Dienstag, 21. Juli 2020

Gartenwundertüte

Ich bin ja gewohnt, dass der Garten, egal, was man tut, ein Eigenleben hat und jedes Jahr Pflanzen aufpoppen oder nicht kommen oder woanders (??was zum Donner machst Du hier??), aber dieses Jahr haben wir den durcheinandrigsten Anbau seit langem und er funktioniert (okay, bis auf Erbsen und Gurken, die motzen, auch wenn ich nicht weiss, worüber).


Erdbeer-Himbeerbeet. Die Bohnen, von denen ich glaubte, es seien Puffbohnen, entpuppen sich als Kletterer, Borretsch und Ringelblumen haben wir hier sowieso überall.


Der Blick über den vorderen Teil in das Zwiebelbeet zeigt Borretsch und Ringelblumen, haha. Darunter liegen die Zwiebeln, sie sind irre gut gekommen dieses Jahr und die Möhren haben gegen die Ringelblumen erstaunlich gut durchgehalten. Das ungeplante hat sich neben das angebaute alles so dicht an dicht ausgesäät, dass es trotz unseres pupstrockenen Sandbodens Feuchte hält.



Das Seifenkraut, das nach dem Kälberkropf blüht, hat sich wie jener ordentlich weiterverbreitet. Die Horste sind auch ohne Blüten sehr hübsch.


Zwergenweg im Hummelhimmel. 

 Die Wiese ist eine Mauselochpiste, tlw. bricht man schier ein, wir haben unsere Pfade, die trittsicher sind, aber gelegentlich macht's so kracks im Fuß...


Ein letzter letzter Mohn. Deswegen ist er auch unscharf, öhöm....

 Alle anderen streuen schon ihre Büchschen leer.     -->Das Bild ist bisschen älter!


Gegen 21 Uhr gehen die Nachtkerzen auf. Leuchtende Monde. Leider sind kaum Falter zu sehen.

Auf dem Hühner- äh Hühnengrab, unserem ersten Hochbeet, na gut, richtig hoch isses nicht,  toben 2 Zucchinipflanzen umrahmt vom Borretschdschungel. Die Bienen kriegen sich garnicht mehr ein. Jetzt, wo Blätter Schatten werfen und der Borretsch immer mal ausgerissen oder entblättert wird zum Mulchen, gehen sogar Bohnen und rote Bete auf, die ich Monate vor den Zucchini hier gelegt hatte. Ich fürchte, sie haben kaum ne Chance gegen die Fleckenblattmonster.



Den später ausgepflanzen Butternuts haben wir in ein Ställchen gebaut, damit erstens das Wasser nicht ständig wegfliesst und er zweitens Licht bekommt - Zucchiniblätter und Borretsch werden weggedreht oder als Mulch abgerupft und drumherum gelegt.


Monster. Sag ich doch.




GöGa im Glück. Endlich blühen sie!
Und die wilde Mischung zu ihren Füßen aus Buschbohnen und Wolfsmilch, daneben rote Bete und Glockenblumen (nicht auf dem Bild) zeigt sich auch erstaunlich koproduktiv.


Nachdem die Schnecken einiges der früh ausgepflanzen Sachen hinne machten - Tomaten! weg, Kohlrabi! - weg,  hab ich auf Verteilung gesetzt: Die letzten 8 oder 10 Kohlrabipflänzchen wanderten in die Erdbeeren, unter die schwarze Johannisbeere, landeten bei den Brombeeren - sie überleben, werden dicker und blauer und verhöhnen alle Erfahrungen der Vorjahre, die immer lauteten "bei uns kommt Kohl nicht".
Tomaten stehen jetzt mit Brombeeren und Johannisbeeren zusammen, wie gewohnt im Borretschdschungel, neben Schleierkraut und Pfingstrosen, in einem aufgelassenen Beet nach der Kornrade unter Sonnenblümchen und sehen sehr wohl aus.  Nur das ursprüngliche Tomatenbeet bleibt leer. Die Schnecken sind erbarmungslos. Dort lasse ich den Mangold blühen und aussamen. Er wächst wild und taucht seit Jahren immer anderswo im Garten auf. Man muss halt ne Weile herumlaufen, bis man die gewünschte Portion zusammenhat. Wundertüte Garten. Rote Bete mit schwarzer Johannisbeere, Erdbeeren und Kohlrabi, daneben Stangenbohnen ist ein ungewohntes Bild, aber erstaunlich wuchsfreudig. (Jo, besonders die Erdbeeren, die ihre langen roten Triebe überall hinschicken)
Nicht unbedingt das, was man so als Mischkultur lernt.

