetzt nicht angucken", dass ich unter Umständen schon nach 10 Minuten abdrehe. 
Kriterien zum Aussuchen, hm. Ne gute Besprechung, ein interessanter Trailer, eines der Kinder sagt, "Mama, hast Du schon den geguckt?" Oder kommt und sagt "gucken wir zusammen?" 

gewebtes Wandbild aus eine Ausstellung in Riga 2014

 SchauspielerInnen oder RegisseurInnen, die ich schätze. Ansonsten lass ich mich auch gerne überraschen. 

3.   Wann hast du das letzte Mal zusammen mit anderen gesungen?

Mittwoch vor 3 Wochen in einem Feierabendchor. Fand ich nicht soo prickelnd. 
Einen Mittwoch später mit 11 anderen Frauen in einem Kreis stehend, Schulter an Schulter, nur tönen. Jede den Ton, der aus ihrem Tiefsten kommt. Nah einer Weile erwächst eine Dynamik, werden wir gemeinsam lauter, leiser, steigen die Töne und sinken, trägt und umhüllt uns ein Kokon aus 12 Stimmen. Das war grandios!

 
4.   Was ist dir im Bezug aufs andere Geschlecht ein komplettes Rätsel?

Der so vollkommen andere Dreckpegel.  Das Ego mancher Typen. Mansplaining nervt ohne Ende. Da kann ich mittlerweile auch echt unfreundlich werden, auch bei Kunden....
 
5.   Was liegt auf deinem Nachttisch herum?



Ein blechernes Hühnchen, Geschenk der liebsten Freundin, ein Engel aus Ton, getöpfert vom Sohn, ein Buchlicht, Geschenk vom GöGa, meine Tabletten, Tasse Wasser, mein alter laut tickender Rappelwecker, dessen Stehenbleiben mich nachts weckt, Minzöl gegen Kopfschmerzen, Vaseline für die Lippen und wichtig, liegt nicht da, hängt dahinter, ein Bild in die Kuppel der Synagoge von Szeged. 

Bei mir gehört der Blick ins Bett dazu, da liegen die Bücher. Ich schlafe ohnehin im Bücherregal....


 
und weil ich bei den Maifragen nicht mitgemacht habe, aber eine der Fragen mir so gut gefällt, hopst die jetzt noch hinterher!

Was machst du an einem Tag, der einfach nur für’n Arsch ist? Also, um dich aufzumuntern?

Musik hören. Tanzen. 

Hierzu vielleicht: 
 Dakha Brakha!!  

oder Alsarah and the Nubatones




Freitag, 8. Juni 2018

Alles gut

Ihr Lieben, die Ihr Daumen drückt und Zuspruch gebt. 
Ich danke Euch ganz vielmals.
Nun ist es raus, die Histo ist da und alles ist gut. Kein malignes Gewebe und die Bluterei hört auch langsam auf. Ich bin so froh, so dankbar und erleichtert. 
Danke für Euer mitlesen, mitfühlen, unterstützen, da sein. Danke.  
Jetzt fällt das Leben eindeutig leichter....

Samstag, 2. Juni 2018

Frühlingsmailart, nogelliprint, rosa innen

Die Frühlingsmailart ist zu Ende. Dem link folgend kann man alle Drucke bestaunen. 

Dank an Michaela und Tabea für die tolle Idee, die Organisation und überhaupt. Ihr seid klasse! 


Zeit alle meine Schätze zu zeigen, alle zusammen. 
Auf der Leine: 

Ist es nicht eine vielseitige Versammlung?!


Ich versuche mal zuzuordnen: 
Von links nach rechts, obere Reihe: Ein blumenzarter Druck auf federleichtem Papier von Josephine.
Kringel gedruckt morgentau auf morgentau, benäht mit Goldfaden, von Alexandra.
Tulpen und Tupfenkreise, ein wundervoll witziger Bogen von Carolin.
Morgentaublumen auf weiss, ein Wimmelbogen, von Maja. 
untere Reihe: Eine bunte Sommerwiese von Daniela
ein grafischer Druck mit weinrot, grün, weiss und orangen Blumenreihen von Jutta. 


Und weiter gehts von links nach rechts, oben: 
Grafisch und farbstark mit dunkelblau und krachendem Pink der Bogen von Bhupali - wow! 
Daneben ein Druck von Nadine, den ich ein klein wenig enttäuschend fand. Sie hatte ihr Walzenmotiv noch mal separat auf Karten gedruckt, dort war es wunderschön. 
Ganz rechts ein in verschiedensten Grün-Blau-Violett-Tönen changierendes drolliges Kakteenmuster  von Liliane. 
Untere Reihe: Juttas Bogen nochmal besser zu sehen
rechts aussen der meine. 

