Das liebe Fräulein Read On mit seinen Gedanken, wie ein Monat wohl gerochen hat, sei gegrüßt!
Der November riecht nach einem kühlen Theaterraum, in dem drei Puppen- und Objekttheaterperformer im Wettstreit Funken schlagen. Nach der Kür riecht es nach erhitztem Publikum, das die Fliegen von den Wänden klatscht.
Tage später riecht es in dem immer etwas zu kühlen Theater nach Spannung, nach Schmerz und Missbrauch, nach Zorn, Verschlagenheit, nach Rache, Verlorenheit, Tod.
Nach der Vorstellung trinken wir mit der Künstlerin und ihren Musikerinnen Rotwein, bewundern die Puppen, es riecht nach der Schminke, mit der die drei ihre Gesichter weiss und grau färben, nach Pappmaschee, Stoff und Papier und der funkelnden Energie der grandiosen Ilka Schönbein.
Der November duftet nach Quitten, als Mus oder Quitten köchelnd in Wein, mit Zimt, Cardamon und Vanille. Der November säuselsäuert nach letztem frisch angesetzten Essigen mit Gartenkräutern und sauren Versuchen mit Quitten. Auch ein Glas mit Quitten und Gin steht da, ich werde berichten....
Der November riecht nach verheissungsvollem Regen, der allerdings nur die Wege netzt und Tröpfchen auf die Leine hängt.
Er müffelt fauligweich nach Laub, das raschelnd bis klebrig an den Wegen knüllt.
Nach Geburtstagskuchen riecht der November und knisterndem Geschenkpapier, aus dem das Tochterkind liebevolle Dinge holt und meine Erinnerung steigt kurz treppab zum Krankenhausgeruch vor so vielen Jahren und dem kleinen Wurm, das am Fäustchen saugend zwischen uns lag.
Nach der Wärme eines großen Kirchenschiffs, gefüllt mit vielen Menschen, MusikerInnen und Zuhörenden, riecht der November und die Musiken von Bernstein, Eisler und Brahms durchbrausen Ohren und Herzen. Akkordeone, Pauken und Harfen, viel Blech und köstliche Streicher, ein großer Chor. Nach Schrecken - eine Choristin wird im letzten Satz Bernsteins ohnmächtig und fällt rumpelnd zu Boden - erstarrt das Publikum und nach einer langen harrenden bangenden Weile erst ein Wort des Dirigenten, "ihr geht es gut, sie ist bei sich, es ist nichts passiert", löst die Hände, wir klatschen Dank an die Musik und den Herrn, in dessen Haus sie klingt und der unter das singende Menschenkind einen Flügel hielt, dass es nicht schlimm stürzte und das Aufatmen und Danken ist kollektiv.
Nach bitterem Erbrochenem stinkt der November, nach Krankheit und dem heissen Gummi der magenberuhigenden Bettflasche, die den Schüttelfrost besiegen hilft.
Nach Kleister und Papier riecht der November wenn acht Frauen mit meinen nicht immer klaren Anleitungen (danke Euch für alle Geduld und Rückfragen, ich lerne!) ganz einzigartige Buttonholebooks binden.
Mit erhitzten Gemütern und fluchendem Gefummel, mit erfreutem Achwieschön und lachendem Jetzthabichsverstanden vergehen vier Stunden und sind wir nachher stolz wie Bolle. Die Buchhandlung riecht immer ein bisschen nach Schule ,wenn die Stunden vorüber sind....
Viel, sehr viel Arbeit schleppt der November heran, wie jedes Jahr, und die Arbeitstage riechen nach Hunger und Unmut, ziehen Müdigkeit zäh durch die Wochen und knurrende Hektik. "Alles muss bis Fristablauf 30ten raus sein", wir zerren Überstunden und der Chef macht sich rar. Wenn er auftaucht, müffelt er nach Schlaf oder Küche, er arbeitet antizyklisch zu uns, was suboptimal Reibung erzeugt.
Nach mürben Äpfeln duftet der November, Pampelmusen, deren Haut Öle verspritzt beim Schälen und die ich sorgsam filetiert geniesse, nach Mandarinenschalen auf der Heizung und nach feuchten Schaf (zwei Tage mit fisseligem Nieselregen in meiner wollenen Eisbärenjacke).
Ja, so riecht der November und nach gewiss noch viel mehr, fragt man die Hunde, die an den Ecken Zeitung lesen.
