Sonntag, 20. November 2022

Paar links

Der Ork am langen Tisch führt weiter Krieg.

In Iran kämpfen die Menschen, Frauen voran, gegen 43 Jahre Unterdrückung der Menschrechte. 

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So lautstark der Protest in Iran und so gewaltsam die Versuche seiner Niederschlagung, so lautlos 

verhungern der Süden Sudans und Somalia. Helfen! https://www.welthungerhilfe.de

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gute Nacht

Samstag, 19. November 2022

der wind hat mir den kopf verdreht

der wind hat mir den kopf verdreht

nun treibt er durch die strassen.

er hat ihn um und abgedreht

nun taumelt er durch gassen.

der blick wird schief und krumm und dumm

gedanken ziehen fäden,

es geht ein dideldum herum

und zieht mich an der nasen.


der wind hat mir den kopf verdreht

mein tag verliert die kanten.

weiss nicht was wo geschrieben steht

weiss nicht wohin mein geist geweht

sag ist es früh sag ist es spät?

der schnee weht auf den rasen.


der schnee hat mir den kopf verkühlt

nun muss ich heftig niesen.

je dunkler desto kalt gefühlt

flücht ich von eisig wiesen,

verkriech mich tief in decken 

und lass den mond den schnee die nacht

vor'm fenster zähne blecken.



19.11.2022

Freitag, 12. August 2022

am horizont brennt der wald

ich bin der fluss, der sich in seine mitte zurückzieht,
an den rändern gerahmt von steinen, schlammgebacken, abfallbesetzt, das stille wasser mit kreisen, wenn am morgen die fische schnappen nach fliegen.
ich bin der reiher reglos auf treibholz, das auf sandbänken im flussbett gestrandet.
die handvoll tote wespen bin ich, gefangen, müde geschwirrt und herabgefallen vorm innern der scheibe und die ameisen auch, glänzende kommata, aschekrümelig hingestreut um den eingang des baus.
ich bin ackerland grau verdorrt, verkümmerte feldfrucht, lebloser boden, nicht einmal heuhüpfer, schaben nicht, keine grillen im giftstaub aufgegebener erde.
deine hummeln bin ich, nektar sammelnd im ochsenzungenbusch,
pollenbepudert schlafend in eibischblüten, sterbende flauschpelzchen am boden deines balkons.
mich umgibt der beissende gestank toter ratten am ufer, gärender hundekackbeutel, bauchoben treibender fische im algenverschleimten, köchelnden teich, der sich bloßlegt, tag für tag tiefer sein inneres zeigt, sterbend, faulend und blasig.
ich bin der alte unter dem dach, durstig und hungrig nach kühle. der abend
findet ihn mit offenem mund, mit milchigem blick aus augen von hitze gekocht, blauschillernd liegt er, fliegenumschwärmt.
ich bin die bettelnde, die am springbrunnen trinkt mit den hunden,
die familie, die ihren hof hinter sich lässt, alles verloren, vertrocknet.
es gibt keine ernte mehr, kein wasser, kein brot, keine früchte.
die vögel sind schon davon, hier finden sie nichts mehr.

ich bin die hitze, die euch ausglüht und schmiedet zu tod, knochenweiss.


am horizont brennt der wald.



eva becker 12. august 2022

Sonntag, 19. Juni 2022

Garten...

Manchmal einen Rappel kriegen...
 
Wir haben 3 Komposthürden, die gefüllt sind 
 
Und bis neulich hatten wir weitere drei, die ohne Umrandung irgendwie schief, überfüllt und zerzaust in den Garten sedimentierten und mit Mohn, Nesseln und Brennesseln zugewachsen einen riesigen Haufen bildeten.

Leider gibts nur nachher Bilder...



 

Dann war Christie Himmelfahrt, ich kam frühmorgens zum Gießen und mich packte der Rappel. Ich holte Handschuhe, Trinkflasche, Schippen, Mistgabel nach hinten in den Garten und fing an...
Die wild aufeinandergehäuften, mit Klatschmohn zugewachsenen Komposthaufen aus verrottenden Hölzern, schief gestapelt, zusammengesunken, im Winter vom Fuchs untergraben, noch mehr zusammengesunken, auseinandernehmen, Holz, das "noch gut" ist zum Trocknen aufrechtstellen und aus einem Roll-Lattenrost einen neuen Mistkasten bauen war eine Aktion für meinen Geschmack.
 
Danach war ich platt von der Hitze, brennesselverbrannt, zerkratzt und glücklich über die neu gewonnene Ordnung. Verteilte zarte lekkere Krümelerde um die Kartoffeln, Kürbisse, Bohnen, wässerte nach, liess mich beim Nachbarn (er ist in Urlaub, wir gießen, was seine Zeitschaltuhrsprenger nicht erreichen)  vom Sprenger nassregnen zum abkühlen und fuhr zum Mittagessen nach Hause. 
 