Ich danke allen Mitdruckerinnen für die Freude über viele Wochen!


Und hier die Goodies, die noch eintrudelten!
Eine Baumkarte aus der Gemeinschaftsaktion von Ulrike und Christine - froi!
Eine zauberhafte Vogelkarte von Eli, hachz. 
Blütenranken von Birgitt - kann hier gerne weiterranken, einpflanz...
und Ulrikes herrlicher Bambuswald. 
Ihr Lieben, ich danke Euch vielmals! 

+  +  +

Igrendwann in den letzten Wochen ritt mich die no-gelli-print-druck-Laune
und ich machte ein paar Bögen, die dann noch überstempelt und mit den Luftnoppenrollen überwalzt wurden



Noch ein paar Karten auf Wellpappe und aus einem Teil der Bögen ein Falt-und-Steckbüchlein ohne Kleber und Naht nach Kristinas Origami-Vorbild. 

 sorry, unscharf, der Salbei wollte unbedingt in Szene....

*  *  *

Die Tetrapacks mit unserer Kinderstube sind auf den Balkon gewandert und der Inhalt wird nach und nach umgetopft und im Garten ausgewildert.  



 *  *  *

Der rhabarberrosa gefärbte Palmenstoff wurde zum Futter für diese kleine Tasche:



Auf der Klappe hab ich Susanne Nahtlusts Rosathema des Mai nochmal aufgenommen mit einem der Zigarettenstickblümchen, die ich vor Monaten auf dem Flohmarkt fand: 


Umhänger fehlt noch, dann hab ich eine neue kleine Tasche. Stoffrest reines Leinen von einem mainzer Ausverkauf, die Reissverschlüsse sind ausgetrennte Endlosreissverschlüsse eines kaputten Rucksacks, Blume vom Flohmarkt.

*  *  *

Balkonbewohner haben wir auch. Im Blumenwiesenkasten! 



Ihr seht das Blatt vor den beiden kleinen Tontierchen? Das hat eine Blumentopfbiene über ihren Eingang gelegt. Unter dem rechten Tierchen ist die Röhre. Leider gelingt es mir nicht, sie beim Anflug aufzunehmen. Sie ist sehr schnell.

Treibt's bunt. 

Freitag, 1. Juni 2018

Spielen im Freien

Die liebe Astrid hat wieder eine interessante linkparty gestartet und ich war diesen, huch, letzten Monat so zugepackt mit Job und Gesundheit, dass ich alles schleifen ließ, Mustermittwoch, Blogs lesen, Kommentieren, Papierliebe an Montag.... einzig Tagebuch schrieb ich und gelegentlich paar mails.

Spielen im Freien - ich will mal in meinem Kopf buddeln, ehe die Party schliesst.

Die ersten sechs Jahre im Elternhaus den Vaters hieß Spielen im Freien ein nicht sehr großer Garten, ein niedriger Kletterbaum, zwei Cousinen, ein Schäferhund und vor der Tür eine Straße mit nicht allzuviel Verkehr, Brennball, Versteckspielen. Stadt. Wenig Bewegungsmöglichkeit ausserhalb des Grundstücks oder weiter als direkt vor der Tür. 



Hieß aber auch, oft Ausflüge übern Rhein zur Oma mütterlicherseits, ein Hof, eine Scheune, eine nicht asphaltierte Straße, auf der ich mit dem für mich riesigen Rad der Oma Rad fahren lernte, viele viele Kinder, kleine Straßen, die Weinberge nah. Ein riesiger Garten.



 Oma und ich...

Wir spielten Verstecken, Fangen, wer hat Angst vorm schwarzen Mann, Gummitwist, Fischer Fischer, wie tief ist das Wasser, Brennball, Völkerball, ich weiss nicht mehr, was noch alles.

Mit 6 zogen wir um. Meine Eltern hatten im großen Garten der Mutteroma gebaut und es war ein Kinderparadies, jedenfalls in den ersten Jahren. Viele Bauplätze, noch keine Zäune, eine Herde Kinder, die in den Lehmhügeln der Baustellen tobten, kletterten, rutschten und allesamt loszogen. Die Weinberge waren ganz nah, dito die Felder, die Resche und Hohlwege zum auf Holunderbäume klettern, wildes Obst essen, Rad fahren wie die Teufel.

