Dienstag, 12. Dezember 2017

ja is denn scho weihnachten??

Kam mir heut so vor.



Mein Briefkasten war soo voll heute!  Hachz, ich bin ganz ganz glücklich!!

Erst mal kam Adventspost, und die zeig ich jetzt mit den in den letzten Tagen eingetrudelten Karten zusammen, eine schöner als die andre!


Ausser der Reihe und wunderschön hat mir Lisa eine Ramilleta geschickt links oben - oh ist die fein. Ich freu mich, sie kommt auch gleich ans Fenster! Vielen vielen Dank!

Rechts davon die silberblauedle Streifenkarte von Franziska (ohne blog) , die es leider völlig nassgeregnet hat, ich musste sie 2 Tage trockenpressen... die Karte ist toll, nur die Schrift ist leider weggeschwommen....
In der Mitte links die Karte von Karin, ein goldener Traum! Daneben eine Violettvariation
von Angelika mit einer lustigen Adventskatze als Absender, hihi.
Unten links sehr zart von Steffi  getreifte Adventsworte und unten rechts noch was herrlich buntes von Ilona.  Ihr wunderbaren Postkünstlerinnen alle: Vielen vielen Dank!!
Ich muss es einfach noch mal sagen, Leute, Ihr macht mich glücklich. Den Briefkasten zu öffnen macht nie so viel Freude und Herzhüpfen wie bei den PostKunstProjekten. Und 24 Tage lang!

Herzhüpfen macht auch dieser kleine freche zweizähnige Kerl von Eva !


Frech wie Dreck, schnell wie die Hamster, und verfressen! Hier liegt alles voll mit Schockikrümeln! Eva, den zu gewinnen war ein Sechser! Ich liebe Deine Monster und dieses hier wird mein Zimmertürmönschterli! Unbedingt!

Und ein Mönschterliweihnachtsbüchlein als Draufgabe - ich bin entzückt!


Danke !!!!
Deine Monster sind unschlagbar.

Ein ganz fantastisches Geschenk schickte mir meine Freundin Petra aus Berlin.

Nepalesisches Origamipapier, handgeschöpft. Loktapapier in überwältigenden Farben, Mustern und überhaupt. Ich weiss garnicht, was ich sagen soll. Ich nehme die Bögen wieder und wieder in die Hand. Wunderschön.










*  *  *

Am Nachmittag hatte ich ausser einem sagenhaften Licht einen kleinen Anflug von Hitchcocks Vögeln.

Die Rabenkrähen scheinen die Baustelle mit Erdaushub und Pfützen zu lieben. Alle Erdhaufen hocken voller schwarzer Kerle, die Krempel sammeln, in den Schnäbeln herumtragen, baden gehn - es ist so irre!
 Badewatz!







morgen

fahren gegen den wind
noch liegen die baustellen im dunkel
stahlsaurier ruhen mit gesenkten köpfen im schlamm
die ramme reckt ihren giraffenhals mit langen öhrchen in den morgenhimmel
graublaues wolkengequirle in fetzen geweht
im südosten quillt blasses gelb aus den rissen
hoch oben
im freigefegt tintigen blau
schaukelt
ein schmaler sichelmond
12. dezember
 
2017

Samstag, 9. Dezember 2017

Plätzchen

Astrid schmeisst eine linkparty zu  Plätzchen Weihnachtsbäckerei. Ich krieg die Motten. Und das mir! Ich hab noch kein einziges Gutsele gebacken dieses Jahr und Stollen auch noch keinen. Noch nicht. Der Teig geht grade. Also kann ich schreiben, lach. 

Plätzchenerinnerungen.
Da gibts einige.
Bei uns hat Oma immer gebacken. Haselnussmakronen mit Nuss oben drin und auf Oblaten, die ich vor dem Essen abpittelte, weil die Makronen ohne besser schmeckten.
Anisplätzchen, die zum Füßchen machen die Nacht über unten im kalten Flur standen.
Buttergebäck, ohne Zuckerperlchen, nur mit Ei gepinselt und mit den geliebten alten Förmchen  Herz, Pilz, Mond, Spatz ausgestochen, die heute alle meine sind und Zuwachs von Flohmärkten und in Adventskalendern bekamen, wir haben so viele Förmchen und stechen so selten aus.