Netter Nebeneffekt: So langsam hab ich den Muskelabbau durch die faulen Wintermonate wieder eingeholt. Gießkannen durch den ganzen Garten schleppen, Latten mit dem 10 Kilo Vorschlaghammer in die Erde hauen, Erde schippen, es geht alles.  Was ein Glück! Wenn ich an meinen Zustand nach den ersten Garteneinsätzen im Frühjahr denke, da war ich vor Muskelkater schier krank und nach einer dreiviertel Woche Regeneration immer noch zu nix zu gebrauchen. 
Alt werden ist nix für Feiglinge.
 
 

gelb und die götter des fastfood. work in progress

I
Ich denke Gelb. Denke Regenmantel und Ei, Banane, flauschige gelbe Küken, denke Sonnenstrahlen im Kinderbild, denke Löwenzahn.
Schließlich drifte ich ab mit den Pusteschirmchen des Bocksbarts mit seinen Schirmchenkugeln wie Löwenzahn groß hoch drei, drifte ab zu den winzigen Bienen im Johanniskraut (denke kurz Gelb) und bleibe hängen an drei albernen Jungelstern, die auf dem Dach der Nachbarhütte haschmich spielen. 
Gelb. Ich habe noch ein paar Buchseiten vor mir, Gelb, wir tauschen untereinander. Jede schreibt, zeichnet, malt, collagiert ein paar Seiten und am Ende haben wir sehr verschiedene Unikatbücher in Gelb.
Aber die Gedanken sind unruhig und schaukeln davon mit den Schirmchen.
Ob das Haferwurz sei fragt die Freundin. Ich weiss es nicht. Der Himmel ist weiß vor Licht. Die Hitze glüht auf meinem Scheitel, meinen Lidern, pocht in Rot, pocht und der Kopf knickt ab, leise, leise fliegt er davon, lässt sich treiben wie ein halbleerer Ballon, der schon taumelt, wie ein Haferwurzbocksbartschirmchen. Das Hirn schaltet aus, was es sonst tut, hören, sehen, Sätze bilden, Gerüche sortieren, treibt, eine schwimmende Walnuss im Schädelballon, der verliert Luft und bleibt irgendwo hängen, wo es schattig und kühl ist, unter den Bohnen vielleicht, wo die Erde nass ist, weil frisch gegossen. 
 
II
Die fast food Götter flackern mit ihren Neonröhren über der Theke. Hinter mir dröhnt der Verkehr. Wenn die Ampel umspringt, brummt der Boden unter den Füßen und im Kühlschrank titschern die Flaschen. Ich kann es hören, wenn ich den müden Kopf an die Glastür lehne. Dann sirrt das Titschern in meinen Zähnen und rutscht mir kühl in den Bauch.

Serviettengirlanden und leere Pappschalen säumen den Weg zum Altar. Ich ziele Kleingeld in einen hingehaltenen Becher. Ob ich den richtigen getroffen habe?
Die Neonröhren blinken hektisch und gehen aus. Erst im Dunkeln wage ich mich auf die Straße.  Stoßstange über Stoßstange tanze ich zur anderen Seite, die duftende Tüte an die Brust gepresst, meine weit ausgebreiteten Nasenflügel halten den Schädelballon senkrecht. Ich sabbere.

III
Das Blinken und Hupen verklingt, je weiter ich mich von der Straße der Götter entferne, abbiege unter Linden, deren Blätter und Duft das Leichenlicht der Zebrastreifenlaternen schluckt. Im Park setze ich die Tüte ins Gras.
Wie warm mein Bauch, meine Brust, schwitzige Hände. Wische den Sabber vom Mund, ratsche die Papierhüllen auf, reisse Bissen ab, schlinge, verschlucke mich, huste die Brocken aus. Langsam! Langsam, ermahne ich mich. Nach ein paar Schlucken wird die Gier etwas milder. Ich wische Soße vom Kinn, trinke Wasser und füttere behutsam, mit aufgeweichtem Brot und zermatschtem Gemüse, den aus dem Nest gefallenen, geflüchteten Jungvogel, der ins Gras gekauert aufgewacht ist und schreit, sich hochreckt, den Schnabel aufsperrt und bettelt. 

