Freitag, 24. Mai 2019

Kleb und bapp und näh - Museumswerkstatt die erste

Was ein Sonntag!


Die diesem Sonntag geschuldete Plättlichkeit zog sich noch einige Tage in die Woche hinein, weswegen ich bis dato noch nichts hochgeladen habe, ausserdem warte ich noch immer auf Fotos der Museumspädagogin. 
Anyway. 



Der Museumstag war sehr drollig. Gemessen an der Zahl der BesucherInnen war die offene Werkstatt eher zahm besucht - gemessen an der Zahl der gebundenen Bücher aber ganz und gar nicht!



 Um viertel vor 10 kam ich per Zug mit Rad und Koffer in Bingen an. Frau K. wartete schon. Wir bauten den Arbeitsplatz auf aus 6 Schultischen, die zugeschnittenen Bögen, Handwerkszeug, ein paar Stempel und Stempelkissen aus meinem Fundus, dazu einen separaten Tisch für Bezugspapiere und eine separate Kleisterstation (Danke Eli!)  und um 11 Uhr öffnete unten das Museum.
Schlag 11.10 Uhr kamen drei Damen herein "Wir sind nur wegen dem Buchbindekurs gekommen" - Große Freude! Wir begannen gleich mal kompliziert mit dem chain stitch, dann ging es fröhlich, konzentriert und sehr interessiert weiter mit all den anderen Bindemustern. Sie wechselten mutig geworden von farbigen und bestempelten Umschlägen zum Lokhtapapier und Carta Varese. 
"Ach, die Papiere sind ja toll. Und da darf ich? Und die kosten nix?" Und dann breiteten sie strahlend die Bögen auseinander, konnten sich kaum entscheiden, freuten sich und wir uns mit.



Sie blieben nicht die einzigen, die - einmal Blut geleckt - vieles ausprobieren wollten und sich unterschiedlichste Bücher gestalteten. Kinder kamen hereingewuselt, ganze Familien und alle unsere großen wie kleinen BesucherInnen gingen mit mindestens einem Heft oder Buch wieder nach Hause. Eher zwei oder drei....



Wir waren ehrlich überrascht vom Durchhaltevermögen und der stillen Konzentration - genauso wie von der Zielstrebigkeit mancher Kindergartenknirpse. Welche Farbe willst Du? ROT. Rotes Papier war aus, sie wählt pink. Welche Farbe soll das Garn haben? ROT. Sprachs und legte los! Möchtest Du Stempel draufhaben? JA. DEN und DEN und DEN. Großes kleines Kino. Herrlich!!




Fazit: Machen wir wieder. 

Aufräumen, Zeug verstauen, den Zauberkoffer füllen (den Spitznamen hat er von Frau K.), die große Mappe bleibt erst mal in Bingen, die bekomme ich gebracht. Manöverkritik mit der Museumsführerin, an der alle Besucherinnen und Besucher mit ihren Büchern wieder rausgingen - "Sie können stolz auf sich sein. Sehr tolle Bücher haben die Leute gemacht. Sie haben ja wirklich hochwertiges Material mitgebracht!"  



Tja und dann
dann
dann war der Zug mal wieder weg, 
der nächste erst 45 Minuten später, der Sonntag sonnig und warm, Tasche und Zauberkoffer auf dem Rad festgezurrt -

so bin ich die 34 km durch die Deichwiesen voller Wiesensalbei, Butterblumen, Grillen, Gänsen, Dohlen und Storch heimgeradelt - zwei Stunden. Uff.

Essen, Trinken, Duschen, Familie, Quatschen, Umfallen.

...ich hab meine erste Museumswerkstatt überlebt ...



Als gestern die Schule für die Projektwoche absagte, da sich zu wenig Kinder angemeldet hatten, war ich ehrlich gesagt nicht sehr traurig. Die nunmehr dritte Datenbank einzurichten kostet grad jobmäßig wahnsinnig viel Konzentration und Nerven - während der Projektwoche hätte es für mich bedeutet, morgens in der Schule und ab nachmittags im Büro zu arbeiten. So fühle ich mich doch etwas entspannter.... Grins.  

Nicht dass ich nicht einen Sack voll Ideen gehabt hätte....Anyway.
Der geht nicht verloren. Der Sack voll Ideen. 

Treibt's bunt! 





Samstag, 18. Mai 2019

Bücher binden und so weiter.....



