Montag, 28. März 2022

gartentag

Gestern langer Gartentag - es ist alles so trocken!!

Auch der Fluß, an dem ich täglich entlangradle, steht für Ende März viel zu tief. So schön die Sonne ist, die Trockenheit lässt mich scheussliches fürchten, nicht wieder so einen Sommer wie 2028, 2019, 2020. Wir dürsten alle nach Regen. So freundlicher Landregen, ne Woche oder zwei, paar Tage Sonne, dann nochmal Regen, das wäre gut.  März mit 20°, ohne Regen - wenn das weitergeht, ist der Streit ums Wasser mit den Landwirten vorprogrammiert.

Der Teich hat 10 Kannen Wasser gesoffen, die Bienen und Hummeln kommen trinken.

Schlüsselblumen blühen und Nesselchen, die letzten Osterglocken, der Rosmarin fängt bald an. 

Die anhaltende Trockenheit lässt uns die Beete noch nicht leerräumen, wir lassen die Nesseln stehen, die Laubdecke drauf, pflücken den Feldsalat dazwischen raus, gießen Obstgehölz, Pfingstrosenhändchen und Rhabarbernasen, bündeln Schnittgut vom Vorjahr, tanken Sonne, blauen Himmel und Frieden. Nachrichten hören wir früh genug wieder, die Pausen tun gut und sind wichtig.

8 bündel schnittgut.... hätten wir stromanschluss, würde ich einen häcksler anschaffen. gibbes nich mit akku.
la divina
mauswiese im märz
diese bändelchen stachelbeer haben sich - letzten herbst umgepflanzt - prächtig entwickelt
laubhaufen ohne ende werden neben dem häuschen zwischengelagert
"der nachbar hat aufgegegeben"
rosmarinmonster
la divina
nesselteppich
rohrkolbenpufffff
pinkpuschelliebe
heute pflege ich muskelkatzen....


Dienstag, 8. März 2022

beschissener tag

heute möchte ich mich am liebsten hinsetzen und weinen.

hinsetzen und weinen. alles zu viel. zu viel verantwortung. zu viel zu regeln. zu viel furcht, dass es ohnehin nicht klappen wird. nicht klappen kann. zu viel unwägbarkeiten. zu viel.

gestern war ich von dem karrussell in meinem kopf so dulle, dass ich mit dem zug zum omahaus fuhr für einen handwerkertermin und vor der tür den termin absagen musste, ich hatte die schlüssel nicht dabei. 

hirnleere.

(immerhin dann auf dem heimweg beim winzer vorbeigefahren und ein paar flaschen wein für den liebsten mitgenommen. ich bekomme noch eine geschenkt vom winzervater, der an einem großen möbel nagelnd, sägend und schleifend in der scheune steht und auf mein "was ist das?" nur gegenfragt "sind Sie katholisch oder evangelisch?" - nach einer weile erkenne auch ich es, da wird ein alter beichtstuhl zu einem ausschank umgebaut. "mein vater hat immer so verrückte ideen" sagt der sohn. den wein sicher auf dem rad verstaut, rolle ich wieder zum bahnhof und zugwärts heim.)

aber heute. da steht ein berg voller entscheidungen.entscheidungen, entscheidungen, entscheidungen. entscheidungen, die die nächsten tage betreffen: traueranzeige, wer, wie, welcher text, wann. entscheidungen, die die nächsten wochen betreffen: wer übernimmt den laden und regelt es wie. entscheidungen, die die nächesten jahre betreffen: bleiben oder gehen. mitgestalten, mittragen, (auch: mit auf die schnauze fliegen) oder anderswo in geregelten verhältnissen einsteigen, weitaus unaufregender, aber gesicherter, mit weniger verantwortung und weniger schnauzenfallpotential. ich werde noch 7 jahre arbeiten, vielleicht 8, habe ich die lust, die energie, das vertrauen in die anderen, zusammen den laden zu führen, den willen und die kraft, nebenher (haha) die fachliche ausbildung nachzuholen, die mir als quereinsteigerin (mit 18 jahren berufserfahrung) fehlt, entscheidungen, entscheidungen.

und über allem allem allem die nagende zerrende sorge um die liebste freundin mit hirntumoren. 

hinsetzen und weinen. 



Mittwoch, 2. März 2022

krieg und rassismus

Mal wieder ein Krieg. Zu all denen, die ohnehin am Laufen sind.

