Posts mit dem Label leselisten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label leselisten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 23. September 2023

gesammeltes

 am freitagnachmittag von der arbeit wegfahren. nein, nicht heim. mit dem rad über die kaiserbrücke, im kasteler feld herummäandern bis zur ochsenquelle, eine weile auf einer bank lesen und schlafen unter wolken und dem blätterdach dreier platanengöttinen. wieder wach in der sonne den steifen rücken wärmen, hernach klares kaltes quellwasser mit der hand zwischen den wasserläufern schöpfen und weiterrollen. die anspannung der woche loswerden. feldwege, gärten, neubaugebiete, kleine hohlwege. sonne trinken. aus der überfülle von hagebutten und weissdornbeeren schalen füllen, brombeerblätter sammeln (autsch sind die pieksig hinten)

 

am abend erfrischt, mit wachen sonnenaugen, blättermund und sprudelnder ruhe

heimkommen.

 

die alchemie geht weiter.

oxymel eins, mit thymian, salbei, oregano, kapuzinerkresse, ingwer, honig, apfelessig abfiltern, verkorken. boh, der salbei knallt.  hustenoxymel.

oxymel zwei mit weissdornbeeren ansetzen. herzstärkend.


hagebuttenoxymel. immunbooster, vitamin c.

 

die schiere notwendigkeit, angesichts tagundnachtgleiche und den dem dunkel zuwachsenden tagen, licht zu tanken, zu schlürfen, schlucken, aufsammeln, im herz bewahren, im inneren auge, im herzfeuer, im ich. 

nach dem reichsbürgerfahnenirrsinn im kleingartenvorstandsgarten diesen sommer, angesichts  einer unsäglichen partei, der allzuviele menschen sagbarkeit unerträglicher sachen antragen, angesichts nicht endender kriege, hungernder menschen am horn von afrika, jemen, burkina faso, afghanistan, sie können die liste beliebig fortsetzen, protestierender frauen in iran, denen mord, folter, vergewaltigung tagtäglich angetan wird (und den männern ebenso), angesichts erdbeben, dürre, überflutungen, einer bundesregierung, die die klimaziele krachend verfehlt und blöd rumlaviert,  bin ich dankbar für das licht, jeden morgen das licht und versuche es weiterzutragen.

bitte spenden sie an: ärzte ohne grenzen, tuisa hilft, oxfam, maldusa.org, proasyl, wer auch immer hilfe bringt, verteilt. sie können die liste gerne ergänzen.

bleiben sie wachsam, deutschland hat es laut amnesty international auf die unrühmliche liste steigender repression gebracht durch repressive gesetze, polizeigewalt und versammlungsverbote.

halten sie unsere demokratie nicht für selbstverständlich und einen sommer, der sie mit dürre oder überschwemmung verschont hat, ebensowenig. der klimawandel verbrennt uns den arsch oder lässt uns absaufen.we have no planet b.

bleiben sie freundlich, küssen sie ihre lieben, (oder rufen sie wenigestens an), pflegen sie ihre freundschaften (ich weiss, die to do listen sind lang, legen sie sie mal weg bitte)  denken und handeln sie demokratieschützend. fängt im quartier an. 

lesen: die schönheit der differenz von hadija haruna-oelker (war eine schöne lesung in mainz!)

alle zeit von tessa bücker (kommt im november nach mainz!)

podcast hören: im aufzug mit raul krauthausen und tadzio müller

trauer und turnschuh mit haruna hadija-oelker und max czollek

daniela sepehri und gilda sahebi zu iran 




Freitag, 3. März 2023

bäh. und ein paar links.

 hinter der fensterscheibe ist die sonne schön warm. in lichtflecken stehen. augen zu.

würde am liebsten das bett in die sonne zerren. geht nicht. falsche wohnungsseite....

immer noch kränklich, nachdem die grippe mich zwei drei tage komplett ausgeknockt hat. gestern war mir wieder nach ohren wackeln, staubsauern, kochen, wäsche machen... bin dann natürlich zu lange auf geblieben, verfroren ins bett und stunden nicht warm geworden. kein guter nachtschlaf. heute morgen eine arg verzauste verpeilte eule im spiegel. bäh. friere. 