Das ist der Wasserstand vom 13 Mai.
Gestern am 17. war er trotz zwischendrin bisschen Feuchte vom Himmel schon wieder gesunken.
Da guckte das Grünzeugs schon wieder aus dem Wasser.

Vorhin rappelte mal ein kleines Gewitterchen vobei, schepperte rum, warf etwas Regen, naja, verzog sich wieder.  Es darf ruhig noch regnen und trotzdem warm sein. (Werden die Spargel auch billiger)

 Worldcollageday-Karte von Mano! Große Froide!

Und von Claudia auch eine! Hachz, danke ihr Lieben!

Die Vorbereitung der Museumswerkstatt - die gleichzeitig auch Vorbereitung auf die Projektwoche in der Schule ist, später im Juni - ließ mich alles mögliche ausprobieren. Angefixt von den tollen Sachen von travellingbookbinder Rachel Hazell hab ich kleine Bücher gebunden und alle möglichen Stiche ausprobiert, Schablonen entworfen, Stichmuster gezeichnet, Anhänger gemacht,* schliesslich hab ich den bunten Verschnitt von der Druckerei mitbekommen, was ich sehr nett fand.





Momentan pack ich dies noch ein und das noch ein und jenes vielleicht auch noch? Kicher.
Menno, ich bin doch langsam aufgeregt. So'n Projekt hab ich noch nie gemacht.


Mit Restpapieren lässt sich trefflich Blödsinn machen:











und obwohl die Museumspädagogin gestern schon einen großen Teil des Geraffels mitgenommen hat, ist mein Schreibtisch immer noch das wilde Gerümpel - aber, mir schwant, mitten im Chaos neige ich dazu, die meisten Ideen auszubrüten ...
treibt's bunt!

*und denkt bitte nicht, die gibt ja an wie ne Tüte Mücken. Die ist einfach aufgeregt!

Samstag, 11. Mai 2019

draussen schiffts

Perfekt getimt also gestern

Hallo Pastinake! Gut durch den Winter gekommen?

direkt nach der Arbeit gleich in den Garten zu fahren.

mein wilder Feldsalat. Schmeckt auch wenn er blüht noch

Sonne, nicht zu warm,

Kornrade, Nelke und zwei Pfingstrosenkleinchen


Bienchen, ein paar (Kilo)meter Unkraut rupfeln,

Kräuterschöpfe - Bohnenkraut, Oregano, Pimpinelle, der Schnittlauch blüht und die Minze kommt auch gekrabbelt...

Beete anlegen,  Kompost schaufeln,

Erbsen gelegt, das Scharbockskraut darf bleiben

Sense schwingen, Wiese mähen, tralala, 


Erdbeeren mit Hornspänen, Urgesteinsmehl und Kompost verwöhnen,


Blicke geniessen

und für den nächsten Kuchen vorsorgen

Rhabexplosion oder Monsterrhabarber  



Ein paar Nasen Duft


und tschüss.

Heute: Muskelkater pflegen.  Draussen schiffts.

MAINZER MINIPRESSENMESSE

Jetzt mal ganz fett Werbung:

Zum 25. Mal MMPM in 50 Jahren (1970 bis 2019):
30. Mai bis 2. Juni 2019 in der Mainzer Rheingoldhalle

© Minipressen-Messe
© Minipressen-Messe
 
KleinverlegerInnen HandpressendruckerInnen BuchkünstlerInnen PapierkünstlerInnen AutorInnen IllustratorInnen PapiermacherInnen - BuchKunst vom Feinsten, wie's das Herz begehrt.

Kommet zuhauf, sage ich da nur. Alle zwei Jahre findet in Mainz eine internationale Buchmesse statt für Kleinverlage, die die tollsten Sachen bietet.

Verlage und BuchkünsterInnen aus Deutschland, Südafrika, Großbritannien, Luxemburg, Niederlande, Schweiz, Österreich, Spanien, Tschechien - es werden Euch die Augen übergehn!
Im Ausstellerverzeichnis findet Ihr von Andante Handpresse Berlin über augen:falter zu edition federleicht zu Gerard Paperworks über die Mühleisenpresse Köln bis zur Papierwerkstatt Sifft so viel unterschiedliches, wunderbares, Augen beglückendes, Herz verzauberndes aus allen un-möglichen Bereichen der Arbeit mit und auf Papier, dass ich nur herzlich einladen kann, die Werbetrommel rühre und gerne bereit bin, mit der und dem Einen oder Andern, der und die sich nach Mainz auf die Socken macht, eine Runde mitzugehen, BloggerInnen in Echt und Farbe kennenzulernen und die schönsten Exponate buchkünstlerischer Art gemeinsam zu entdecken.  Ich würde mich freuen!

