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Mittwoch, 21. Februar 2018

eye poetry februar 2018

Die liebe Andreaholunder führt die eye poetry ins zweite jahr und ich möchte wieder teilnehmen.

Sie hat uns das Lerchenlied als Inspiration gegeben.

Das Lerchenlied
Der Tag bringt seine Sorgen,
mich lässt es unbeschwert,
das macht, ich hab am Morgen
die Lerchen singen gehört.

Nun geh ich durch die Menge,
geh ruhig und mit Lust,
weiß keiner, was für Klänge
ich trag in meiner Brust.

Es klang so süß und labend,
rief Mut und Hoffen wach.
Den Tag lang bis zum Abend
klingt's mir im Herzen nach. 

Johannes Trojan
Ich wollte versuchen wie im letzten Jahr schon mehr in die dritte Dimension zu gehen und hier liegen grade leere Streichholzschachteln herum...
Aber erst mal galt es Lerchenabbildungen zu finden. 
Die fröhlichen Haubenlerchen, die wie Spatzen in den Lehmwegen meiner Kindheit herumhüpften, gibt es nicht mehr, sie stehen auf der roten Liste. Wie traurig!  
Letztes Jahr hörten wir sie auf Rügen. Der zwitscherige Gesang, der sich hoch und höher mit dem schwirrenden Vögelchen in den Himmel schraubt! Wie freute ich mich. 
Ich wollte einerseits den Text verwenden, aber ihn in eine Unsichtbarkeit verfremden, die der der Vögel entspricht. 


So schrieb ich ihn huschelig auf ein Leporello, überstempelte und übermalte ihn und setzte ein paar Lerchen, sozusagen als Erinnerung an die kleinen Kerlchen darüber. 
Die Schachtel trägt auch einen der kessen Vögel. 



Husch husch Kleines, flieg rüber zur Andrea und grüß die andern Lerchen!

Wie immer, vielen Dank für Deine liebevolle Textauswahl, Andrea! Freude und Ansporn!

update playlist for creativity: Josh Turner (all videos... since yesterday)

Mittwoch, 15. November 2017

eye poetry und Herbstlicht

Nachdem die letzten Tage so strahlend waren, hab ich heute die Kamera eingepackt für den Heimweg. Sonnenlicht tanken.

 Im Baustellenschotter blüht immer noch der Mohn!



Linker Hand der Fluss im schon schrägstehenden Licht.


Der Rhein steht hoch




Rabengekakel. Sie werfen mit Walnüssen, um sie zu knacken.

 Ob sie es vor dem Frost noch zu einer Blüte schafft?



Äh, nööö


Den Weg von oben betrachten. Das Stahlgeländer singt bei jedem Wasserschlag, der Rhein bringt das gesamte meterlange Geländer zum Klingen.


Blüten. Immer noch. Auch späte Rosen und ein früher stark duftender Schneeball. Man muss nur hinschauen.

Das Grafitti geht schon in den Winterschlaf.

***

Andrea Holunder hat ein überaus reizvolles Thema für die eye poetry gestellt: Ein Haiku

verstreute blüten
jagt vor sich her und holt ein 
der jähe sturmwind

Fujiwara na Sasaie



Ich habe den Haiku auf ovale Bögen gesetzt und mit einem eigenen Haiku in Dialog gesetzt.


blätter legt der herbst
auf die zitterhaut des sees
die fische leuchten




Nun drehen sich zwei Haikus über meinem Schreibtisch im Luftzug.

Und weil alles neue Stempel sind, besonders der Füsch, verlinke ich sie auch mit Susannes Papierliebe am Montag, die uns nach Stempeln fragt.






Sonntag, 12. November 2017

eye poetry die neunte

Andreas eye poetry aktion ist immer wieder spannend, herausfordernd und unglaublich vielseitig zu sehen bei allen die mitmachen, was an Interpretationen herauskommt. (Deutsche Grammatik? Hä?)

Diesmal stellt sie uns Yeats als Aufgabe.

