Sonntag, 16. Juni 2019

Schrift und Bücher

Tabea, die in Alphabeten schwelgt, hat mich mit ihren Spielereien und TaBeCe-entwürfen mehrfach erinnert an so manche Bücher, die meinen Weg kreuzten und in denen es nicht zuletzt um Schrift geht. Achtung, der folgende Post enthält Werbung, nicht bestellte, ich habe alle Bücher selbst erworben und handele rein  aus freien Stücken. 😉

Ich stelle Euch welche davon vor:
Das erste ist das Schnurpsenbuch von Michael Ende in der Ausgabe der Deutschen Buchgemeinschaft,  das copyright lag beim Thienemanns Verlag, ich hab die Ausgabe von 1969 mit den Illustrationen von Siegfrid Wagner.
Verse für Kinder ohne kindisch oder albern zu sein, eine sehr reduzierte Gestaltung, die von starken Farben getragen ist, wenig Illustration, wenig Faxen in der Typographie, ich habe es geliebt, liebe es immer noch und zwar ganz ausdrücklich in eben dieser Ausgabe. Es gibt diverse andere, aber die finde ich illustratorisch und gesamtgestalterisch einfach nicht so gelungen, nicht so rund. Sie bedienen einen anderen Typ BetrachterIn glaube ich. Meine Mutter fand 1969 die plakativ farbige und sonst sehr reduzierte Gestaltung einfach so gut, dass sie zugriff. Mein Exemplar ist arg zerlesen....

















Ich habe Beispiele ausgewählt, die die Gestaltung auch die typographische schön zeigen. Für Kinder eine Ausgabe, die den Text in den Vordergrund stellt, die Sprache, kein buntbunt drumrum bzw. sehr reduziert. Die Verse tragen es.


Das zweite ist ein kleines schmales Heft, ein Reprint einer Schriftenreihe von 1919, vom wunderbaren Verlag Karin und Bertram Schmidt-Friederichs in Mainz neu aufgelegt.
Ich konnte nicht widerstehen und finde es köstlich.

Wieder Verse....








Ein Kleinod. Das sich offensichtlich großer Begeisterung erfreut -  5. Auflage 2017!

Das dritte Buch ist neu, 2018 herausgekommen, ich habe es in England bestellt:
Bound von Rachel Hazell.



Beinahe alle der Techniken Bücher zu binden, die sie vorstellt, kannte ich bereits, hatte sie mir, da und dort aus Foren, Büchern, Blogs und Videos draufgeschafft. In diesem Buch sind sie zusammengefasst sozusagen, für mich ein wunderbares Nachschlagewerk. Hazells Buch vereint für mich in herausragender Weise zum einen Grundsätzliches, zum anderen Technik und zum dritten begeistert mich ihre puristische Art der Gestaltung. Hachz.








Hazell ist Fachfrau, was man bei jedem Handgriff, den sie erklärt, spürt. Ich mag Menschen, die ihr Handwerk verstehen und es dazu noch so gut vermitteln können.

*   *   * 

Wem es heute zu heiss war, dem schicke ich noch eine Abkühlung aus dem Innenhof des städtischen Altersheims.  Ein Ruhepol mitten in der Satdt, schattig, Wasserplätschern, Blumen, irgendwo sind auch Hühner, viele Sitzbänke, tagsüber von Jedermensch betretbar. Sehr schön dort.





Treibt's bunt!



Montag, 10. Juni 2019

Gesammeltes aus Garten und Sketchbook, 12tel Blick und unterwegs...



Der Garten gibt momentan so Gas, dass man mit Fotos geschweige denn selbige Hochladen nicht nachkommt. Ausserdem ist draussen sein eh schöner! Oben: Erbsenbeet.
Unten: Die Weigelie platzt buchstäblich vor Blüten, nachdem ich sie im späten Winter ziemlich radikal ´runtergeschnitten habe. Boah. Und es summst und brummst darin!



Die Stachelbeeren im Gegenlicht.... noch sind sie sauer brrrrrrr


Kornradenbeet und Ritterspörne am 4.6. aufgenommen.


Madame Pappel nach dem Winterrückschnitt durch das Grünamt belaubt sich dieses Jahr erschrocken etwas schütter


Der GöGa frohlockt: Der Wein ist voller Knospen!


Dir Pompomglockenblume hat sich ausgewildert und fängt zu blühen an, bald ist das ganze Stück lila. froi und hüpf.


Das ist der zwölftel Blickvom 30. April


und jener vom 29. Mai. Ich bin nicht zum Hochladen gekommen.... Leider nun der hässliche Bauzaun...  Dafür satteres Grün und kurzfristig höherer Wasserstand.
Mehr Blicke wie immer bei Eva 

Die Minipressenmesse war wunderbar, voller schöner Gespräche und Begegnungen und viel Wiedersehensfreuden und Freunden.

Nur wenig gekauft: Ein Minibuch, eine neue feine Ahle. Buchleinen hab ich bestellt, mal schaun wann es ankommt.



Wasserstand 6.Juni: Fällt schon wieder.



Eine Woche später: Kornrade und Rittersporn legen los!

Zwei Haselnussschößlinge hab ich in den Kübel ausquartiert, sie sind sehr ungern gesehen lt Gartenordnung. Braucht jemand Haselsträucher?

Die Gartenbegehung am 5.6. war übrigens überraschend. Der begehende Herr Vorstand latscht versonnen mit mir über meine sensengemähte Wiese (huckelig, ein Teil Schafgarben) und meint "Das ist also unser Ökogarten. Die Frau B."  - Den Deckel nehm ich gerne und als Kompliment!   (grinse mir eins und denke, aha, der Vorstand ist doch lernfähig)



Blauvogelfeder hat mich mit Blobs angesteckt, danke für die Inspiration!