Ach ja, und das netteste, Eintritt ist FREI.
Rahmenprogramm mit Lesungen, Performances nicht zu vergessen, gelle.
© Minipressen-Messe 
© Minipressen-Messe                                                       Lohnt sich!!

Dienstag, 30. April 2019

erinnerungen und obst

ich erinnere mich

ich erinnere als kind mich an obst sattessen zu können.
wir hatten viele meter birnen- und apfelspalier. 

der geschmack der "zementbirnen" - einer dicken birnensorte, die grün 
hart war wie eine rübe, grobzellig, geradeaus süß, mit einer die lippen pelzig machenden bitterkeit unter der schale.
ich erinnere mich an den kirschbaum im garten meiner kindheit. kirschen aus meinem fenster hängend zu pflücken, frühmorgens, vor'm frühstück, mittags nach der schule mit dem hund unterm baum liegend, kirschen, kirschen, kirschen, und nie wurde mir schlecht, auch nach einem glas wasser nicht.
ich erinnere mich an den konzentrierten geschmack von schattenmorellen, die in heissen sommern bis in den herbst hinein am baum bleiben durften und beinahe süß wurden. an ihre zarte haut, die im juli wie ein dünnes häutchen riss und den blutroten saft über die finger fliessen ließ, bis oktober jedoch runzelig wurde und fest. köstlich.
an das medizinischbittre der holunderbeeren erinnere ich mich und den durchdringenden geruch der schwarzen johannisbeersträucher.
ich erinnere mich an die weckgläser mit eingekochtem obst auf regalbrettern im keller. an großmutters kompotte mit grießnocken und semmelbröseln, in butter gebräunt. 
ich erinnere mich, als ich das erste mal obst zum nachtisch bestellte: wir waren italienisch essen, eine freundin meiner mutter, mutter und ich. 

die nachtischfrage stand an. der wirt hatte eine wunderbare birne in einer schale liegen. ich bat um die birne. man war verwundert. meine mutter war genervt, glaube ich, aber ich bestand auf der birne - und bekam sie. sogar mit besteck. 

ich erinnere mein anfallsweises essen eingemachter sauerkirschen während des studiums. in der vorlesung, direkt aus dem glas kirschen löffelnd. pflaumen gingen auch. aber am liebsten kirschen. meist dann, wenn das wetter am umschlagen war und großer regen bevorstand. an diesen tagen war mein hunger auf obst, auf saft schier unstillbar.
ich erinnere das letzte fastenbrechen - mit erdbeeren. und den japp auf heidelbeeren, der fast 14 tage anhielt.

ich stehe hungrig nach einem gartentag mit dem mann in der küche, er brät würschtel, ich schmore zwiebeln, paprika, tomaten. ich esse mehr gemüse als wurst. schneide scheiben frische mango ab, kaue mango und bratwurst. laufe durch die küche, werfe erdbeeren, heidelbeeren in den mund, nehme eine schale apple crumble mit vor den rechner.






es ist, als hätte das kurze fasten vor ein paar wochen 

einen schalter umgelegt. zu einem schalter, der obst heisst, gemüse. 
zu einem schalter, der FRISCH sagt.  


frühstück ohne paprika ist unmöglich. salatschüsseln esse ich im alleingang leer, wenn keiner sagt "gib mir auch was."

Montag, 29. April 2019

sketchbookrevival 2019

Das sketchbookrevival ist mittlerweile auf Tag 8 und ich merke, wie ich etwas "erlahme".

Day 5 war klasse und fordernd:
Session 1 mit Susan Yeates  quick drawing exercises - nimm einen kleinen Gegenstand und versuche ihn, aus allen un-möglichen Richtungen zu zeichnen.
Joo, ich kann verflixte Hacke keine Schatten setzen. Ich seh sie nicht.
Das war schnell, fordernd, witzig.


Vor allem: onecontourdrawing blind ! Herrlich. Das könnte mein Spaß werden in Zeiten, in denen mir mal nix einfällt!


Session 2 kam aus Kassel herangeflogen: Julia Bausenhardt zeichnet Natur. Mit uns einen Vogel.
Nun, ich habe also eine Meise mit einem langezogenen Hals.... grins.  Gute Tips hat sie. Hoffentlich kann ich sie mir merken, haha.