Dass es nicht so grausam heiss ist, wie in den letzten Jahren, tut Pflanzen, Böden, Viehzeug und uns gut. Noch nie so viele Ohrwürmer gehabt wie dieses Jahr. Das Nacktschneckendesaster bekommen die Tigerschnegel in den Griff. Und als wir gestern den nur noch aus Schilf-en-bloc bestehenden "Teich" leerten, nein nein aushoben, sind Hunderte Kellerasseln mit umgezogen. Das Kind rettete die am Boden wuselnden mit dem Schippchen, dann kam Wasser rein.
Den Schilfblock lagern wir zwischen, trocknen ihn durch und werden ihn stückweise zum Entsorgungsbetrieb bringen....



Es war spät als wir gestern abend fuhren.




Samstag, 18. Juli 2020

Blick über die Höfe

Blick über die Höfe

Ich zähle:
7 Häuser
44 Fenster
10 Balkone
11 Schornsteine
4 Antennen.
Über allem: Srii Srii
Ein rasender schreiender Schwarm!
Mauersegler
Gefiederte Bögen, geschleudert ins Blau.

Tausende Bienen im Wein.

Frau Wespe kommt allein.
Zierlich hängt sie kopfunter an einem Bein
im Gießkannenrund,
trinkt und holt Wasser
für ihre Schwestern.


Eva Becker 18.7.2020

Donnerstag, 11. Juni 2020

pocketpoetrybook und Sachenfindebücherchen

Ich habe von der wunderbaren Druckaktion mit Elvira vom April letzten Jahres noch einige Gelliprints hier liegen. Neulich hab ich die Platte nach einem Jahr (!) hervorgeholt und eine neue Runde Bögen gedruckt. 




Macht Spaß, aber dann sitze ich auf einem Haufen Papier und weiss erst mal nicht, was ich damit machen soll (ausser Bucheinbände, aber da Kurse geben grad flachfällt, wird der Stapel nicht kleiner).
Über Ulrike bin ich zu Lydia Rink gekommen und einem tollen Video zu Faltbüchern mit Dreieickseiten. Danke!
Der erste Dummie entstand Ende Mai. Für den hab ich Seiten wild mit Acrylfarbe und markmaking eingefärbt, jedoch nur einseitig und bisschen bestempelt. Wollte ja nur mal gucken, wie es geht... Sollte ja nur'n Dummie und so. Hmm. Die Bindung gefiel mir. Sehr sogar.



Einen Abend später schnappte ich den Stapel Gelliprints, leimte Seiten zusammen und schnitt sie 14x14 cm zu. Pressen, trocknen. 
Heute nachmittag falten. Dreiecke aneinanderkleben. 



Große Freude. Vorder- wie rückseitig farbenfroh.
In den Taschen sind Gedichte untergebracht. 
Abweichend von Lydia Rinks Bindung, die die Rückseiten alle zum Buchblock zusammenleimt, habe ich meinen offen gelassen, um den beidseitig farbigen Lepo aufstellen zu können.



Da ich mich entschied, den Lepo offen zu lassen und nicht zum Buch zusammenzuleimen, brauchte er Stabilisation. Einen Schuber. Gedämpft oranger Fotokarton mit Gelliprint.


und eine Eingrifföffnung. 


Voila. 

auf insta ist noch ein video dazu zu sehen. Und dieser Post geht jetzt erst (14 Tage speeter) online, weil ich fluchschimpfmotzmecker viel zu viel Zeit sinnlos und erfolglos verhuddelt habe, das Video und eine Menge anderer Bilder vom Smartphone, das ganz und garnicht smart ist, hier herüber auf den Rechner zu ziehen. Knurr. 