 im iran werden mädchen vergiftet, mit essen, mit giftigem gas, daniela sepheri und gilda sahebi berichten, folgen sie ihnen auf ig, auf den podcasts, hören sie zu, machen sie es publik, nichts hasst das regime mehr, als die internationale aufmerksamkeit, sagen die beiden.  

ausserdem: die zweite folge von trauer und turnschuh ist raus, danke an hadija haruna-oelker und max czollek, es ist wichtig und großartig und denk- und lernstoff. ich höre sie beide gerne öffentlich denken. 

fridays for future läuft heute auch bei uns, 15.00 uhr, gutenbergplatz. ich bin zu krank. gehen sie mit, schlagen krach. es geht um unser aller zukunft.  gemeinwohlorientiertsein beisst sich mit stur kapitalistischem immer-weiter-wachsen. unser wachstum geht schon seit jahrhunderten zu lasten des sogenannten globalen südens. aber das pendel schlägt zurück.

passen sie auf sich auf. bleiben sie freundlich. versuchen sie heiter zu sein. nehmen sie wen in den arm. küssen sie ihre lieben. trinken sie tee. tanken sie sonne.

 


Sonntag, 20. November 2022

Ein paar links zu Iran und anderen Themen

Der Ork am langen Tisch führt weiter Krieg.

In Iran kämpfen die Menschen, Frauen voran, gegen 43 Jahre Unterdrückung der Menschrechte. 

Inhalte teilen auf instagram hilft Inhalte verbreiten; unsere Presse ist grad einfach zu langsam. 

#yoursilencekills #oursilencekills @duzentekkal  @iranpari2022 #iranrevolution

auf dem Laufenden bleiben: https://linktr.ee/dasiranupdate   von Gilda Sahebi&Sahar Eslah

snowflake installieren als tor-zugang für die internetgesperren BürgerInnen in Iran. 

https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/wie-eine-schneeflocke-internetzensur-durchbrechen-kann,TJkckI8

So lautstark der Protest in Iran und so gewaltsam die Versuche seiner Niederschlagung, so lautlos 

verhungern der Süden Sudans und Somalia. Helfen! https://www.welthungerhilfe.de

https://www.aerzte-ohne-grenzen.de 

gute Nacht

Dienstag, 10. Mai 2022

leselisten

sitzen und lesen und mir die tränen vom gesicht wischen, weil die geschichte so packend ist, so tief, so trifft.

und so gut geschrieben ist.

Patricia MacLachlan: Schere, Stein, Papier. Hanser Verlag.

eine familie, ein findelkind, ein winter, ein verstorbener bruder, das alles erzählt aus kindersicht.

ich lese geniesse durchdringe schlucke schmecke alle ihre sätze, es ist kein kein wort zuviel (danke Hanna Johansen für die traumwandlerisch wunderbare übersetzung!) kein rückblenden, keine verschwendung, keine wortschrauben, satzschleifen, nein. pur. verschlankt aufs wesentliche. nur das wesentliche. jedes kapitel klar durcherzählt. ein bogen, eine linie, ein atem. (wieviel hat sie wohl gestrichen? frage ich mich)

ich bin hingerissen. 

und ich weiss, ich weiss, verdammt, ich möchte schreiben. ich möchte nicht noch einen malkurs, nicht noch ein letterjournal (es ist schön mit gelb zu spielen, es ist eine herausforderung, aber es ist, eva sei ehrlich, es ist prokratstination vom feinsten) ich möchte schreiben. in stimmungen tauchen, in worten graben, in töne sinken, in gerüchen baden, ich möchte meine verknappten verkürzten noch mal und noch mal reduzierten gedichte lernen aufzumachen, zu öffnen für mehr, für eine erzählung, für "prosa mit dem hang zum zeilenumbruch" (danke marko tschírpke, diesen satz liebe ich) für einen faden, für etwas, das es wert ist, erzählt zu werden. ich muss es nur noch er.finden. 

ich habe nun mit patricia maclachlan wieder eine autorin gefunden, deren handwerk mich so begeistert, mich so satz für satz zerlegen, geniessen und wieder zusammensetzen lässt mit der staunenden begeisterten bewundernden erkenntnis, es ist wahrlich kein wort zuviel und jedes am richtigen ort. 

