Der Gatte hat eine Arbeitstagung in Bonn und ich keine Lust auf das obligatorische Damenprogramm, das, nachdem ich schon 40 Minuten wartend herumsitze, noch mal um eine Stunde verschoben wird. Och nö, denke ich, klappe den Stadtplan auf, suche mir was aus und ziehe alleine los.
Die Rheinanlagen sind heutrocken. Überall fallen Kastanien und widerstehen kann ich nicht. Am Abend rollen ein paar in meiner Tasche herum...
Zum japanischen Garten möchte ich.
Verwunschen. Ein kleiner Garten, komplett durchkomponiert. Alle drei Schritte eine andre Perspektive. Sogar mit Wald und Wasserfall. Dicke Fische, eine Schildkröte, wenig Besucher, es ist ab und an nieselig, aber nicht kalt.
Nebenan der Blindengarten, große Hochbeete mit duftenen Kräutern, Streichelmoos, ein leise plätschernder Brunnen. Ich sammle Säämchen ein....
Suche hinter'm langen Eugen die U-Bahn und fahre zum
Macke-Haus, da ein Plakat eine Sonderausstellung von Cut-Out zu Schattenriss verspricht.
Allerdings: Keine Fotografiererlaubnis. Schade. Fantastische Papierarbeiten von
Charlotte McGowan-Griffin - dreilagig, auffasernd, überaus dynamisch, wow,
oder von
Andreas Kocks, die schwarmartig über die ganze Wand wandert.
Sie zeigen auch Lotte Reinigers Film "Die Abenteuer des Prinzen Ahmed" in der Ausstellung, an dem sie drei Jahre arbeitete. Allein der ist schon ein Hochgenuss. Die Ausstellung läuft noch bis 4. November, wer also an Schattenrissen, Scherenschnitten und Macke Freude hat, begebe sich nach Bonn. Die Macke-Ausstellung selbst ist ganz fein in dem kleinen Haus über alle Stockwerke präsentiert, der Audioguide launig und aus dem Platzmangel heraus hat man ne tolle Idee gehabt: Bitte Schublade öffnen - Und tataa, ein Bildschirm in der Schublade, auf dem die farbstarken Gemälde fantastisch zur Geltung kommen oder lichtempfindliche Zeíchnungen in Passepartouts unter Glas. Die leuchtenden Bilder der Tunisreise werden in einem eigenen Raum auf einem großen Bildschirm gezeigt. Schwelgen in Farbe!
Später trödele ich durch die Bornheimer Straße, es nieselt ein bisschen mehr, ich setze mich ins
Cafe Frida und wär ich Bonnerin, hätte ich mein zweites Wohnzimmer dort. Schnuggelisch. Seltne Freuden, in einem Cafe sitzen, wohlfühlen, schreiben, lecker betan werden.
Der Rest vom Tag und Abend war mit dem ganzen netten Tagungshaufen auch noch schön, bloß unser Heimweg dank der Bahn mit 60 Minuten Verspätung mal wieder zum Hoilen.
Humpf.
Nächstes Jahr tagen sie in Freiburg. Hachz. Ich freu mich schon.
und weil's gesagt werden muss: Das ist alles unbezahlte Werbung!