 Was hat sie noch gebacken. Wolfszähne. Kennt die wer? Werden im Zickzackblech gebacken.


Als meine Oma das Backen so nach und nach einstellte hab ich die Backerei übernommen. Da war sie Mitte Achzig. Mein erstes Wolfszahnblech war vom Flohmarkt (wie die meisten meiner Backformen, wenn sie nicht von Oma geerbt sind) später kam Omas dazu, was ein Segen ist, denn die Bleche müssen immer sauber gebürstet werden vor dem neuen Befüllen und da mit zweien zu arbeiten, erleichtert vieles.

Der Teig ist karoeinfach, Butter, Zucker, Eier, Mehl.

Sehr dekorativ, aber der Geschmack ist eher langweilig. Bis ich anfing mit Orangenschale. Und als Orangenzähne sind die Teile der Knaller. Schale von mindestens 2 Bioorangen abreiben, dazu etwas Saft, evtl. 1/2 Zitrone abgerieben auch dazu.


Die Mutter einer Exkollegin backt Mandeltaler, die nach gebrannten Mandeln schmecken. Unsere Favoriten! Die müssen jedes Jahr sein. Genauso wie Vanillekipferl, die ich nicht kipfeln kann und Monde aussteche mit dem Weinprobierglas. Ochsenaugen noch und wenn ich Nerven und Zeit habe, gibt es Rahmgebäck. Auch so ne karoeinfache Sache. Knetteig mit Sauerrahm, Butter, Mehl, Prise Salz, auswellen auf dem Backpapier und den Zucker draufstreuen und festwalzen. Ausrädeln und nach dem Backen in Stücke brechen an den Rädellinien lan.

Die kann man übrigens ganz klasse salzig machen: Mit Käse drübergerieben, Paprikapulver oder wer's mag Kümmel. Ich denke da an eine Variante mit Rosmarin und Schwarzkümmel, hm hm hm. Vielleicht Curry in  den Teig? Äh, ja.

Lebkuchen haben wir manchmal gebacken. Das konnte Mutter gut. Das Gegacker, wenn wir mittags in der Kuche standen und überbrühte Mandeln zwischen den Fingern aus den Schalen flutschten. Die kamen auf die Ecken. Mutter machte große rechteckige Elisenlebkuchen, grundsätzlich ohne Guß.

Stollen backen ist der Beginn meiner Weihnachtsbäckerei. Weil er ruhen muss, zwei Wochen mindestens, in der Scheune (da lagerte Oma ihren immer) in der Garage (da packten wir ihn in der alten Wohnung rein, da standen sowieso nur Fahrräder, Holz, eine halbe alte Küche und die Kürbisse aus dem Garten)  und heute auf dem Balkon. Bis er "moos" wird innen. Durchgezogen ist. Meine Stollen sind handlich.


Großmutter buk Stollen im Dreipfünder-Brot-Format. Mindestens vier Stück. Die dann an Heiligabend verschenkt wurden, in rotes Seidenpapier eingepackt und nachts oder am nächsten Morgen angeschnitten. Als sie es gesundheitlich nicht mehr konnte (die Kneterei ist bei den Teigmengen echt Arbeit!) übernahm ich. Aber meint ihr, ich hätte das Rezept bekommen? "Ach, ich mach das immer so aus der Lameng" - ja danke. Nach ein paar Versuchsjahren hatte ich ein Rezept, das schmeckte wie daheim. P.S. aus der lameng, da grüßt die französische Besatzungszeit, a la main. Aus der Hand - im Sinne von aus dem Handgelenk. Ich hab in Strasburg einen herrlichen Namen für eine Bäckerei gesehen. Die Hände im Mehl.