"takeshis haut" von lucy fricke hat mich beim ersten wie beim wieder und wieder lesen genauso gepackt, ich spüre das sirren im innern der hauptfigur, ihre gefühlsverwirrnis, das im tiefst inneren berührt, aus der bahn geworfen, ausgeliefert durchgerüttelt sein. und der einstieg in den beruf einer geräuschemacherin ist einfach faszinierend.

ulla-lena lundbergs "eis" hat mich wieder anders erwischt, ihre sezierende fähigkeit all die kleinen unterdrückten, versteckten, geheimen, schamhaften, widerstreitenden gefühle der menschen, die im miteinander umgehen / umgehen müssen entstehen, auftauchen, zuschlagen, einem heiss werden lassen, wütend, verlegen, ertappt, verletzt, peinlich berührt, ich habe sie noch nie zuvor auf diese schonungslos klare weise ausgesprochen, beschrieben, erzählt gelesen. und nicht zuletzt die worte des alten an den pfarrer "hier leben kräfte, die waren schon alt, als jesus noch ein kind war "(das ist jetzt unscharf aus dem kopf wiedergegeben, ich habe das buch nicht hier) - das hat einen ton in mir zum beben gebracht, von dem ich nichts wusste.

frauen. immer wieder frauen, die mit einer solchen klarheit erzählen, ohne schwulst und pomp, ohne gelaber, ohne wertung. stimmt das? ohne wertung? es geht mir eben beim schreiben durch den kopf und ich frage mich, ob der satz stimmt, doch, ich glaube er stimmt. sie  beurteilen, verurteilen, kategorisieren ihre figuren nicht. sie lassen den figuren raum und zeit sich zu entwickeln, zu SEIN. sie geben raum. 

sie sind alle drei auf ihre art betrachterinnen von aussen (auch wenn es um intimstes geht!) und ich habe bei allen dreien das gefühl, die autorinnen haben schreibend ihren figuren raum gegeben, sich zu entfalten, verhalten, verändern und die autorinnen haben sich auf dieses sich entfaltende eigenleben ihrer figuren eingelassen. (was nicht selbstverständlich ist, glaube ich. dem eigenleben einer fiktiven person nachzugeben. ha. das kann dir die ganze planung eines plots zerschießen)

hachz. beglückt sein über ein buch, das ein straßenkartonfund ist und so dermaßen berührend. schere, stein, papier.

em, notiz am rande. auch wenn mich ein plot vielleicht nicht grade "umhaut" - ich kann mich ganz überwältigt begeistern für das handwerk WIE etwas erzählt ist. und das ist dann auch ein grund, der mich dazu bringt, manche bücher wieder und wieder und wieder zu lesen. nicht nur wegen der story, den protagonistinnen, dem plot. sondern wegen meinem genuß an der sprache. dem genuß der sätze, der adjektive, der bilder, der metaphern, der beschreibungen, mit denen ich sehe, höre, schmecke, rieche, fühle, mitfühle, spüre, zittre, innehalte.  und beim lesen denke "boah".

Mittwoch, 2. März 2022

krieg und rassismus

Mal wieder ein Krieg. Zu all denen, die ohnehin am Laufen sind.

Die Behandlung von Flüchtenden ist beschissen rassistisch, so werden zB ukrainische Studierende aus Nigeria werden von anderen (weissen) UkrainerInnen mit Gewalt gehindert Züge zu besteigen oder anderweitig das Land zu verlassen. Auch die Medien offenbaren einen tief sitzenden Rassismus

Man könnte schlicht heulen und kotzen gleichzeitig vor Zorn. 

Der Herr K. von Wieseltier hat einen lesenswerten Gastbeitrag verfasst, dem ich nichts hinzufügen möchte, lest selbst. 

Ich wünsche mir mehr Reflektion in dem aufgeregten und aufrüstenden Getöse. 

Und keine Aufrüstung.  Bei dem tiefsitzenden rassistischen postkolonialen Gedankengut, dem Teile der Bundeswehr, des Verfassungsschutzes und der Polizei immer noch frönen, ist eine Aufrüstung eine große Gefahr für hiesige BürgerInnen genauso wie für in Deutschland aufgenommene  Geflüchtete, die nicht in das Weltbild unserer verbeamteten Faschos passen. Danke an Max Czollek für diesen wichtigen Einwand!