IV
Das nasse Gefühl am Finger im hungrigen Vogelschlund, der das Futter absaugt, schluckt, wieder schluckt, die letzten Tropfen aus der Wasserflasche schluckt, schliesslich in sich zusammensinkt, ein müdes, kurzfristig sattes Händchen voll Tier. 
Die Götter des fast food klatschen Beifall. Wieder ein Opfer, ein Süchtiger, ein Gläubiger mehr, angefixt mit Zuckerpappebrot, Wassersalat und geschmacklosem, grannysmithhartem Tomatenersatz. Geweiht mit allheiligmachenden Soßen, chilliepulvergesegnet. Hosiannah. Alle Wege zum Tempel duftend gemulchter Röstzwiebelchrunch. "Schnauze" murmle ich ins beifallraschelnde Dunkel, lutsche die Soße vom Papier, knülle es mit Einmalservietten, Plastiktüte und Alufolie zum Ball, strecke mich neben dem Vogel aus. Schlafe. 
 
Träume in gelb.








19.6.22  nicht nur, aber auch, für Marina










































































 




Heute nicht

 

Heute nicht

Die Sonne rollt ihr Rad
und seine Speichen werfen rote Schatten.
Schüchterner Regen tupft Petrichor auf den Asphalt,
doch unter den Bäumen bleibt es staubig und grau.
Hinter meiner Stirne nistet der Vogel Müdigkeit.
Die Schlangen Traum und Schlaf legen goldene Augen auf meine Lider.

Gekost, gewiegt, behütet
von Regenduft und Regenlied
lass ich den Tag ziehn.



23.05.2022

Dienstag, 17. Mai 2022

Teewurst

Verdammt, jetzt hatte er doch nicht aufgepasst und die Metzgersfrau hatte ihm falsch rausgegeben. Das würde wieder Geschrei geben zuhause. "Du passt nie auf! Verdammt, wir haben doch sowieso kaum Geld, dann schenkst Du es noch dieser geizigen alten Kuh, die immer die Kinder beduppt! Ihre Mutter hat mich schon beduppt, als ich noch klein war und einkaufen musste. Kannst Du nicht aufpassen?!" und sie würde ihm eine Kopfnuss geben und das Portemonnaie westlich östlich um und um wenden in der Hoffnung, dass sich doch noch ein paar Münzen in den Falten versteckten. Die Teewurst, die er so gerne aß, würde er trotzdem bekommen. Aber schmecken würde sie nicht.  Drei Tage schlechte Laune, weil das Geld alle war und sie kaum noch Milch hatten und seine Mutter die Zigaretten zählen musste, bis das nächste Gehalt kam.

Es  war kein Weltuntergang, es waren nur fünf Euro. Die Alte war schlau, sie hatte ihm im vollen Laden auf den zehn Euro Schein nur eine Münze herausgegeben, als hätte er ihr nur einen Fünfer gereicht und sich dann sofort umgedreht zu ihrem Sohn und ihn ins Kühlhaus geschickt, noch Schnitzel holen und Dosenwurst und was noch alles, so dass er nicht  mit seinem Päckchen in der Hand zwischen den Hausfrauen stehen bleiben und ihr das Wechselgeld vorzählen konnte. Die Frauen wurden eh schon ungeduldig und hätten ihn am liebsten angeschubst, dass er den Platz am Tresen freimachen sollte.  "Träum nicht rum" zischte eine und guckte böse zu ihm hin.
Er schämte sich, dass er zu furchtsam war, sich zu wehren. Dass er es nicht fertigbrachte, jetzt direkt wieder in den Laden zu gehen, sich an den Tresen zu drängeln und dort zu sagen "Sie haben mir nur 1 Euro rausgegeben, ich hab ihnen aber 10 gegeben, da fehlen 5!." Er schämte sich und hatte ein schlechtes Gewissen, weil er zu schissig war, laut zu werden. Weil er mehr Angst hatte vor der Metzgersfrau, die ihn anzischen würde, was er wolle, er habe die 5 bestimmt eingesteckt, das müsse er gleich nachzählen, wenn sie ihm rausgebe und nun solle er verschwinden. Die mit der Hand wedeln würde, als sei er nur eine Mücke und lästig. Am liebsten wäre er vor sich weggelaufen. Oder hätte die Wurst weggeworfen und das Wechselgeld auch und zuhause behauptet, man hätte ihn beklaut. Oder er hätte das Portemonnaie verloren. Dann hätte ihn seine Mutter losgeschickt, es zu suchen. Überall. Seine Schussligkeit verflucht.  Aber eben nicht seine Angst vor der Metzgerin, vor den Frauen am Tresen, vor dem laut werden müssen vor Publikum, vor dem hochroten Kopf und der Scham und dem Stottern und den Tränen, die losrollen wollten, immer losrollen wollten, wenn es am schlimmsten war. 
 
 
 
 
 
Danke an Mehrnousch für die Reizwörter östlich Weltuntergang weggelaufen