Für die Bloglesenden und Nichtinstagrammenden - ein kleines Sachenfinderbüchlein für ein Mäuschen zum 6. Geburtstag ist auch noch entstanden.  Angefixt von thetravellingbookbinder
hab ich Rachel Hazells Vorlage für das folduppocketbook etwas abgewandelt, die Taschen mit mehr Stichen dekorativ vernäht, das Ganze statt Lepo mit verkreuztem Langstich zum Buch gebunden und noch nen Wickelverschluss mit Kinkerlitzchen geknotet.







Update: Wie mir ihre Mutter erzählte, kam sie einzig bei dem Nachthemdchen ins Zweifeln, ob das denn tatsächlich von einer Prinzessin sei... hmhmhm. 

Update zwo: War gestern bei den Biberbäumen, keine einzige frische Fraßspur mehr zu sehen und ne Menge Bäume sind abgesägt. Traurig.  

Ich bin

Ich bin das farbige Ballett der Ampel, viermal rund um eine leere Kreuzung.
Ich bin der Gesang der Vögel vor der Dämmerung.
Ich bin Rollkoffersound auf Kopfsteinpflaster.
Ich bin der Lärm des Flugzeugs, der den Himmel aufreisst.
Ich bin der Klang des Toasters, der eine Scheibe Brot geröstet ausspuckt.
Ich bin der Blick, der horizontblind an der nächsten Hauswand abprallt und zu Boden rutscht.
Ich bin der Hund, der Strasseneckenzeitung liest und pinkelt.
Ich bin der Haufen, dampfend für den nächsten Hund, mit Hinterpfotentritten weit verteilt, schneller als ein Mensch mich einsperrt und versteckt in einen Kackebeutel.
Ich bin Heuhüpfer, die Deinen Schritt begleiten, wie Tropfen spritzen sie aus gelbem Gras.
Ich bin der Regen voller Duft und voll Versprechen.
Ich bin der Baum, der seine Wurzel streckt und Wasser schmeckt und Erde, wenn das Gewicht der Pflastersteine weggenommen ist und Regen in den Boden sickern darf.
Ich bin die Erde, die in großen Schlucken trinkt.
Ich bin ein Amselnachtlied und der Flug der Fledermaus.
Ich bin der Fluß, der schwarze Frachter und den Silberschein von Mondlicht Richtung Meer trägt.
Ich bin der Duft von nachtgeback'nem Brot, der in die Träume zieht.
Ich bin der Mond, der helle Schneisen in die Küche wirft, damit Du tanzen kannst.
Ich bin die Katze, laut miauend, weit nach Mitternacht. 
Lass mich ein!
 
 
7.6.2020
 
 
Über Ali Manning bin ich zu Tina Pech 'Couriocouture' und der Schreibgruppe Amotisse gekommen. Danke für das Anschubsen meines Schreibhirns.... 


#Black Lives Matters

ich möchte nichts hinzufügen

Einer meiner Freunde, Marokkaner, Jurist, seit Jahrzehnten in Deutschland, wehrt sich gegen das Wort Alltagsrassismus. Er empfindet als es verniedlichend, verkleinernd, im Grunde seine Rassismuserfahrungen abwertend. "Wenn der Rassismus schon so alltäglich geworden ist, muss man ja nix mehr dagegen tun." So empfindet auch seine -weisse- Ehefrau die Reaktionen auf ein zur Wehr setzen gegen Rassismus. Dem Betroffenen die Betroffenheit absprechen. Immer die Deutungshoheit der weissen Seite.
Dieses entschuldigende, vorschnelle, alle Verantwortlichkeit wegschieben wollende "Ichhabsjanichtsogemeint" 
 
Wir reden darüber und merken, uns gehen die Worte aus. Denn die Beispiele der erlebten rassistischen Bemerkungen und Verhaltensweisen rund um ihn sind ja tatsächlich Alltag, sein Alltag. Um dem Wort die Bedeutung zu geben, die es haben müsste, müssen wir ganz stille werden, zuhören und im Betrachten die Seiten wechseln. 