 

Mittwoch, 30. Juni 2021

vermischtes

beschließe wieder mehr zu bloggen. 

es entschleunigt.

nachdem ich die letzten zwei, drei tage mich fast komplett rückwärts durch klagefalls blog gelesen habe, seinen links folgend auch rechts und links in buddenbohm (kannte ich schon ) und wald und höhle geguckt, geht mir instagram grad auf den wecker. zu bunt, zu schnell, zu schnell over. verhöre mich in den song rocky trail der kings of convenience. sehr nettes video. grins. dauerschleife.

baue an den eight wishes büchern, die ich am freitag bei rachel hazell gelernt habe (thank's so much!!) versuche eines aus A 3 gefaltet. das papier ist zu schlabbrig.

die maus ist wieder da. wir sehen sie im küchenunterschrank verschwinden, schwipps das schwänzchen winkt noch, dann ist sie weg. hinterm, unterm küchenschrank. die löcher, durch die die heizrohre laufen, sind weit genug, ein fellchen durchzulassen. ich vermutete sie dem geräusch nach im zwieback, trug ihn runter und schüttete ihn aus, um ihn mauslos zu finden und beim wieder in die küche kommen, siehe oben, schwänzchen und weg. 

später springt sie in die zwiebelkiste, bis wir reagieren, ist sie ungesehen hinten wieder raus, die lebendfalle mit käse wird verschmäht. wir achten darauf, die küchentüre verschlossen zu halten, die söhne möchten sie nicht wieder in den zimmern haben. (das letzte mal nachts um halb eins mäusejagd, bis sie sie in einen schuh sprang und in diesem die treppe runter dann auf der strasse rausgeschickt wurde)

die balkontüre bleibt nun offen, in der hoffnung, sie geht dort hinaus und verpisst sich. den zwieback schliesse ich im geschirrschrank ein.

treffe im büro-hausflur k. aus der wohnung obendrüber, die nach der krebserkrankung letztes jahr nun babyfeine kleine kringellöckchen bekommt. es sieht zuckersüß aus. wir quatschen uns zusammen über hausflur und treppen bis in den hof, wo ich das umzugsdesaster des anderen nachbarn beseitige. fünf vollgestopfte müllsäcke liegen vor'm container rum, der eh schon nicht mehr zugeht. es fühlt sich doof an, immer mal wieder diese spießige hausmeisterinnenrolle zu übernehmen, aber wenn die säcke vorm container liegenbleiben, holt die müllabfuhr morgen den container nicht raus, weil sie ihn nicht rausfahren können. mir könnts ja wurscht sein, ich wohne da nicht, aber... (ich bin auch der pingel, der krumm geknautschte kartonagen aus den papiertonnen rausnimmt und ordentlich platzsparend wieder reinfaltet...)

in der stadt komme ich ungeplant an einem lagerverkauf vorbei und verlasse ihn mit einem neuen paar laufschuhen (vorne schön breit, zehenfroide) und gemütlichen sandalen wieder.  selten so schnell schuhe gekauft. zuhause laufe ich abwechselnd in dem einen und dem anderen paar rum.

r. kommt zornmütig heim, kracht den rucksack auf den tisch, brüllt "mein fahrrad ist ein wirtschaftlicher totalschaden!!"   er hatte in der stadt unterwegs immer nervöser ein klackergeräusch gehört, ist schliesslich abgestiegen und aufmerksam um das fahrrad gegangen - rahmenbruch direkt über dem tretlager.  nicht vorzustellen, was in voller fahrt hätte passieren können. schutzengel, sage ich. so ein scheiss, sagen wir beide, die garantie vor einem jahr abgelaufen, ein neues rad in der qualität, uff, das wir teuer.  der fahrradschraubist an der ecke verspricht ihm, nach einem passenden rahmen zu suchen, auf den sich alle anderen teile umschrauben lassen. 

mademoiselle neugierige amsel lässt sich wieder blicken, testet ihren mut aus, handspannenweit neben mir zu landen, das hält sie nur kurz aus, fliegt wieder weg, kommt wieder, zwei mal das gleiche spiel, schliesslich lässt sie sich zwei ellen entfernt entspannt nieder. 

das programmkino öffnet wieder! juchz! mit nomadland.!!den will ich sehen, seit er besprochen ist. buche zwei plätze direkt für die abendvorstellung am ersten tag und bin erstaunt, dass das kino nicht ausverkauft ist.  jetzt noch ein ticket für den pcr-test am nachmittag.

es regnet. das schönste geräusch, schlafen zu gehen. begleitet von hania rani's musik.

