Dienstag, 15. August 2017

ich werfe mein netz aus

I

ich werfe mein netz aus nach den spuren von vogelflug, 
an den himmel gezeichnet,
hasche dem zickzack der fledermaus nach
und trage heimwärts nachtigallenschlag über der schulter.

mein netz fängt das gebrumm der hummel 
und wahrt in den maschen die erinnerung
an die kostbarkeit ihres pelzes, getigert in golden und schwarz.
grillengefiedel hegt dieses netz und das hauchzarte flüstern 
sich öffnender blüten.

im herbst sammle ich den laut fallender blätter
und trage ihre wärmende decke
klein geknüllt in den tiefen meiner manteltaschen 
eifersüchtig durch den winter.

mein netz zeichnet 
fischgrätmuster von rauhreif auf blätter und halme,
werfe ich es aus, ist die ernte glitzernd und kalt.

II

ich gehe fischen nach worten.
was alles hochkommt ans licht -
manches hellsilbernglänzend und kostbar
anderes eckig und blind.
viel weggeworfenes sammle ich
achtlos dahingesagt
gleichauf vergessen
schichte die buchstaben säuberlich
putze und staple den fang
auch den unnützesten
denn
immer findet ein wort
und sei es so klein noch 
so unscheinbar  
immer findet ein wort seinen weg. 

III

in den tiefen deiner träume werf ich mein netz aus
steige aus deinen augenhöhlen am morgen
hebe das netz
schillernd gefüllt mit den splittern vergangener tage
schlammpfützig verstopft mit trief und dreck
silberblinkend einsame schätze zerrinnen bei tageslicht, 
aufgerieben von sprache und lärm wie knasternder schlaf 
gerieben vom augenlid

und das tagmeer steigt an
flutet die nacht
schwemmt die sirenen hinweg
die ungeheuer und riesen
endlose treppen und gähnende schluchten
zurück in den tiefsten ozean
in die ebbe des traums. 


© 15.8.2017

Kommentare:

  1. Wunderschön, romantisch, berührend – danke, das Du Deine Worte mit uns teilst. Ein solches Netz, es ist einer der kostbarsten Schätze, die ein Mensch haben kann. Liebe Grüße, Pirandîl

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  2. Deine Gabe mit Worten umzugehen, damit zu spielen, in Gedanken abzutauchen ist so bewundernswert. Deine Gedichte kriegen mich immer!
    Liebe Grüße Ulrike

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Wie war das - für Blogger sind Kommentare wie der Applaus im Theater - na denn, tut Euch keinen Zwang an! Ihr dürft pfeifen, trommeln, klatschen.... mit Euren Kommentaren isses hier nicht so einsam. Danke!
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