Zum Stollenbackenvorbereiten gehört ausser dem Versenken von Rosinen und Korinthen in Rum auch das Kleinhacken von Zitronat und Orangeat. Geschmack muss. Brocken nicht.

Ich erinnere Nachmittage mit Oma, Mutter und mir, jede ein Brett vor sich, ein großes Messer und eine Schachtel Orangeat oder Zitronat zum kleinhacken.
Das hab ich auch ausexperimentiert. Mal am Stück gekauft und gerieben (geht gut, aber ich kriege keins mehr am Stück) mal in dem Mixer gesteckt (bappt, geht net) mal mit der Butter in den Mixer gesteckt (bappt und lässt die Butter allein im Kreis fahren, geht auch net) und schließlich: Mit den Mandeln in den Mixer gestopft. Heureka!

Meine Mutter, Vollzeit im Männerberuf, hat zwischen den Jahren bevorzugt geschlafen. Abwechselnd mit Lesen und Essen. Aber an einen Winter mit Plätzchen von ihr erinnere ich mich. Es gab eine große Schüssel Florentiner und eine große Schüssel Bärentatzen (mit Walnüssen, sie schmeckten mir recht herb). Beide Schüsseln auf's Dach vom Garderobenschrank abgestellt (so kam der Hund nicht dran) damit wir nur aus dem Bett hüpfen mussten, 4 Stufen runter, den Arm durchs Treppengeländer strecken und eine Handvoll Plätzchen holen. Und schnell wieder zurück ins Bett.  Das waren herrlich faule Ferien!

Schönen zweiten Advent Euch allen!

Ich hab noch ein paar Kerzen gegossen.




 Treibt's bunt!







Freitag, 8. Dezember 2017

Freitag

Es wundert nicht, wenn die arabische Welt nach dem Friedensgebet Krach schlägt. Der Amerikaner mit dem gelben Haar hat, wie ein Reporter gestern sagte, einen Kanister Benzin in ein ohnehin zündelndes Gebiet geschüttet. Was ihn dazu geritten hat, versteht kein Mensch. Ich bin schlicht fassungslos über sein Verhalten. Das Interview mit Lizzie Doron in der SZ spricht mir aus der Seele.
Ich verweise auf die weisen Worte, die Uri Avnery niederschreibt, aus einem gemeinsamen Manifest, das Uri Avnery und Faisal al-Husseini vor etwa 20 Jahren verfassten: Das Manifest ist überschrieben:

„Unser Jerusalem“. Es begann mit den Worten: „Jerusalem gehört uns, Israelis und Palästinensern, Muslimen, Christen und Juden.“

Weiter: „Unser Jerusalem ist ein Mosaik aller Kulturen, aller Religionen und aller Perioden, die die Stadt bereicherten, vom frühesten Altertum bis zum heutigen Tag: Kanaaniter, Jebusiter und Israeliten, Juden und Hellenen, Römer und Byzantiner, Christen und Muslime, Araber und Mameluken, Osmanen und Briten, Palästinenser und Israelis.
„Unser Jerusalem muss vereinigt bleiben, für alle offen sein und allen seinen Bewohnern gehören, ohne Grenzen und ohne Stacheldraht in seiner Mitte.
Und die praktische Schlussfolgerung: „Unser Jerusalem muss die Hauptstadt der beiden Staaten sein, die nebeneinander, Seite an Seite in diesem Land leben werden – West-Jerusalem, die Hauptstadt des Staates Israel und Ost-Jerusalem, die Hauptstadt von Palästina.“

Was mich ausserdem so wütend macht, ist Deutschlands bodenlose Schwachbrüstigkeit gegen Israels völkerrechtverletzende Politik. 
Zwei Mio Menschen leben im Gazastreifen, der ein riesiges Freiluftgefägnis ist und der allen Prognosen nach spätestens 2020 wegen Versalzung des Wassers nicht mehr bewohnt werden kann. Wo sollen die Palästinenser denn hin? Liebes Israel, sie lösen sich nicht in Luft auf!
Ich wage es kaum, mich Lizzie Dorons Hoffnung auf ein versöhnendes Chanukka anzuschließen, dass es durchs Tr*mps Benzinkanister nicht zu einem neuen Krieg kommt. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt...