Mit letzten Rosenblüten haucht er auch und duftet bitter nach Rainfarn, dessen Sonnen mir leuchten.
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Montag, 3. Dezember 2018
Dunkle Frühe
Draußen noch Nacht.
Durch's geöffnete Fenster
rauscht und riecht der Regen.
Das Thermometer misst
aquarienhafte 12 Grad.
3. Dezember.
Eine Amsel singt.
Später schreien mich Schlagzeilen an
und unter dem Schirm ist es laut.
Die dunkelblaue Mokkatasse auf dem
Schaufenstersims des Herrenfriseurs
verspricht kühles Wasser mit einem Hauch
Kaffee.
3.12.18
Durch's geöffnete Fenster
rauscht und riecht der Regen.
Das Thermometer misst
aquarienhafte 12 Grad.
3. Dezember.
Eine Amsel singt.
Später schreien mich Schlagzeilen an
und unter dem Schirm ist es laut.
Die dunkelblaue Mokkatasse auf dem
Schaufenstersims des Herrenfriseurs
verspricht kühles Wasser mit einem Hauch
Kaffee.
3.12.18
Freitag, 30. November 2018
Der Fluss trinkt
Der Fluss trinkt.
Kleine, winzig kleine Schlucke sind es.
Mückenschlücke.
Die Haut schauderig überzogen
mit kleinen Tüpfchen
die er einfängt,
wie ein Kind die ersten Schneeflocken
mit der Zungenspitze hascht.
Ach, aber ein Nichts ist das
gegen den großen Durst des Flusses,
diesen monatelangen brennenden Durst!
Nur ein paar Spritzer
von nassen Fingerspitzen,
wie sie ein Achtloser schüttelt
ins Gesicht eines Verdurstenden.
30.11.2018
Kleine, winzig kleine Schlucke sind es.
Mückenschlücke.
Die Haut schauderig überzogen
mit kleinen Tüpfchen
die er einfängt,
wie ein Kind die ersten Schneeflocken
mit der Zungenspitze hascht.
Ach, aber ein Nichts ist das
gegen den großen Durst des Flusses,
diesen monatelangen brennenden Durst!
Nur ein paar Spritzer
von nassen Fingerspitzen,
wie sie ein Achtloser schüttelt
ins Gesicht eines Verdurstenden.
30.11.2018
Dienstag, 27. November 2018
kleine sonnen
auf dem schreibtisch
rainfarn
und ein später zweig johanniskraut
sonnige blüten
in den kürzer werdenden tagen.
26.11.18
rainfarn
und ein später zweig johanniskraut
sonnige blüten
in den kürzer werdenden tagen.
26.11.18
Mittwoch, 31. Oktober 2018
Die Finger wieder warm kriegen....
Kleinen fetten Zickzacklepo gebunden, um zu beweisen, dass das Umschlagpapier zu dick und steif ist. Beult und biegt sich, klafft auf, ei dann wirste halt zugebunden. Grummel.
Zahnstocher zum Größenvergleich.
Noch ein Buttonholebook aus Verschnitt Papier. Auch klein.
Zahnstocher zum Größenvergleich.
Noch ein Buttonholebook aus Verschnitt Papier. Auch klein.
Zur Adventspostkunst angemeldet, Mark making in schwarz weiss, oh große Froide!!!! Postkunstwerkblog, schnell anmelden, wer mittun will!
Ich blogge z Zt kaum, weil mein Rechner defekt ist und tippen hier auf der Minitastatur echt ne Strafe ist, verlinken kaum geht und Bilder hochladen endlos dauert. Danke an Mano (manoswelt) und Eva (evaisbusy) und Ulrike (Ulkau)und Veronika (Kreativhaexli) und Christiane (Momimachts), ihr seid Klasse und eure schönen Karten stehen hier und freuen mich sehr!
Donnerstag, 18. Oktober 2018
MuMiWo Oktober ... kurve kratz
Es ist grad reichlich verhext, entweder bin ich Mittwochs eh nicht da oder krieg die Kreiiierkurve nicht oder meine Technik lacht mich aus und die Gerätschaften funzen äh laden nix hoch.