Die Behandlung von Flüchtenden ist beschissen rassistisch, so werden zB ukrainische Studierende aus Nigeria werden von anderen (weissen) UkrainerInnen mit Gewalt gehindert Züge zu besteigen oder anderweitig das Land zu verlassen. Auch die Medien offenbaren einen tief sitzenden Rassismus

Man könnte schlicht heulen und kotzen gleichzeitig vor Zorn. 

Der Herr K. von Wieseltier hat einen lesenswerten Gastbeitrag verfasst, dem ich nichts hinzufügen möchte, lest selbst. 

Ich wünsche mir mehr Reflektion in dem aufgeregten und aufrüstenden Getöse. 

Und keine Aufrüstung.  Bei dem tiefsitzenden rassistischen postkolonialen Gedankengut, dem Teile der Bundeswehr, des Verfassungsschutzes und der Polizei immer noch frönen, ist eine Aufrüstung eine große Gefahr für hiesige BürgerInnen genauso wie für in Deutschland aufgenommene  Geflüchtete, die nicht in das Weltbild unserer verbeamteten Faschos passen. Danke an Max Czollek für diesen wichtigen Einwand!

 

Mittwoch, 16. Februar 2022

abschied

 

Die letzte Woche war Achterbahn und wird so weitergehn. 7.2. mit meinem Jüngsten spazierengehn und in einem rümpelig mit rostzerfressenen Sprungfederrahmen abgesperrten Grundstück blühen die Schneeglöckchen, dass es einem in den Ohren klingelt. Ich bin dankbar bis zum sentimentalen Herumheulen, dass sich meine Familie um mich kümmert. 

Alles schmeckt nach Verlust. Loslassen. Veränderung, ohne Idee wohin.

Noch wünschten wir uns gegen alle Informationen eine klitzekleine Hoffnung für den Mensch auf der Intensivstation.

 



11.2. Gute Reise. Vor zwei Tagen hast Du aufgegeben. Ich sehe ins Licht und wünsche Dir eine gute Reise auf die andere Seite. Noch bist Du uns allen sehr nah.








 

Danach sind meine Tage voll mit arbeiten, trösten, alles un-mögliche klären, organisieren, trösten, selber abkrachen, vollkommen erlegt nach Hause kommen (Trauerphasen sind scheiss anstrengend), Stullenreste essen, schlafen wie ausgeknockt, wieder aufstehen, kochen, mit Farbe herumpinseln. Nachrichten? Egal. Weltgeschehen? Pfft. War was? Mein Kopf ist voll genug.  

 


Eine liebe Freundin schenkt mit vier Wünsche. Liebe. Mut. Licht. Kraft. Damit spielen. Die drei wundersanften Ölpastellstifte von sennelier, die ich zum Geburtstag bekam, mitspielen lassen.



Morgen ist Verabschiedung. Angesichts des Wetters beschleicht mich leise Angst, ob Strassenbahn, Busse fahren, die Autobahn frei sein wird, ob wir nicht alle davonfliegen...


atempartitur für einen der geht 

(markmaking mit kiefernzweigen, tusche, perylenrot tief, gelb, Wut, Trauer, Fassungslosigkeit und immer wieder dem Unglauben, dass das, was passiert ist, mit unserer hochtechnisierten Medizin passieren konnte)

 

Während ich schreibe, jault sich das Orkanwetter hoch. Orgelt in unseren Altbauritzen. Zieht unter Türen durch, jodelt in WC-Oberlicht, das unschliessbar ist. Klappert. 

Wedelt der Wind alle Zweige so wild, dass alle verfügbaren Bewegungsmelder in den umliegenden Höfen und Hauseingängen auf Dauerflutlichbeleuchtung bleiben.  

Passt auf Euch auf.  Bitte.  Alle.