Warum ist aus der deutschen Berichterstattung eigentlich die Ölpest in Russland so vom Schirm gerutscht?! 
(Es geht nur noch um Corona und USA.) Im Radio höre ich kaum garnichts davon (DLF, SWR 2) Lese mich durchs Netz.... Diese Ölpest bedroht die Arktis. Und durch den tauenden Permafrostboden werden weitere Ölunfälle zu erwarten sein.



Entschuldigt diesen verzottelten Post. Mir geht zu viel im Kopf rum.

Sonntag, 24. Mai 2020

Coronatimes die Zweite

Acht Wochen homeoffice. Einige Wochen weniger homeschooling, das jetzt abwechselnd mit Präsenzunterricht für Kind 2 und bei Kind 1 am vorigen Dienstag die letzte Fachabitursarbeit.
Wir sind eingegroovt.
Nach wie vor finde ich homeoffice suboptimal, aber die Aufrüstung aus der Technikschachtel des Gatten hat einiges verbessert.
Ein Laptop ist nicht gemacht für stundenlange Arbeit. 1. Der Bildschirm steht zu tief, wenn die Hände entspannt schreiben können sollen. Genickstarre. 2. Stelle ich das Teil auf 3 Bücher, damit ich geradeaus in den Bildschirm gucken kann, geht tippen gar nicht mehr. 3. Das ständige Benutzten des kleinen Mauspads zwingt die Unterarme auf eine scheissenge Haltung, das geht langsam Richtung Tennisarm.
Also erstens einen USB Hub angehängt, da das kleine Ding nur einen USB Anschluss hat. An den Hub kommen externe Tastatur und Maus, das Laptop wandert hoch auf 3 Bücher und fungiert als Bildschirm. So gehts besser.
Dass davon abgesehen, weder mein Tisch noch mein (Küchen-)Schreibtischstuhl ergonomisch für volle Arbeitstage ausgelegt sind, danach fragt keiner.
Das ist das bescheuerte an homeofficelösungen. Die ganze Einrichtung eines Arbeitsplatzes, von der Frage der Ergonomie bis zur Datensicherheit, bla und blubb, wandern tralala stillschweigend in die Verantwortlichkeit der Arbeitnehmenden.
Und da sind wir noch nicht bei der Frage, wohin mit den Kindern, die bei uns glücklicherweise nicht mehr ins Gewicht fällt. Bei zwei Großen, die ihren Kram selbst organisieren und glücklicherweise auch das technische Equipment vorhanden ist, ist keine Schul-/Kita- oder Hortbetreuung notwendig. Ich weiss, dann klingt das hier wie ein Luxusproblem.
Aber da mein Chef gewillt zu sein scheint, den Zustand noch einige Monate, ggfls bis 2021 auszudehnen, ist das Problem dauerhaft schmerzender Unterarme/Ellbogen/Handgelenke irgendwann nicht mehr luxuriös....
Wenig luxuriös ist auch der umgebende Lärmpegel, den ich bei Schönwetter und dem Wunsch nach offenen Fenstern an der Backe hab. Die kleineren zuhause festgenagelten Kinder unserer Mitbewohner haben hier und im benachbarten Mietshaus den Luxus einen begrünten Innenhofes, der sich über zwei Höfe erstreckt. Also haben die Eltern, von denen viele arbeiten müssen, ohne für einen Kitaplatz systemrelevant genug zu sein, aus der Not eine Tugend gemacht und betreuen den Kinderhaufen abwechselnd in eben jenem Hof. Hat was von Bullerbü. Ist gut so, begrüße ich, finde ich klasse, dass es geht, ist prima für die sechs bis acht Kinners und die Eltern haben eine Sorge weniger. Alles gut. Aber es gibt Tage, da nehme ich irgendwann nur noch DEZIBEL wahr und das bis in die Abendstunden knapp 20 Uhr. In den Hinterhöfen schallt es halt auch wie blöd. An Ausspannen ist also nach meinem eigenen homeofficetag nicht zu denken, es sei denn, ich verlasse das Haus oder sperre mich bei geschlossenen Fenstern und Türen ein.
Letzte Woche war ich an einem so kinderreich durchgebrüllten durchgejohlten durchgekrähten durchgeheulten Nachmittag/Abend so gar, dass ich selber kurz vorm Losheulen stand. Der Nachmittag hatte was von Terror. Der Dauerlärm hatte mich vollkommen gemürbt. Also ging ich runter und sagte zu dem nächstbesten Papa, der mir übern Weg lief " es reicht. Ich.kann.nicht.mehr. Ich.kann.nicht.mehr. Das geht jetzt seit Stunden, es reicht. Bitte. Ruhe. Jetzt."  Er nickte verstehend, sagte was von 10 Minuten und tatsächlich, dann kehrte auch Ruhe ein. (Dass die Nachbarn einen Hinterhof weiter danach lautstark draussen grillten, dafür konnte er nix. Aber die waren nach 'ner Stunde fertig.) Ich war für den Rest des Abends trotzdem nicht mehr zu gebrauchen.  Das Nervenkostüm war für zwei Tage in Fetzen.