Samstag, 7. November 2020

Bücher, Garten, Lockdown

 ... Eigentlich wollte ich nach Langem mal wieder einen Blogpost schreiben, weil ich mir zunehmend von Instagram die Zeit stehlen lasse, was mir zunehmend auf den Wecker geht und lähmend ist. Ich wollte die Fotos der letzten Zeit zusammentragen und über Bücher schreiben, die ich las/lese, die mich beschäftigen.



Und dann bleibe ich auf der Suche nach aufmunternder Musik erst beim tiny desk Konzert von Coldplay hängen und tanze ne Runde, um jetzt hier zu sitzen, mit auf miniklein geschaltetem Textfeld, um mir das JordanienLiveKonzert von Coldplay anzugucken.

Menno, was ne Energie. Chris Martin ist ja ein dermaßen energiegeladener Dotzfrosch - aber diese livegeschichte toppt es. Ein Album der zarten Töne, der überraschenden Gäste und der Blick auf und von der Zitadelle ist umwerfend herrlich. Irre Drohnenaufnahmen. Hach.

Für mich ist wieder homeoffice angesagt, an drei von fünf Tagen. Da eines der Angebotsprogramme, auf die ich ständig zugreifen muss, nur offline läuft, trage ich das Laptop ständig herundhin, damit ich zuhause angefangene Angebote im Büro fertig machen kann, ohne sie in die Büroofflineversion nochmal einspielen zu müssen. Is e bissje bleed.




Der Mann ist wieder krank, Kind 2 schreibt Vorabi, Kind 1 hat diese Woche den Job im KiGa angefangen, einschliesslich 2x am Tag Zug fahren, ich kann nur hoffen und beten, dass Keiner Corona einschleppt…..


Ich hab zwar nicht mehr die Schockstarre wie beim ersten Lockdown im Frühjahr, aber so langsam gehts mir doch an die Nieren. Soziale Kontakte nur online  oder am Telefon oder mit 1,50m Abstand, keine Berührungen (es sei denn man denkt grad scheiss drauf) TanZen ist jetzt logischerweise auch wieder eingemottet, mir fehlen meine Tanzmenschen, die Bewegung, dieser safe space für Körper, Bewegung, Austausch, Fallenlassen, Emotion, der mich sonst trägt.
Ich krieg bei 24/7 aufeinanderhocken irgendwann nen Koller….  

Fühle mich verblödend.  Ohne Ansprache, ohne Input, eingeschränktester Radius, Haus, Büro, Büro, Haus, Laden 1, 2 und 3 und wieder von vorne. Ja, ich weiss, Jammern auf hohem Niveau. Alle sind (halbwegs) gesund, keiner hat den Job verloren. Trotzdem. Nöhl nöhl nöhl.

Nein, erzählt mir jetzt nix von den xunddrölfzig online Kursen! Nach 6, 7 Stunden am Rechner hab ich keinen Nerv auf noch mehr Zeit vor'm Bildschirm! (Oder versumpfe auf insta, siehe oben, haha)

Gestern nachmittag bin ich raus in  den Garten, vor dem angesagten Frost die letzten 2 Auberginen holen, rumkruschtern. Das Licht! Sonne, unsre leuchtend gelbe Pappelgöttin, der knallblaue Himmel, Kranichschwärme, die schreiend durchs Blau ziehen, was alles noch blüht, wieder blüht, neu ausgetrieben hat, die Maulwürfe haben auch grad den Rappel, die Mauswiese ist voller Haufen!
Ich wollte garnicht wieder weg…


Schwätzchen mit Nachbarn übern Zaun, ich bekomme noch zwei Monsterquitten 

 


geschenkt (Danke! Der Duft! Auf dem Foto ist nur eine...) Ich finde ein halbes Beet voll Kerbel! 