Jetzt bin ich, ja ja ja Michaela, ich weiss, nen Tag zu spät, aber immerhin hab ich gestern schon angefangen, Vorzeichnungen zu machen und den ersten Stempel geschnitten....
die kleinen Büttchenstempel wa'n so Restegummifuzzels, Büttchen stempeln und nachfärben ....
die große Kartoffelrose und der Versuch mit Qtips zweifärbig einzufärben.
die kleinere Kartoffelrose...
und zum Schluss beide schwarzweiss - auch wenn mein Fotoapparat denkt, es wär Kerzenlicht und Sepia....
Husch husch schnell rollt mal rüber zur lieben Michaela! Da kullern noch ganz viele wunderfeine Früchtchen rum!
Sonntag, 14. Oktober 2018
Was bedeutet Dir Europa?
Jetzt gilt’s: Was bedeutet Dir Europa? Wie würdest Du Europa
gestalten, wenn Du die Chance dazu hättest? Hau in die Tasten – wir
freuen uns auf Deine Gedanken zum #SalonEuropa!
Eine Blogparade des Museums Burg Posterstein. Danke, Astrid, für den Tip!
Wenn ich Europa gestalten könnte, wäre mir das wichtigste, offene Grenzen zu schaffen für geregelte Zugänge, geregelten Zuzug. Nicht nur für EU-Bürger! Keine unwürdigen Lager und menschenverachtendende zynische Abschottung. Im gleichen Zug Gesetzgebung, die Transparenz fördert, gegen Korruption vorgeht, gegen Geldwäsche, gegen Steuerhinterziehung, gegen Wirtschaftslobbyismus. Ich möchte kein alle Türen alle Tore auf. Ich möchte eine gerechte Beteiligung aller europäischen Staaten an der Aufnahme aller Menschen, sei es aus beruflicher Zuwanderung, Migration, Flucht, die nach den gesetzlichen / humanitären Vorschriften aufgenommen werden müssen und nach den Gegebenheiten der Staaten aufgenommen werden können.
Der zwischenstaatliche Austausch ist zu fördern, an Wissen über Umweltschutz, an Wissen über Anbaumethoden, über Graswurzelorganisationen, über Sozialwesen, über Pädagogik, über Glasfaser, über sichere Internetkommunikation, über Verfassungsschutz, über Menschenrechte, über Korruption, über unbestechliche Polizei- und Staatsapparate, über Ökolandbau, Gentechnik (Liste beliebig fortführbar).
Ich wünsche mir eine Stärkung des Gedankens, dass kein Land in Europa eine Insel ist, sondern verzahnt - weder die Folgen von Raubbau an der Natur, noch Klimaveränderungen, weder die Folgen eines atomaren Unfalls noch die eines Ölpipelineunfalls machen an Staatsgrenzen halt. Ein vergifteter Fluss, der durch fünf Staaten Giftfracht trägt, muss Alle gemeinsam zum Handeln bringen. Diese Region ist verzahnt! Ein Kontinent. Uns ist rein geographisch Polen, Litauen, Russland, Finnland, Türkei und Georgien näher als Amerika. Wann geht das in die Köpfe? Auch Marokko und Tunesien und Algerien sind Spanien näher als Amerika.
Klar geht Klimaschutz nur global, wie vieles andere global gedacht werden muss. Aber die Wurzel, der Same liegt in der kleineren Einheit. Und die wäre nach den Einzelstaaten Europa.
Wir reichen Länder in Europa sollten endlich von unserem hohen Roß herunterkommen und andere Standpunkte anhören, ernstnehmen, anerkennen und LERNEN, als nur die von Amerika und unsere eigenen deutschen als das Maß aller Dinge zu nehmen.
Wie gehen afrikanische Länder gut und friedensstiftend mit Binnenflüchtlingen um?
Wie funktioniert Pflege und Schulbildung in Finnland?
Wie geht lebenswertes Leben in Städten ohne die deutsche Automobilabhängigkeit?
etc.
Ich wünsche mir Schüleraustauschprogramme weg von London und Paris hin zu Rumänien, Estland oder Bulgarien. Ich möchte jeden Tag etwas über diese und andere europäische Länder in den Nachrichten hören. Was können die dort richtig richtig gut? Wie leben sie? Wir wissen weniger über estnische Orchester, rumänische Medizin, lettische Krankenversicherung (beschissen) oder tschechischen sozialen Wohnungsbau als über die ständigen Themen der Rechten in Ungarn, Österreich, Deutschland.