Er wünscht sich die Kleider des Himmels

Hätt ich des Himmels reichbestickte Tücher,
bestickt aus Golden- und aus Silberlicht,
die dunklen, die blauen und die hellen Tücher,
aus Nacht, aus Tag und aus der Dämmerung,
legt ich die Tücher dir zu Füßen.
Doch ich bin arm und habe nichts als Träume,
so leg ich meine Träume dir zu Füßen.
Tritt leise, denn du trittst auf meine Träume.

William Butler Yeats  

 Mir war von Anfang an klar, was ich machen wollte und was ich benutzen wollte. Ganz klassisch ein Abendhimmel  in Pastellkreide. Nun hab ich mit Pastellkreiden weder Erfahrung noch Übung. Die sind etwas, womit ich mir schwertue, die Pfoten einsaue, zwei Minuten später dann das Bild (trotz Finger abwischen) hrrrgh. Und ich wollte auf strukturiertem Papier werkeln, da ich es mag, wie die Farben die Struktur sichtbar machen. Frottageeffekt...

Also rumprobieren.


 Unzufrieden aufhören. Das Papier fusselt sich ab, ich habe Flocken von Kreide und Papier auf dem Tisch. Es gefällt mir nicht. 

Zweiter Versuch auf ziemlich altem dünnem Maschinenbütten aus Mutters Fundus.


 Hmpf. Vorher darüber nachdenken, wie ein Schuh am Bändel baumelt, wäre hilfreich....

Welche Laterne will ich überhaupt?

Anderes Papier.



 sie hat die Schuhe schon abgelegt.... für sanfte Schritte auf den Traumtüchern
 
Für die Stickereien Gold.

Vielleicht lad ich morgen noch mal Fotos hoch mit Tageslicht.
Für heute abend aber schicke ich meinen Yeats rüber zu Andrea. In der Linkliste bei ihr findet Ihr all die anderen Interpretationen!

 
He wishes for the Clothes of Heaven

Had I the heaven's embroidered cloths,
Enwrought with golden and silver light,
The blue and the dim and the dark cloths
Of night and light and the half-light;
I would spread the cloths under your feet:
But I, being poor, have only my dreams:
I have spread my dreams under your feet;
Tread softly because you tread on my dreams

William Butler Yeats 

Mittwoch, 27. September 2017

Insekten Buchzeichen Briefpflanzen...

Holunders eye poetry stupst uns an mit einem liebevollen Gedicht von Erich Fried.

Wintergarten

Deinen Briefumschlag
mit den zwei gelben und roten Marken
habe ich eingepflanzt
in den Blumentopf

Ich will ihn
täglich begießen
dann wachsen mir
deine Briefe

Schöne 
und traurige Briefe
und Briefe
die nach dir riechen

Ich hätte das
früher tun sollen
nicht erst
so spät im Jahr

Hübsch, nicht wahr? Und ein wenig traurig finde ich. 

Da ich grade eine Insektencollage zusammenstellte und schwarzes Papier übrig war, wanderte der Wintergarten in die Nacht.... es ist schließlich 23.30 Uhr...



Ich gewinne immer mehr Freude daran und daraus, Texte zu verbildlichen. Normalerweise arbeite ich umgekehrt, lach. Danke für die Ideengabe liebe Andrea!



Die Insektencollage soll noch geschwind zu Michaelas Mustermittwoch, ehe der vorbei ist. Also auf, nehmt Eure sechs Beinchen in die Hand und rennt!!!




ich weiss ja auch nicht, plötzlich wollte das Schwein mit drauf und der Fisch das Unterseeboot drängelte rum... ich weiss ja auch nicht ....


Den Hirschkäfer hat mein Sohn geschnitzt, als wir vor vielen Jahren in den Weihnachtsferien dem Linolschnitzwahn verfallen sind (ich kannte die Acrylplatten noch nicht), die Frassspuren  ebenfalls und die ulkige Ameise, die auch ein junges Nashorn sein könnte. Die Libelle ist mein feinster Stempel, den ich aus meinen allerersten Acrylplatten geschnitten habe, die damals aus Japan kamen. Dieses Material finde ich immer noch am besten. 


Das Buchzeichenthema von  Nahtlust's Papierliebe am Montag hat mich auch weiter beschäftigt. Ich finde Federn einfach sehr schön. 