Harry begrüßt mich mit weithin johlendem „Ei! Eva!“ ich johle „Hi! Harry!“ zurück.

zärtester junger Borretsch

 

 Mangold. An den vertrockneten Stengeln treibt er neu aus, Rosettchen für Rosettchen.

 
 

Veilchen!! am 5. November! 

 

Die Nesselchen legen auch schon wieder los

und in die Schlüsselblume hat schon prompt ein Schneck gebissen, deswegen hängt sie so

 

 
Wie gut das tut. Andre Leute. Gras, Herbstgerüche, Sonne, Licht tanken, die Erde ist wassersatt und dunkel, ich winde einen Hagebuttenkranz aus den Rosenranken, 

 

die überm Bambus hängen
und habe nun auch was für den Mittwochsmix „Oval und Struktur“ - denn, rund wurde er nicht. Grins. 



Heute nach der Arbeit  JJ Bolas „Sei kein Mann“ abgeholt und gleich zu lesen begonnen. Stelle ohne mich sonderlich zu wundern einfach nur fest, dass mein Großer von toxischer Männlichkeit verschont ist. Kümmert sich seit Wochen um einen psychisch kranken Freund, der in der Klinik ist, hat sich als Kind männlich-weiblichen Zuschreibungen verweigert, was Klamotten oder seine jahrelang mit Stolz getragene dicke lange blonde Mähne anging (heute sind sie 3 cm raspelkurz) und macht einen in seiner Männlichkeit ziemlich ruhenden Eindruck. Hat als Mann im KiGa einen weiblich konnotierten Beruf erlernt. Der Kleine wird erst noch. Wenn die Testobehandlung anfängt, mal sehen, wo der Mensch dann hinsteuert. Und wie ich es schaffe, mein Bild der Tochter loszulassen. Das wird noch spannend.

Linus Gieses Buch „Linus. Wie ich der Mann wurde, der ich immer schon war“ macht mir da als begleitender Mutter Mut. Wie auch Jayrome Robinet. Männer, die weinen, kuscheln, verletzlich sind, die sich dem Starksein-Anspruch verweigern, die gesellschaftliche Rollenbilder aufbrechen und auch für andere Männer Türen öffnen. „Männer, die keine Lust haben, Beschützer zu sein,(…) die sich nicht prügeln können, die nicht konkurrenzfähig, nicht aggressiv sind, die ängstlich, schüchtern, verletzlich sind(…)“ Virginie Despentes.  (Naja.... By the way, dieses Kind hat offensichtlich mein "Lass uns in den Baumarkt gehen und gib mir die Bohrmaschine-Gen" geerbt - Immer wir Zwei. Der Göga? Pffft. Nur unter erdrückenden Zwängen...) 

Mal sehn, wo uns als Familie die Reise die nächsten Jahre noch hinträgt.

Ein ganz wichtiges Buch in den Zeiten der Spalter ( jaja, Seehofer ist auch so einer. Das ist toxisch! Gefährlich für unsere Gesellschaft!)  ist Kübra Gümüsays „Sprache und Sein“.  Leute, lest es! Sie ist so klar und sie hat so verdammt recht. Das Kapitel über die Benannten und die Unbenannten war für mich ein Hirnöffner.
Ich zitiere, ich hoffe, mit ihrem Einverständnis: „Die Unbenannten wollen die Benannten verstehen - nicht als Einzelne, sondern im Kollektiv. Sie analysieren sie. Inspizieren sie. Kategorisieren sie. Katalogisieren sie. Versehen sie schliesslich mit einem Kollektivnamen und einer Definition, die sie auf Merkmale und Eigenschaften reduziert, die den Unbenannten an ihnen bemerkenswert erscheinen. Das ist der Moment, in dem aus Menschen Benannte werden. In dem Menschen entmenschlicht werden.