Gestern ein Ausflug mit Zug und den Rädern nach Flörsheim-Dalsheim.
Die Fleckenmauer.

 und der Blick übers Örtchen.



Die ihren Namen nicht etwa von fleckigen Feldsteinen hat, sondern als mittelaterliche Ortsbefestigung als Wehrmauer mit Türmen und Graben den "Flecken" also das Dorf umschloss, das an einer Hauptroute marodierender Horden lag und immer wieder aus jeder Windrichtung überfallen wurde... Vollständig erhalten und teilweise begehbar. Auch einen großen jüdischen Fridhof hat's, hier hab ich nicht fotografiert.






Mal wieder ein schöner Kanaldeckel, grins.

Danach gings einige Kilometer über Land, durch Reben, Zuckerrüben, Getreide. Grüne Huckel. Weiter klarer Blick bis auf den Melibocus. Ich mag mein rheinhessisches Hinterland. Heimat. 

Schöne Pfingsten allerseits!


Sonntag, 26. Mai 2019

ich erinnere mich....

ich erinnere mich
 

ich erinnere mich an den schulweg mit sieben.
unsere heimat ein straßendorf. die häuser stehn giebelseitig, daneben zweiflüglig das tor, früher scheunenzufahrt gewesen, ein flügel traktor- und fuhrwagenbreit, einer für menschen. hinter tor, haus und innenhof stehn quer die scheunengebäude. dann das nächste haus. geschlossene fronten zur straße. alle tore übermannshoch.

auf dem bürgersteig lief von jedem grundstück ein "kennel" zur straße raus, abfluß für regen, brauchwasser. jedes trottoir anders. mal lehmige erde, ein kennel aus backstein, moos auf den rändern. mal ein gepflasteres trottoir und der kennel mit blechdächelein. mit beiden füßen draufspringen - wie herrlich das schepperte! vor dem nächsten haus unebener boden aus huckelig runden flusskieselsteinen, der kennel backsteingefasst. gelegentliche versuche mit fleckigem bröckelndem asphalt, nach jedem winter mehr aufgebrochen. in den rändern stand wasser, später blühte leuchtend der mauerpfeffer. der asphaltbelag schwand. kennel aus eisenrohren gab es, selbstgegossene mit seitwärts in  grauen placken ausgelaufenem beton.
die trottoirs im sommer trockene lehmige erde, in den ritzen gras oder löwenzahn. matsche bei regen, pfützen zum reinspringen oder drüberhüpfen, je nach schuhwerk und laune.

ein grundstück, eines nur, mit einem nach hinten versetzten haus. zur straße ein eiserner maschendrahtzaun, dahinter ein garten. nickende gräser, pfingstrosen, rittersporn, klatschmohn, gemüse wahrscheinlich, ein niedriger obstbaum. ich habe dieses grundstück bewundert. jeden tag. weil es so bunt war. so offen. aus der reihe tanzte. schön war. als kind stand ich vor dem maschendrahtzaun und guckte. garten und vögel, schmetterlinge, die katze. backsteingepflasterte wege in rotbraun und gelb. niedriger holzzaun am beet aus grauverwittertem holz. dahinter das haus. ein häuschen. einstöckig mit niedrigem dach stand es da, traufseitig mit herabgezogenem ziegelhut. kleine fenster mit sandsteinsturz. ohne fensterladen. plackiger alter gelbbrauner putz. wahrscheinlich "ärmere leute".

wie giftig die nachbarn waren, als die stadt eines der grundstücke den p's zuwies, einer heute würde man sagen asozialenfamilie. die frau schwer übergewichtig seit kindheit schon, mit braunen und krummen zahnstummeln schlechter nachkriegsernährung. der mann klein und dünn, vermutlich analphabet, hilfsarbeiter, mal bei den winzern und landwirten, mal arbeitslos. ein begeisterter handwerker, der schrott mit dem fahrrad nachhause fuhr und hilfsbereit reparierte. dünn, krummbeinig, mit ausgewaschenen grünen hosen, unterhemd und hosenträgern. zu mir waren sie immer freundlich. meine mutter kannte ludwina, die dicke frau, sie war mit ihr zur schule gegangen. handball konnte sie gut, erzählte mutter, die als spielführerin ihre mannschaft nicht nach mädchenfreundschaften zusammenstellte, sondern nach dem können der spielerinnen.
ludwinas tochter, geistig zurückgeblieben, die im nahen wirtshaus gelegentlich aushalf, hat irgendein gast ein kind gemacht. wahrscheinlich hat er sie an die wand gedrückt und sie wusste garnicht, was ihr geschah, vermutete mutter. wie alt war das mädchen? 13 oder 14 vielleicht. das schweigen der nachbarn. siebziger jahre.

der wachsende wohlstand. die scheunen zu wohnungen umgebaut oder garagen, die gescheckten trottoirs einheitlich asphaltiert. die grundstücke, teilweise noch bis in die achziger mit sickergruben, bekamen kanalisation. 

die hölzernen tore ersetzt durch graue aus schlagmetall. familie p blieb den nachbarn ein dorn im auge. erinnerte an ihre eigene bäuerliche, arbeiter-, handwerkerherkunft. an väter, die mit unterhemd und bier im ungepflasterten hof saßen, in der scheune ein schwein oder die letzte kuh. fliegen. schwalben unterm dach. eine alte hölzerne sitzbank neben der treppe zum haus, die verbeulte milchkanne, ausgetretene sandsteinstufen und ein flammend blühender schlangenkaktus.

ich erinnere mich.