*  *  * 

Heut früh hatte der Himmel nach einer stürmischverregneten Nacht ein so schönes gläsernes Blau, so dass ich mit der Kamera im Fahrradkorb losfuhr.

Der Mond schwimmt in der Hofkastanie.





 Platanenallee - Blick nach Osten.
Und hier geblickt nach Westen, das Frühlicht im Rücken.

Ich liebe es, wenn sich die Farben aus dem Dunkel schälen. Die scheckigen Stämme der Platanen. In den Wipfeln der Pappeln im rötlichen Gezweig schimmerts golden. Es ist zwar schon Freitag, aber ich schubs die Bäume noch schnell rüber zu Ghislanas Naturdonnerstag.

Der Himmel hat  S T R E I F E N. Hachz. 

Und in den Pfützen doppeln sich Baustellengetüme und rollen zu den weekendreflections.


* * * 

Die Adventspost ist bereits am achten. Ich hab heute schon die 13 erhalten! Was hier eingetrudelt ist, zeige ich (die 13 noch nicht, klar, ne) - nicht in der Reihenfolge, das krieg ich nicht hin.


Angefangen links oben mit einer voradventlichen herbstlichen Karte von Eli, die mich seit Monaten zur Gelliplate anstiften möchte! Gelungen! ...die Anstiftung, meine ich. Vielen Dank Eli! Ihr Umschlag mit brush lettering ist ja auch der Hammer.  
Grünpinkundsilbersternig kam dann die erste Karte von Stefanie - ohne Blog. 
Darunter eine tolle Streifencollage von Biggi - ohne Blog.

Hier seht ihr oben die Zwei von Alex und darunter die zarten genähten Stöffchen der Hansedeern Marion.Maritim! Da kriegste Meerweh...
 
Der Streifenstern der aus den Streifen lugt kommt von Martina - ohne Blog aus der Schweiz zu Nikolaus. Die leuchtend weihnachtsrotgrüne Streifenkarte ist von Rita - auch ohne Blog.
 

Die genähten Karten schiessen den Vogel ab! Michelle  hat eine wundervolle Karte zusammengestellt! 
Darunter schwelgt - ich kann es leider kaum lesen! - vermutlich Mechthild 
aus Würzburg (??) - ohne Blog - in ihren "langweiligen" Farben, wie sie selber schreibt. Garnicht langweilig!  
Ach Leute, Ihr macht mich jeden Tag glücklich! Briefkasten öffnen, freuen. Es ist einfach so schön! Danke Tabea und Michaela. 

Bei mir sah es gestern so aus: 


Ich hab mal kurz die Papiertonne gefleddert. Später die Pappen zugeschnitten und begonnen zu grundieren. Da ich bei uns die letzte bin, 25.12.! und Tabea und Michaela unserer Perfektionistin Ela vom Papiergemetzel die 24 zugeteilt haben, werde ich mir erlauben, als Letzter in unserer Liste ein wenig aus der Reihe zu tanzen. Trotzdem müssen ja alle bis 20., 21. Dezember in den treuen gelben Kasten.

Wobei, ich geb sie lieber ab. Als ich neulich meine Füschekarten zur Post brachte, brach helles Entzücken hinterm Schalter aus. Die Jungs waren ganz hin:"Darf ich mal gucken? Die machen Sie selber? Guck mal, guck mal Jürgen, haste sowas schon gesehn? Und sie machtse alle selber!" Ich hab so gelacht. 

Freu mich schon auf den Briefkasten morgen.....

Freitag, 1. Dezember 2017

no gelli plate

Eli versucht mich seit Monaten zur Gelliplate anzufixen. Sieht ja schon toll aus....
Als ich im Sommer eine zu gießen versuchte, wurde mir grottig schlecht. Es roch so widerlich!