Ich wünsche mir einen Ruck, der durch die Berichterstattung geht, den plärrenden Rechten einfach mal KEINE Plattform bietet, sondern über ganz alltägliche positive Vorgänge in den europäischen Nachbarländern berichtet. Auch über positiven Umgang mit Flüchtlingen.
Indem wir das Narrativ ändern, ändern wir die Wahrnehmung.
... das wär mal was: Statt dem neuesten Tweet von Trump die Fachmesse für Bautoffe, Technologien und Ausrüstung in Klaipeda besprechen.
Wir können nicht weiter auf Wachstum setzen, weil endloses Wachstum diesen Planeten zerstört und damit UNS ALLEN die Lebensgrundlage kaputtmacht. Wir müssen begreifen, dass Alles mit Allem zusammenhängt. Ausbeutung ärmerer Staaten bringt "Wirtschaftsflüchtlinge". Lieferung von Waffen in Kriegsgebiete bringt Kiegsflüchtlinge. Nichteinhaltung der CO2 Grenzen bringt Dürren / Überschwemmungen und weitere "Wirtschaftsflüchtlinge".
By the way: Ich wünsche mir eine Abschaffung der inflationären Benutzung des Wortes Wirtschaftsflüchtling - wer weggeht, weil sein Grund und Boden verdorrt und die Menschen verhungern, ist kein Wirtschaftsflüchtling. Wer weggeht, weil die Korruption im Land gutausgebildete Akademikerinnen und Bürgerinnen nicht in Lohn und Arbeit bringt, ist kein Wirtschaftsflüchtling. Wer weggeht, weil im eigenen Land keine Ausbildung möglich ist, ist kein Wirtschaftsflüchtling. Wer weggeht, weil ihr und ihm das Land unterm Arsch weggebombt wird, ist kein Wirtschaftsflüchtling. Wer weggeht, weil Monsanto und Konsorten die Bauern in Knebelverträge zwingt, die Böden kaputtgehen und die Menschen nicht mehr ernähren können, ist kein Wirtschaftsflüchtling. Wer weggeht, weil die großen Trawler die Fischgründe leerfischen und die angrenzenden kleineren ärmeren Staaten, die vom Fischfang leben, zusehen müssen, wie ihre Fischer verhungern, ist kein Wirtschaftsflüchtling - sondern in allen Fällen ist die Abwanderung dieser Menschen eine direkte und indirekte Folge von Kolonialismus, Neokolonialismus, Kapitalismus und dem westlichen Lebensstil auf Kosten Anderer. (By the way: Migranten überweisen 3-mal so viel Geld in ihre Entwicklungsländer zurück, wie die reichen Staaten Entwicklungshilfe leisten. Quelle: Perspektive Daily. das Beispiel betrifft Afrika und damit auch die Frage des Umgangs mit afrikanischen Wirtschaftsflüchtlingen)
Wer in die Schweiz zieht wegen der dort "freundlicheren" Steuergesetzgebung, der ist ein Wirtschaftsflüchtling, gell Frau Weidel. Ende des Exkurses....
Was bedeutet mir Europa?
Auf jeden Fall mehr als Urlaub in der Sonne.
Neugier. Auf die Anderen. Wie leben sie. Wie gehen sie mit Problemen um. Wie funktioniert ihr Sozialwesen, ihre Altersversorgung und Vorsorge, ihre Polizei, ihre Justiz, ihr Ballett, ihr Jazz, ihre Landwirtschaft, ihre LehrerInnenausbildung, ihre Müllabfuhr, die Geschwindigkeitsbegrenzung auf ihren Autobahnen, der Nationalfeiertag, ihre Orchester, ihre Wissenschaft, ihre Korruption, ihre Staatsverschuldung. Wie ticken ihre Autorinnen, Baumeisterinnen, ihre Atomkraftwerke, ihre Krankenhäuser, ihr Nationalstolz, ihre Künstlerinnen, Politikerinnen und ihre Lieblingsgerichte. Wie schmecken die Süßigkeiten dort, wann kommt man in die Schule, wie sieht ein Kindergarten, ein Altersheim, eine Palliativstation aus. Was lernen sie in der Schule über die Geschichte ihres Landes, wo kommen sie her, wie haben sie früher gelebt. Haben sie Kirchen, Moscheen, Synagogen. Worüber erzählen sie Witze, schreiben sie Bücher, für was gehen sie demonstrieren. Was denken sie von uns. Wie bauen sie Häuser, backen sie Brot, züchten sie Rinder. Darüber möcht ich was erfahren, und zwar nicht nur, wenn Georgien grad Buchmessenehrengastland ist, sondern in der täglichen Berichterstattung, bitteschön.