Wer hier mitliest, weiss, wir haben einen Schrebergarten. Wer Schrebergärten kennt, weiss, es gibt Reglements, es gibt Vorschriften, es gibt im Mai Juni Gartenbegehungen, um zu gucken, ob alles ordentlich ist und der Garten kleingärtnerisch bewirtschaftet wird.
Wir haben knapp 600 qm Grund. Wiese. Beete. Manches fein angelegt, manches wild, weil's halt wild wächst.  Wir haben die letzten Wochen nachmittags rangeklotzt. Der Gatte zT ganze Tage. Unkraut raus. Beete anlegen. Komposterde umsetzen. Sensen. Mähen. Es gab Nächte, da wummerte meine Schulter von der Belastung so fett, dass ich mich kaum umdrehen konnte.

Samstag war Begehung. Es regnete. Wir fuhren raus. Die Begehung war bereits durch. Ein Zettel klemmte am Türchen. "Garten total verunkrautet. Ränder zu den Nachbarn keine 50 cm frei." So ein Zettel ist nach der Oxerei der letzten Wochen ein Schlag in die Magengrube. Letztes Jahr sah der Garten genauso aus, da hiess es alles okay. Dieses Jahr war ein anderer Vorstand begehend, einer der Hardliner, für den Öko suspekt ist und vor allem unaufgeräumt. Meine Pflanzen sind keine Soldaten!

Ich war kurz vorm Kotzen vor Zorn. Vor Frust. Vor Ärger.
Vor "jetztnochmehrtun" - ich will eine Pause! Verdammt. 
Okay, nochmal zwei Wochen Schufterei, um den Kotzbrocken friedlich zu stimmen, damit wir den Rest des Jahres machen können, was und wie wir wollen. Ich werde die Grabgabel heiraten und die Hacke an der Hand ankleben und die Sense an der Schulter oder so....

Es ist zum zerplatzen! Dieser besch.. Korinthenkacker, der Rauke, Wegerich, Giersch (essbar!) und blühenden Feldsalat und überhaupt alles als Unkraut definiert, was nicht aus dem Baumarkt kommt.  Wenn es möglich wäre (was es nicht ist) hier im Stadtrandgebiet an ein unreglementierten Stück Gartenpachtland zu kommen, wäre ich sofort weg.

Den Rest des gestrigen Tages hab ich grollend herumgesessen, zornig Teig geknetet, knurrend Kuchen gebacken und mit zwei Händen gleichzeitig Suppen gerührt - Stressabbau.

Scheisstag.

Dafür gibt's heute Kuchen....





Samstag, 11. April 2020

schreiben in covid19zeiten.

es ist nicht lange her, ein paar wochen vielleicht, ein monat, nein eher zwei, drei, da zottelte durch meinen kopf ein immer wiederkehrender hartnäckiger gedanke. ich müsste mal zeit haben. so richtig. richtig zeit. zum malen, schreiben, bücher binden, all die creative-online-classes machen, die gebucht aber kaum angefangen sind. zeit, mich um eine handvoll texte zu kümmern, die als ufos herumliegen und endlich in die richtige form geschrieben werden sollen, weil ein ziel dahinter steht (wenn ich mich denn traue, aber das steht auf einem ganz anderen blatt)
und im gleichen denkmoment immer das schlechte gewissen "wünsch dir so was nicht. das hieße arbeitslos sein. sei froh dass du arbeit hast, die kinder gelingen, der mann gesund ist (klopfaufholz)" undsoweiter. der kopf ist gut in blockaden.