Vorhin - noch im Hellen - den Mostbirnbaum vorm Abgeordnetenhaus, der voll trägt, mit der Schulter angestumpt und Früchte gesammelt. Kleine aromatische aber unglaublich gerbsäurehaltige Birnchen. Kann man roh zum Socken stopfen verwenden... sie ziehen a.l.l.e.s zusammen.


Kombiniert mit meinen vielgeliebten wilden Quitten (die auch nicht weniger sauer sind, haha)

                                             sie duften! sie duften soo umwerfend! kann das mal wer auf flaschen ziehen?!


                                                                       ... sind das nicht wunderschöne Kerngehäuse?!

wandert beides in einen großen Topf, wird heute gekocht und ziehen lassen über Nacht und morgen noch mal aufgekocht und ziehen lassen über Nacht und übermorgen gekocht, bis die Farbe sehr kräftig ist und der Geschmack wirklich ausgeköchelt. Dann schwapp ich den Schlabbes in die Marmeladewindel, tropfe aus, wringe nach und mache Gelee. 
Schlürf schlotz Finger leck. 

Und jetzt wabert dieser köstliche Duft durch die Wohnung! Quitten! Hachz. 

Schlaft gut!


Dienstag, 5. September 2017

eye poetry und Gänse. Regenmädchen unterwegs und neuer Füller.

Holunders eye poetry hat so einen kecken Text von Ernst Jandl zum Thema um den ich gedanklich kreiste und alles an Ideen wieder vergaß, verwarf, verduddelte. Dann aber, vor paar Tagen, fing ich an. 

Hier erst einmal der Text:
bibliothek



die vielen buchstaben

die nicht aus ihren wörtern können



die vielen wörter

die nicht aus ihren sätzen können



die vielen sätze

die nicht aus ihren texten können



die vielen texte

die nicht aus ihren büchern können



die vielen bücher

mit dem vielen staub darauf



die gute putzfrau

mit dem staubwedel



ernst jandl

Was tun also damit?  
Staubfeudel und Wollmäuse. 
Text auf Streifen geschrieben, aufrollen wie Wollknäule für die Wollmäuse. 





und die Schachtel für die Wollmäuse - leere Streichholzschachtel, inwendig beschriften. 


die vielen gedanken
immer kreisend 
ohne ziel und ankunft
her und hin im kopf
wie billard oder flipperkugeln
                                             ohne ausweg



Dann kam ein Wochenende, eine Radtour durch die Rheinwiesen, beglückt durch Himmel und Graugänse. 




Auf dem Heimweg im Garten vorbei. Den Teich auffüllen, damit unsere armen Fröschlein nicht auf dem Trockenen sitzen, Tomaten pflücken 


und feststellen, die Sorte, die sich grün dann schwarz dann schwarz-orange färbt hat nun auch eine Formvarietät zu bieten: Stumpfnasen. Verrücktes Ding. Bin sehr gespannt, was aus dem Saatgut 2018 rauskommt. Sortenfest ist sie ja nicht. 


Eine dicke Galle an der kleinen Heckenrose finden 



und kurz vorm Heimradeln noch eine paar brennende Wolkenränder festhalten.







Heute ist die eye poetry Schachtel mit den Wortwollmäusen fertig geworden. 








Der Putzfeudel ist auch aus Zeilen gerollt und eingeschnitten. 
Buchstabenpunkte rollen aussen....

Es hat sehr viel Spaß gemacht, ein Gedicht gegenständlich umzusetzen.


Am Wochenende ergatterte ich auf dem Flohmarkt einen Parkerfüller. Mein roter Parker, mit dem ich alle Examensarbeiten schrieb, hat nach all den Jahren einen Sprung im Gewinde. Auf dem Flohmarkt verkaufte wer nen weissen, mit kaum benutzter Feder. Ich hab ihn ausgespült, neue blaue Patrone rein und geschrieben, bin Farbe kam. Meinem alten schenkte ich eine kleine Einspritzung grüner Tinte in die blaue Patrone (und nicht aufgepasst, blubsch machts und ich hab drei grünblaue Fingerkuppen. Bimstein, ich komme!)





Wie schön beim Post schreiben Arvo Pärt zu hören. The women with the alabaster box - und mein Herz schmilzt.