Es gibt so viel zu entdecken und man muss garnicht weit weg fahren.
Eine Tür weiter im Haus fängt Europa an, lies das Klingelschild und läut an.
Eine Blogparade des Museums Burg Posterstein. Danke, Astrid, für den Tip!
Wenn ich Europa gestalten könnte, wäre mir das wichtigste, offene Grenzen zu schaffen für geregelte Zugänge, geregelten Zuzug. Nicht nur für EU-Bürger! Keine unwürdigen Lager und menschenverachtendende zynische Abschottung. Im gleichen Zug Gesetzgebung, die Transparenz fördert, gegen Korruption vorgeht, gegen Geldwäsche, gegen Steuerhinterziehung, gegen Wirtschaftslobbyismus. Ich möchte kein alle Türen alle Tore auf. Ich möchte eine gerechte Beteiligung aller europäischen Staaten an der Aufnahme aller Menschen, sei es aus beruflicher Zuwanderung, Migration, Flucht, die nach den gesetzlichen / humanitären Vorschriften aufgenommen werden müssen und nach den Gegebenheiten der Staaten aufgenommen werden können.
Der zwischenstaatliche Austausch ist zu fördern, an Wissen über Umweltschutz, an Wissen über Anbaumethoden, über Graswurzelorganisationen, über Sozialwesen, über Pädagogik, über Glasfaser, über sichere Internetkommunikation, über Verfassungsschutz, über Menschenrechte, über Korruption, über unbestechliche Polizei- und Staatsapparate, über Ökolandbau, Gentechnik (Liste beliebig fortführbar).
Ich wünsche mir eine Stärkung des Gedankens, dass kein Land in Europa eine Insel ist, sondern verzahnt - weder die Folgen von Raubbau an der Natur, noch Klimaveränderungen, weder die Folgen eines atomaren Unfalls noch die eines Ölpipelineunfalls machen an Staatsgrenzen halt. Ein vergifteter Fluss, der durch fünf Staaten Giftfracht trägt, muss Alle gemeinsam zum Handeln bringen. Diese Region ist verzahnt! Ein Kontinent. Uns ist rein geographisch Polen, Litauen, Russland, Finnland, Türkei und Georgien näher als Amerika. Wann geht das in die Köpfe? Auch Marokko und Tunesien und Algerien sind Spanien näher als Amerika.
Klar geht Klimaschutz nur global, wie vieles andere global gedacht werden muss. Aber die Wurzel, der Same liegt in der kleineren Einheit. Und die wäre nach den Einzelstaaten Europa.
Wir reichen Länder in Europa sollten endlich von unserem hohen Roß herunterkommen und andere Standpunkte anhören, ernstnehmen, anerkennen und LERNEN, als nur die von Amerika und unsere eigenen deutschen als das Maß aller Dinge zu nehmen.
Wie gehen afrikanische Länder gut und friedensstiftend mit Binnenflüchtlingen um?
Wie funktioniert Pflege und Schulbildung in Finnland?
Wie geht lebenswertes Leben in Städten ohne die deutsche Automobilabhängigkeit?
etc.
Ich wünsche mir Schüleraustauschprogramme weg von London und Paris hin zu Rumänien, Estland oder Bulgarien. Ich möchte jeden Tag etwas über diese und andere europäische Länder in den Nachrichten hören. Was können die dort richtig richtig gut? Wie leben sie? Wir wissen weniger über estnische Orchester, rumänische Medizin, lettische Krankenversicherung (beschissen) oder tschechischen sozialen Wohnungsbau als über die ständigen Themen der Rechten in Ungarn, Österreich, Deutschland.
Ich wünsche mir einen Ruck, der durch die Berichterstattung geht, den plärrenden Rechten einfach mal KEINE Plattform bietet, sondern über ganz alltägliche positive Vorgänge in den europäischen Nachbarländern berichtet. Auch über positiven Umgang mit Flüchtlingen.
Indem wir das Narrativ ändern, ändern wir die Wahrnehmung.
... das wär mal was: Statt dem neuesten Tweet von Trump die Fachmesse für Bautoffe, Technologien und Ausrüstung in Klaipeda besprechen.