Day 6 session 1 ging in die ganz andere Richtung, nicht guck nach draussen und zeichne, was Du siehst, sondern guck nach innen und halte fest, was Du fühlst mit Amber Kuilaimeilani Bonnici, inklusive Karten legen. Großer Spaß!


ich merkte, wie sehr mir Farbe fehlt!

Session 2 war über mindful art experiments von Cynthia Hank ein Weg, zu schnellen doodles zu kommen und ein Weg, quasi warmgezeichnet (6 kreisformen ausdoodeln, 30 sec. je Kreis) zu einem Inhalt zu kommen, der deinem Inneren enstpricht. Für den Kreis hat man 5 minuten, füllt ihn mit Formen, die sich melden, die gezeichnet werden wollen und macht sich dazu eine kleine Übersicht.
vier Felder physical - emotional - senses und Feld 4 mental (over all)




Day 7 session 1: Rachael Taylor magic motif creation. ein extrem langatmiger Kurs, der mich im letzten Drittel - setze den Salat am Rechner um - wirklich garnicht interessierte. Aber wahrscheinlich x andere Menschen und für die war er gut.Ich hab nur versucht, so schnell es ging, Motive zu kopieren als Ideensammeltopf.



Session 2 war eine Methode von Karen Stamper mit mixed media mark making sketchbookseiten schon mal anzufüllen, ehe man sie wirklich benutzt. Okay, auf diese Weise nicht meins.
Seiten mit Papierausschnitten und Klebestreifen vollpappen, verschiedene Tinten drauflaufen lassen, Papiere wieder abreissen, eh ich bin böse, sie hat tolle sketchbookseiten auf diese Weise gestaltet. Es ist nicht meins, Paper erst vollkommen einzusauen, ehe ich mich traue, draufzumalen. Grins. So viel Angst hab ich vor der leeren Seite nicht, dachte ich gestern abend irgendwann und hab mir lieber was andres angesehen.
von Ye Vagabonds The Foggy Dew - auf youtube, ein sensationell schönes Video von Gentinettafilms.! Bleistiftzeichnung, animiert - ganz wunderbar. Schliesslich saß ich da und saute mit Tusche mein sketchbook voll, ohne den gewünschten Effekt, aber ich hab ne Richtung und ich weiss, auf welchem Papier ich da weitermachen muss....






 Heute, Tag 8, begann mit einem coaching sozusagen von Adam Sincisky. Ganz gut. Zeige ich nicht.
Und ging in session 2 weiter mit Happy Journaling von Jennie Moraitis. Ehe mir das Gesicht einschläft, dachte ich, mache ich aus. Ich möchte meine Happy Journals nicht malen, ich möchte sie schreiben. Gesagt. Getan. Sketchbook as diary.

Euch erzähle ich davon nur so viel:
Ich hatte einen Teichmolch auf der Hand, heute, knapp so groß wie meine Handfläche.
Klein, zart und schmutziggelb. Er stand in meiner Hand, einen Fuß in der Luft, die Augen goldene Schlitze. Ich war ganz betört.
Die Sittiche scheinen das Astloch der Pappel wieder beziehen zu wollen.
Eine Krähe zugeschaut, wie sie einen Graureiher vertreibt, sie fliegt ihm so lange hinterher, ihn fast attackierend, bis er abdreht und wegfliegt.
Hummelschweber in den Taubnesseln. Dicke rote Puppen im Kompost. Die Erde der vier Komposthaufen, die ich angestochen und teilweise umgesetzt habe, ist rötlich, fast wie Torf, sie ist gar und zwar immer noch krümelig (wir haben Sandboden pur) aber satt. Herrlich.
 Eine Zauneidechse macht sich davon.
In einem alten Blumentöpfchen aus Plastik, das den ganzen Winter in einem Beet lag, ein leeres Wespennest mit einer Wespe. Ich habs nicht gleich gesehen (war die Töpfe am einsammeln, Dreck rausnehmen, usw.) aber sie tut mir nichts, läuft zwischen meinen Fingern herum und fliegt schliesslich zum Bodenloch hinaus. Gallische Feldwespe, denke ich, sie sind friedfertig, sie bauten hier schon mal. Ich entschuldige mich und lege ihr den Topf wieder hin, aber ich weiss nicht, ob sie neu gebaut hatte oder die überwinterte Königin vom letzten Jahr ist.
Die Waben sind alle leer.
Die Arbeit an den Kompostern im hinteren Teil des Gartens ist am schönsten: Im Gehölz und Gebüsch über dem Bach singen die Nachtigallen den ganzen Tag, dass es schallt.