Heute einen Ersatz ausprobiert: Leichte Schaumstoffbögen in eine Klarsichthülle gepackt, alles aufkleben, Farbe drauf, los gehts.

Der Schreibtisch ist einfach immer zu klein!






 Ghislana hat oft so schöne Spiralen - das muss ich doch auch mal ausprobieren....





und mit dem Glitzer wünsche ich Euch allen einen schönen ersten Advent.

Treibt's bunt!

Mittwoch, 29. November 2017

Flamme Feuer Kokeln

Astrid linkparty hat ein feuriges Novemberthema.

Feuer.
Nun, aufgewachsen bin ich ganz modern im Elternhaus mit Nachtspeicheröfen.
Aber Oma, die zwar mit Öl heizte, hatte fliessend kaltes Wasser, was heisst, wir feuerten den Badofen mit Walnusschalen, Holz und Briketts an und in der Küche stand neben dem Elektroherd auch ein kleiner alter Feuerofen, auf dem warmes Wasser stand und sie auch manchmal etwas kochte.

Feuer fand bei uns im Freien statt. Ein 800 qm Garten mit Bäumen hat viel Holz - das gestapelt und getrocknet wurde und ein paar Mal im Jahr im Garten prasselnd verbrannt.
Trauerweidenreisig in großen Haufen - wusch und hoch schlagen die Flammen. (Ja, wir haben vorher immer Rabatz gemacht, so dass kein Vierbeiner verbrannt ist. Ihr dürft alle wieder aufatmen.)

Das kalte Manko meines Elternhauses war das moderne offene Treppenhaus von Keller bis Obergeschoß mit Glasbausteinen an der Nordwestseite.  Ich sag Euch. Im Winter saukalt.
Sparte jeden Kühlschrank. Meiner Mutter reichte das irgendwann und sie ließ einen Kanonenofen stellen, glücklicherweise lief der Kamin im Flur des Erdgeschosses hoch.

Da lernte ich dann auch noch mal Feuer machen und vor allem einen glosenden Brikett über die Nacht zu bringen und morgens früh anzuheizen. Und ich liebte den Geruch. Birkenholz riecht süß. Der kleine Bollerofen schlug die Nachtspeicherkisten um Längen!

Heute bei uns wird wieder im Garten gefeuert. Jetzt in der Feuertonne. Alles trockne Zeug, besonders das dornige, wird verbrannt. Ich liebe es, mit dem Geruch in Kleidern und Haaren heimzukommen. Am liebsten würde ich dann zwei Tage nicht duschen, lach. Die Kinder haben dadurch gelernt, mit Feuer umzugehen. Sie können anfeuern und aufpassen. Löschen auch.

In der Weihnachtszeit bin ich der Kokler der Familie: Nadelzweige in die Kerzenflamme halten oder im Spülbecken abfackeln, weils einfach soo gut riecht! Orangenschale zwischen den Fingern rollen und die Öle reinspritzen lassen. Grins.

Kerzen sind immer an. Schon allein im Stövchen!
Und unser Weihnachtsbaum hat echteKerzen - da gibt's ja Leute, die kriegen da Schnappatmung, lach.

Zur Zeit habe ich Feuerwerk:






Dienstag, 28. November 2017

Biodiversität

Katala mit ihrem Post über ihre Kartoffelsorten hat mich draufgebracht, dass ich unbedingt ein bisschen die Werbetrommel rühren muss für Pflanzenvielfalt, Nutzpflanzenvermehrung, Biodiversität.
Wo fang ich an. Bei dem Verein, bei dem ich seit x Jahren Mitglied bin, wenn auch weit vom Schuß. Der Verein sitzt in Schiltern, Österreich. Die Arbeit von Arche Noah lernte ich Ende Achziger/Anfang der Neunziger über Artikel der damaligen Mitgründerin Nancy Arrowsmith kennen und als olle Erdbuddeltante war das was soo sinnvolles für mich, dass ich den Verein seitdem unterstütze.
www.arche-noah.at
Arche Noah sitzt zwar in Österreich, hat aber jede Menge Mitglieder und ErhalterInnen auch in Deutschland (und anderswo). Über das Sortenhandbuch können Mitglieder Samen ordern, auch Stecklinge, Jungpflanzen pipapo.  Der Newsletter ist gut, die Weiterbildungsmaßnahmen viele und der Verein unglaublich rührig.
Kulturpflanzen retten + erhalten + vermehren + zugänglich machen + tauschen + über Anbaumethoden sprechen + über Kochrezepte.... das Spektrum ist endlos.

In Deutschland gibt's ein Pendant, den VEN www.nutzpflanzenvielfalt.de.
Auch hier gibt's Saatgutlisten und den Erwerb über die ErhalterInnen, wie bei Arche auch.

Dort gibt es auch lesenswerte wie erschreckende links zum Insektensterben http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/wissen-und-bildung/Gro%C3%9Fes-Insektensterben-als-Problem-der-Landwirtschaft-article3685311.html

oder über die Verantwortlichkeit der westlichen Wirtschaftspolitik (Stichwort Saatgutvorschriften, in denen bäuerliche Selbstvermehrung nicht mehr vorkommt)  am Aussterben lokaler Sorten und am wirtschaftlichen Abhängigmachen sogenannter Drittweltländer von der Trias Saatgut-Pestizid-Dünger.

https://www.fian.de/artikelansicht/2017-07-04-pressemitteilung-kritik-an-g20-satte-menschen-statt-satte-gewinne/

Genau letzteres ist etwas, was mich regelmäßig in Harnischbringt. Länder von der Saatgut-Pestizid-Dünger-Trias abhängig machen heisst Böden auslaugen, regional angepasstes Saatgut innerhalb 2 bis 3 Anbauperioden zum Aussterben bringen, heisst wirtschaftliche Abhängigkeit schaffen und halten,  und wenns so "schön" schiefgeht wie mit dem Maiszünsler in Südamerika ist das Insekt in 3 Anbauperioden angepasst, resistent und die Bauern gucken in die Röhre: Ernte futsch, altes Saatgut futsch, Böden futsch, Gesundheit futsch, Grundwasser versaut, alles futsch. Verarmung, Verschuldung, Hunger. Wer lacht? Monsanto und Konsorten.

Saatgutvermehrung ist eine uralte bäuerliche Technik, die nicht nur weiterhin gepflegt, gelehrt und angewandt werden muss, sondern auch geschützt. Weltweit. Und gelehrt. Denn sie ist wichtig. Nur Pflanzenvielfalt kann Insektenvielfalt halten und der Menschheit langfristig den Arsch retten.
By the way: Jede Menge der bäuerlich vermehrten aber sortenfesten alten Sorten sind nicht im Saatgutarchiv auf Spitzbergen eingelagert.

Unser Saatgutarchiv Tomaten (Chillies, Kürbisse, Zucchini)



Ich weiss, es sieht unprofessionell aus. Aber es funktioniert. Wir streichen Samen auf Papier, lassen es+sie trocknen, beschriften mal mehr mal weniger ausführlich zu Größe, Farbe, Geschmack, Ernte/Reifezeitpunkt, Braunfäuleanfälligkeit, Jahr. Im Februar/März vom Papier pitteln, in die Saatschale legen, angiessen, wächst. Grins.
Die kleinsten Tomätchen lassen wir manchmal einfach als Frucht zusammenrunzeln, wenn man sie im Februar März anschneidet, sind die Samenkörnchen tlw. schon am grünen, ab in die Erde, wachsen sofort los.

Noch 4 Wochen bis Sonnwend, noch 3 Monate bis die ersten Saatkisten  gefüllt werden.
Mal schaun, wenn ich jobtechnisch wieder atmen kann, zieh ich Sprossen 😚