Wir können nicht weiter auf Wachstum setzen, weil endloses Wachstum diesen Planeten zerstört und damit UNS ALLEN die Lebensgrundlage kaputtmacht. Wir müssen begreifen, dass Alles mit Allem zusammenhängt. Ausbeutung ärmerer Staaten bringt "Wirtschaftsflüchtlinge". Lieferung von Waffen in Kriegsgebiete bringt Kiegsflüchtlinge. Nichteinhaltung der CO2 Grenzen bringt Dürren / Überschwemmungen und weitere "Wirtschaftsflüchtlinge".
By the way: Ich wünsche mir eine Abschaffung der inflationären Benutzung des Wortes Wirtschaftsflüchtling - wer weggeht, weil sein Grund und Boden verdorrt und die Menschen verhungern, ist kein Wirtschaftsflüchtling. Wer weggeht, weil die Korruption im Land gutausgebildete Akademikerinnen und Bürgerinnen nicht in Lohn und Arbeit bringt, ist kein Wirtschaftsflüchtling. Wer weggeht, weil im eigenen Land keine Ausbildung möglich ist, ist kein Wirtschaftsflüchtling. Wer weggeht, weil ihr und ihm das Land unterm Arsch weggebombt wird, ist kein Wirtschaftsflüchtling. Wer weggeht, weil Monsanto und Konsorten die Bauern in Knebelverträge zwingt, die Böden kaputtgehen und die Menschen nicht mehr ernähren können, ist kein Wirtschaftsflüchtling. Wer weggeht, weil die großen Trawler die Fischgründe leerfischen und die angrenzenden kleineren ärmeren Staaten, die vom Fischfang leben, zusehen müssen, wie ihre Fischer verhungern, ist kein Wirtschaftsflüchtling - sondern in allen Fällen ist die Abwanderung dieser Menschen eine direkte und indirekte Folge von Kolonialismus, Neokolonialismus, Kapitalismus und dem westlichen Lebensstil auf Kosten Anderer. (By the way: Migranten überweisen 3-mal so viel Geld in ihre Entwicklungsländer zurück, wie die reichen Staaten Entwicklungshilfe leisten. Quelle: Perspektive Daily. das Beispiel betrifft Afrika und damit auch die Frage des Umgangs mit afrikanischen Wirtschaftsflüchtlingen)
Wer in die Schweiz zieht wegen der dort "freundlicheren" Steuergesetzgebung, der ist ein Wirtschaftsflüchtling, gell Frau Weidel. Ende des Exkurses....
Was bedeutet mir Europa?
Auf jeden Fall mehr als Urlaub in der Sonne.
Neugier. Auf die Anderen. Wie leben sie. Wie gehen sie mit Problemen um. Wie funktioniert ihr Sozialwesen, ihre Altersversorgung und Vorsorge, ihre Polizei, ihre Justiz, ihr Ballett, ihr Jazz, ihre Landwirtschaft, ihre LehrerInnenausbildung, ihre Müllabfuhr, die Geschwindigkeitsbegrenzung auf ihren Autobahnen, der Nationalfeiertag, ihre Orchester, ihre Wissenschaft, ihre Korruption, ihre Staatsverschuldung. Wie ticken ihre Autorinnen, Baumeisterinnen, ihre Atomkraftwerke, ihre Krankenhäuser, ihr Nationalstolz, ihre Künstlerinnen, Politikerinnen und ihre Lieblingsgerichte. Wie schmecken die Süßigkeiten dort, wann kommt man in die Schule, wie sieht ein Kindergarten, ein Altersheim, eine Palliativstation aus. Was lernen sie in der Schule über die Geschichte ihres Landes, wo kommen sie her, wie haben sie früher gelebt. Haben sie Kirchen, Moscheen, Synagogen. Worüber erzählen sie Witze, schreiben sie Bücher, für was gehen sie demonstrieren. Was denken sie von uns. Wie bauen sie Häuser, backen sie Brot, züchten sie Rinder. Darüber möcht ich was erfahren, und zwar nicht nur, wenn Georgien grad Buchmessenehrengastland ist, sondern in der täglichen Berichterstattung, bitteschön.
Es gibt so viel zu entdecken und man muss garnicht weit weg fahren.
Eine Tür weiter im Haus fängt Europa an, lies das Klingelschild und läut an.
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