Diese Menschen, die nun keine mehr sind - die Benannten - leben sorgfältig katalogisiert in Glaskäfigen, beschriftet mit ihren Kollektivnamen. (…) Individualität wird ihnen nicht zugestanden. Den Unbenannten, die sie betrachten, erscheint das als normal, obwohl für sie selbst Individualität die Grundlage ihres Seins ist.“

Ich könnte jetzt noch zwei Seiten abschreiben, sie hat es so unbedingt auf den Punkt gebracht. Lest es selbst. Ein ganz wichtiges Buch.








 

Gute Nacht!






Sonntag, 12. November 2017

Leselisten

Andrea hat mich angesteckt, einen Blick in meine Bücherstapel zu werfen und zu erzählen, was ich lesenswertes gefunden habe.

Ich hab den Sommer bis Herbst international durcheinander gelesen. Angefangen mit Chimamanda Ngozi Adichies "Americanah" - der Roman über eine Nigerianerin, die in die USA kommt. (Parallel dazu läuft die Geschichte des männlichen Protagonisten, der keine Green Card nach USA bekommt, nach England geht und kurz vor'm Schließen einer Scheinehe ausgewiesen wird. Der sich als Loser empfindet - die Einreise nach Lagos lehrt ihn, Ausgewiesene kehren jeden Tag zurück und das Leben geht weiter.) Die Erlebnisse der Frau in den USA sind ein Spiegel des Alltagsrassismus, eingebaut über den Kunstgriff des Blogs im Buch.  Der Alltagsrassismus macht Schlucken, man erkennt sich ja auch durchaus selbst in diversen der Begebenheiten, trotzdem ist manches darin wirklich brüllkomisch.

Dann von Tahar Ben Jelloun, den ich sehr schätze "Verlassen". Ein bitteres überaus schmerzhaftes Buch über die verlorene Jugend Marokkos, die, bestens ausgebildet, im Marokko der Korruption und Vetternwirtschaft keine Arbeit findet und sich sehnsüchtig über's Meer nach Spanien wünscht und träumt - und dort angekommen, sich verliert in Heimweh, Sehnsucht, Prostitution, Demütigung und Bitterkeit und daran leidet bis zum Tod.

Lizzie Dorons zwei Bücher zum Israel-Palästina-Konflikt "Who the fuck is Kafka" und "Sweet Occupation" haben mich begeistert - die illegale Besetzung Palästinas ist mir ein Herzensthema seit ich Felicia Langer gelesen habe, die in den 80ern sogar an unsere Universität eingeladen war. Langer ist Jüdin, ihr Mann Mieciu Langer ein Überlebender der Shoah, sie ist Juristin, die über Jahrzehnte als Menschenrechtsaktivistin Palästinenser vor den israelischen Militärgerichten verteidigte.  Ich habe lange überlegt, ob ich das hier poste. Ich lese Hecht-Galinsky's Blog und weiss wie unpopulär Kritik an Israel ist - wer die Besatzung und israelische Siedlungspolitik angreift wird als Antisemit verschrieen - aber da knurrt die Juristin in mir, es ist und bleibt völkerrechtlich Unrecht. Punkt.

Was habe ich noch gelesen: Khaled Hosseinis "Traumsammler" - das in Afghanistan spielt. Geschwister, die getrennt werden, weil die bitterarme Familie die kleine Tochter an eine reiche Familie nach Kabul verkauft. Die Lebenswege der Geschwister. Ein ausufernder Roman mit mordsviel Figuren, der mäandert und in viele Länder und Kulturen wandert und seine Wurzeln im ländlichen dörflichen Afghanistan hat.

Ebenfalls nach Afghanistan führt der Roman von Norbert Scheuer "Die Sprache der Vögel" über einen vogelbegeisterten Soldaten, der in Afghanistan stationiert ist und im Zuge seiner Vogelbegeisterung und -beobachtung der Truppe 'abhandenkommt'... Ein sehr stilles Buch, das vom genauen Hinschauen getragen wird.

Eben grade lese ich wieder Norbert Schätzings "Nachrichten aus einem unbekannten Universum" - ein Buch das mich seit mehreren Jahren begleitet, meine Begeisterung für die Tiefsee füttert, einem so viel Information über das Meer um die Ohren schlenkert, dass es fast lexikalisch lesbar/nutzbar ist.  (Bio-Leistungskurs, lange lange her, aber die Themen sind immer noch meine. Kicher.)

Schönen Sonntag noch allerseits!