Wir waren mal in dem, mal in dem Garten, mal auf der, mal auf jener Baustelle. Mopsten Farbeimerdeckel und verschwanden in den steilsten der Hohlwege, wo wir meterlange Lehmrutschen angelegt hatten. Hintern auf den Deckel und abwärts!

Radelten auf der stillgelegten Bahntrasse hinter der halben Ortschaft entlang. 

Hockten im Gartenhäuschen und strippten.

Vater brachte mir erst eine Schaukel in der alten hohen Trauerweide an, später eine Strickleiter zu den ersten Ästen, die in dreieinhalb Metern ansetzten. Vor dort aus ging es in den Baum, höher als der Hausgiebel. Oft ein Buch zwischen den Zähnen turnte ich hoch, verankerte mich in den großen Astgabeln und las. Beguckte meine Welt von oben. Testete jedes Frühjahr neu aus, welche Äste noch trugen oder als Frostbruch auf drantreten und federn krachten.
Ich hatte Vertrauen in den Baum und in mein Gefühl unter nackten Füßen und Händen. Herrlich bei Wind mich in die Weide geklammert schaukeln lassen.

Die Schaukel in der Weide war Anziehungspunkt für Nachbarkinder. Wir tauschten das Brett gegen Trapez oder Ringe und übten Zirkusnummern. Der querschnittsgelähmte Zwilling aus der Nachbarschaft, der auf Krücken die Beine schlenkernd mit uns rannte oder im Rollstuhl-Handrad schneller war als wir zu Fuß, schaukelte auf der ganz nach unten gehängten Schaukel mit einem unglaublich weiten Bogen unter dem Vorhang der Weide, deren Zweige bis auf den Boden hingen.

Wir fuhren Rollschuh den Lorchmühlbuckel runter (sau steil) und im Winter dort Schlitten. Bei Überschwemmung der Altbach, was alle Sommer bei Gewitterwolkenbrüchen stattfand, rasten wir mit den Fahrrädern, dass es spritzte, durch die Altbachsenke. 

 an der Altbachbrücke mit dem Bärbelpüppchen, zu Besuch bei Tante Emmi und Onkel Hans

Neben unsrem Grundstück gab es eine Gruppe Lindenbäume, noch höher als unsere Weide, wohl auch älter, die über der Straße mit der Gruppe Linden auf der andern Straßenseite ein dichtes Dach bildeten. Das war unser Indianergebiet. Hüfthohes Gras zum Anschleichen und in ein, zwei der Bäume waren Tritte aus Zimmermannsnägeln genagelt. Rauf und runter. Johlend angreifen. Auf allen Vieren kriechen. Bei einer der Aktionen griff ich in den abgebrochenen Boden einer Weinflasche, grün im Grün versteckt und jagte mir eine Zacke des Glasbodens ins Handgelenk, knapp neben die Ader. Ich weiss noch, wie die Schnittstelle innen drin erst weiss war, dann sich langsam mit Blut füllte und mein Kopf wattig wurde. Wir rannten heim, die Hand verbinden lassen.

In der Schule wurde Klicker gespielt, was ich nicht besonders spannend fand. Gummitwist in den Pausen.  An mehr erinnere ich nicht. Fangen.

Später kam Frisbee auf, ein großer Spaß für Gruppen. Ich bin als Kind jahrelang in den Sommerferien in Zeltlagern unterwegs gewesen, bis heute rollt meine Frisbeescheibe ins Ziel, kicher. Nachts besonders toll mit Leuchtscheiben! 

Spielen im Freien - Festivals, Konzerte und Garagenfeten bei einsetzender Pubertät zähle ich mal grinsend dazu. 

Die Tochter ist fast jedes WE mit ihrer Chorclique in einem der Stadtparks unterwegs, radeln, grillen, chillen, quatschen....

Wie Astrid an anderer Stelle schon schrieb und was unsere Generation wohl auszeichnet, ist das unbeobachtete Spiel im Freien. Kinder / -gruppen, die sich frei bewegen können innerhalb eines bekannten Rahmens, ohne Überwachung und Kontrolle. Die irgendwann zum Essen heimkommen. Der Rahmen war das Viertel, eine ganze Kleinstadt, Felder etc. bis zum Nachbarort. Das Reglement im Verhältnis zu den Erwachsenen war bekannt und untereinander wurde das meiste selbst geklärt - sofern die Schäden nicht zu gravierend oder auffällig waren. Etwas, wozu alle Peergroups neigen (wenn man es ihnen zutraut/sie lässt/sie nicht ständig überwacht/gängelt)

Ich geh jetzt auf den Balkon, nach der Fledermaus gucken!