und leben ging weiter mit büro und einkaufen, kochen und haushalt, gelegentlich onlinekursen oder was ausprobieren, manches sehr konzentriert und begeistert, manches halbherzig, lustlos, verloren zwischen den bildern auf instagram derer, die alles besser können, schöner, ideenreicher, ausdrucksstärker, einfach perfekt, blablabla.
dann kam anfang märz eine doofe grippe, zwei wochen zuhause, anderthalb davon krank, covid19 wurde immer ernst zu nehmender (anfang märz war das noch nicht so, ich erinnere mich gut) und dann lockdown.
anfangs noch halb büro, halb von zuhause arbeiten, eine woche später waren die vom chef eilends bestellten laptops mit allem bespielt, was wir für den job brauchen und schliesslich die letzten zwei wochen homeoffice.
als erste aufstehen, meist alleine frühstücken (was mich nicht stört), früh schon am rechner sitzen, arbeiten. der rest der familie taucht gegen 10 auf oder so, (oder gegen vier am nachmittag, es sind nachteulen) teepause mit kind oder mann, mal eine maschine wäsche aufsetzen, arbeiten.
bis zwei halb drei am rechner, danach war ich meistens unglaublich knatschig, angespannt, griesgrämig, es dauerte tage, bis ich kapierte, wieso.
da war kein abstand. kein ich fahre mit dem rad von hier nach da, lüfte mein hirn aus und bin aufnahmefähig und willig! für andere. da war kein "bist du jetzt zuhause oder im office?" da war in der tür stehen bleiben und losquatschen - hallo, ich arbeite. oder telefoniere. oder reiche online anträge ein, knifflig, mussmich konzentrieren. da war es schwierig für die anderen meinen ich-bin-da zustand als ich-muss-arbeiten-lass-mich-in-ruhe zu respektieren.
und bis ich den laptop nachmittags zuklappte und auch für mich selbst nicht mehr am arbeiten war, stand ich immer mehr unter strom.
der fehlende abstand von zustand home zu zustand job und vice versa ist schwierig.
zum zweiten sind weder mein tisch noch mein stuhl darauf eingestellt, einen komfortablen ergonomischen arbeitsplatz abzugeben.
später, nach essen kochen, pause machen, rumhängen, lesen, schläfchen einschieben, wieder an den schreibtisch gehen, um zu zeichnen, bücher bauen, nähen, what ever, war und ist schlicht unbequem.
jetzt eben sitze ich auf dem bett, beine untergeschlagen, laptop auf den oberschenkeln, kissen im kreuz, schreibe.
versuche auszublenden, dass mein mann unsinn und faxen machend aufkreuzt, rumalbert, mich ablenkt, versuche auszublenden, dass die kinderschar der hinterhöfe halligalli macht oder vorne auf der strasse mal wieder eines der nachbarkinder einen hysterischen schreibrüllplärrtobwütanfall hinlegt, der sich gewaschen hat und mich zunehmend rasend macht.

ich habe urlaub jetzt. seit gestern. donnerstag nachmittag hab ich das bürolaptop zugeklappt und weggepackt. für 10 tage. göttliche herrliche freie 10 tage. auf die ich doch nun schon seit monaten hinfiebere, oder?!

ich komme nicht aus dem quark. wie schon in all den freien nachmittagen und abenden der letzten wochen nicht. da hatte ich ja auch schon zeit.

was ist los. dieser covid19 lockdown macht mich bleischwer. wie eine lahme ente eiere ich zwischen küche, schreibtisch und bett her und hin. lese. koche. backe, esse. lese. döse. hänge rum. verliere mich auf insta. ich denke noch nicht mal, wow, das würde ich auch gerne mal machen, ich denke - nichts. leere. lähmung.

mir fehlt mein tanzen, der austausch mit all den wunderbaren frauen, mit denen ich mittwoch für mittwoch tanze, meditiere, spiele, mich ausprobiere, lache, weine, andere haut berühre, körper an körper durch den raum rolle, stupse, tanze, streichle, mir fehlt dieser austausch, dieser körperliche nonverbale kontakt so unendlich.