Sonntag, 6. Februar 2022

Heute ist mein Herz schwer

Dieser Monat, noch nicht mal eine Woche alt, ist an Mist kaum zu überbieten. Es hagelt von allen Seiten Unglück. Zwei Menschen mit Krebs, der eine hängt im Zwischenreich der Bewusstlosigkeit auf der Intensivstation, nachdem es eine Nachblutung und Komplikationen gab. Seine Frau, in Südamerika unterwegs, bekommt keinen Flug aus dem Land, kann nicht an seiner Seite sein. Ein Freund, als Selbständiger und unter Corona in eher prekären Krankenversicherungsverhältnissen, darf eine umfangreiche Kieferoperation wahrscheinlich aus eigener Tasche bezahlen. Seine Frau einen anderen Eingriff am Knie wohl ebenso. Es ist zum Hoilen und Weglaufen. Ob ich meine Arbeitsstelle in ein, zwei Monaten noch haben werde, scheint momentan ebenso ungewiss. Ich habe die ganze Zeit versucht, alles so gut es geht, emotional auf Abstand zu halten, um noch zu funktionieren, aber es ist zunehmend Hals zuschnürend. Der Mensch vom diakonischen Werk, der eine Seniorenberatung bei meinem alten Vater machen sollte, hat festgestellt, garnicht zuständig zu sein und seine Erleichterung darüber war am Telefon so unüberhörbar, dass ich am liebsten geschrieen hätte. Nun geht das Ansprechpartner+Terminsfindekarrussell wieder von vorne los + 1 Tag Urlaub für mich, mit 2 Stunden Anreise und 2 Stunden zurück, es ist halt auf dem Land. 

Und dann das Wetter auch noch. Windig, sabbelig, es schifft. Ich wünsch mir die klare helle Kälte von Schnee. Das wird nix mehr. Der Rheintalgraben ist warm.

Eigentlich mag ich den Februar. Steigendes Licht. Die Amseln plärren am Morgen, was das Zeug hält. Der Himmel malt rosa Streifen im Osten, wenn ich zur Arbeit radle. Irgendwann hab ich Geburtstag, ich bin im steigenden Licht geboren. Ich liebe diesen Monat, in dem alles plötzlich so schnell geht. Der Schnittlauch auf dem Balkon ist schon 2 cm hoch, der Estragon treibt aus, überwinterte Glockenblumen strahlen lilablau, ich gucke die Winterlinge aus dem Boden, die totgeglaubte Hortensie kommt. Nur, dass diesmal alles so schwer fällt. Die Kranken, all die Ungewissheiten, Hoffen und Warten und Beten. 

Erinnerung an den Todestag meiner Mutter vor 9 Jahren. 9 Jahre ohne ihr Lachen, ihre Liebe zu ihren Enkeln, Gespräche über Gott und die Welt, ihre Neugier, keine Rollstuhltour durchs Quartier ohne Stop in der Buchhandlung (wir lassen heute noch alle Bestellungen auf ihren Namen hinterlegen). Sie fehlt.

Heute ist mein Herz schwer.

Samstag, 5. Februar 2022

in den ritzen...

in den blinden augen der pfützen

schwimmt laub vom vorjahr

dazwischen

ein fingernageldünner mond

 

orion.

die kastanie

reicht mit dürren fingern

den großen jäger

von dach zu dach 


in den ritzen

hinterm sperrmüll

blüht eine glockenblume

unbeirrt im kaltwindigen februar


die laternen

gießen lichtpfützen ins dunkel

beleuchten meine

schlaflosigkeit.

im bett unter die schattenkante

des fensters räkeln

bis die müdigkeit über die augen kriecht



5.2.2022


Samstag, 15. Januar 2022

ich bin

ich bin der himmel mit brennenden streifen in ost,
die neugier einer nassen hundenase auf der spur einer hungrigen ratte,
ein weidenzweig, plötzlich unbeschwert, pendelnd, gelb,
fedriges leben im frost.
ich bin das schillernde gekreisch der möwen, treibend in der mitte des stroms, ein quirliger teppich aus vögeln,
nachtnebel bin ich, nistend im ufergesträuch der insel und ein rostiger kormorannruf,
die kielwelle zweier schwäne, die mit den schatten ankernder schiffe verschmilzt.

ich bin die freude über das licht, immer das licht,
die von meinen geöffneten handflächen in den himmel steigt,

eine stunde vor sonnenaufgang an einem morgen im januar



 

I am the sky with burning stripes in the east,

the curiosity of a wet dog's nose on the trail of a hungry rat,
a willow branch, suddenly abandoned, pendulous, yellow,
feathered life in the frost,
I am the iridescent screech of gulls, drifting in the middle of the stream, 
a swirly carpet of birds.
night mist I am, nesting in the shore bushes of the island and a rusty cormorant call,
the wake of two swans merging with the shadows of anchored ships.

i am the joy of the light, always the light,
rising from my open palms into the sky,

one hour before sunrise on a morning in january.
 
 
 
 eva becker. 15.1.2022