mir fehlt die unbeschwertheit, mich im freien zu bewegen. jedes rausgehen ist geprägt, gestempelt, gebrandmarkt mit den zwischenraum ausmessen, sind das 1,50 m oder weniger? muss ich jetzt stehen bleiben oder kann ich gehen? was ist mit der dänischen studie, die meint, im umkreis von sport treibenden menschen müsste man 4-5 meter abstand halten, weil die körperlichen ausdünstungen uns wie ein strom umfluten und viren transportieren?

einkaufen ist ein stetiges abchecken der abstände, ein flacher atmen, wenn ich mich unter unterschreitung der einmetzerfuffzich doch an jemandem vorbeischiebe, weil ich etwas suche oder leicht klaustrophobisch aus dem laden endlich raus!! will. ständiges aufmerken und innerliches zurückpfeifen meiner selbst, wenn ich versucht bin, meine nase zu kratzen, die brille hochschiebe, wenn meine augen so wahnsinnig jucken. warte.bis.zuhause.nach.dem.händewaschen.

es gibt lichtblicke. mit dem kind in den sonnenstreifen auf dem küchenboden sitzen und lesen.
mit kind zwo essen zubereiten und mit ihrer musikauswahl beschallt werden und zusammen wise guys rauf und runter mitsingen.
mit den nachbarn quatschen von hof zu balkon.  auf dem markt heute früh im strahlenden sonnenwetter eine tanzfreudin zu treffen und im zwei meter abstand zu quatschen.
es gibt lichtblicke. frühlingspost mit schönen drucken auspacken. die eigene in den kasten schubsen. den dicken bohnen beim schlüpfen, äh, aus der erde kommen zusehen.  die wespenkönigin, die einen nistplatz sucht. lehmbienchen in den traubenhyazinthen. frisch gesteckte blumenzwiebeln buchstäblich aus der erde gucken. die kastanie blüht. die goldlacksamen, vorige woche vorsichtig aus samenschoten in einem fremden blumenbeet geporkelt, gehen auf. am abend die fledermäuse.

morgen ist ostern. ich gehe mal eier kochen.

morgen und morgen und morgen ist immer noch covid19. morgen gehen weitere selbständige, einzelkämpferInnen, kleinst- und kleinunternehmerInnen kaputt, weil rheinland-pfalz mit den auszahlungen nicht nur hinterherhinkt, sondern schlicht stagniert. morgen können weitere menschen nicht mehr ihre miete zahlen, ihr essen kaufen, ihre verbindlichkeiten bedienen. morgen wird die lage in den flüchtlingslagern, in den zeltstädten, vor den grenzzäunen und auf den schiffen gefährlicher und gefährlicher, ohne dass wir ernsthaft etwas dagegen unternehmen wollen. wir, die reichen länder, in denen die menschen wasser haben und seife und abstände einhalten können.
morgen gehen die raubzüge auf den aktienmärkten weiter, wo die kurse nach unten rutschen und die global player easy peasy auf fischzug gehen können und alles aufkaufen, was grade abkracht. wenn dieser covid19wahnsinn mal vorbei ist, werden wir uns die augen reiben und neu verschobene kräfteverhältnisse zugunsten des raubtierkapitalismus feststellen. werden wir mühe haben, die aufgegebenen freiheitsrechte wieder zurückzubekommen. unsere überwachungsdaten nachweislich gelöscht zu bekommen. die an diktatorischen allmachtsphantasien besoffenen staatschefs wieder an demokratie und grundrechte zu erinnern.

es wird hart.




Freitag, 10. April 2020

Ich trage ein Kleid aus Wind - in Farbe.


"Ich trage ein Kleid aus Wind" die Zweite.
Diesmal in lesetauglicherer Größe für meinen Vater. 16,5 x 8,5 cm.
Das Zwergenbüchlein misst nur 3,5 x 8 cm .


gewebter Rücken.


 Das Zusammenspiel aus Aquarellfarbe und Salz macht den Schneekristalleffekt.






Das Papier ist problematisch. Es schlägt Wellen wie sonstwas die sich auch mit lange pressen nicht glätten lassen. 


Ich trage ein Kleid aus Wind, © Eva Becker, 2020