Posts mit dem Label Leben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Leben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 27. November 2025

was würde geschehn

 

Nebelgeniesel, 7. November, 5  Grad, die Wege sind blätterfallgolden, wo sie noch nicht Matsch  sind. Ich berechne jeden Morgen den Bremsweg neu, um  nicht mit dem Rad auf die Schnauze zu fliegen. Die  Rabenkrähen auf  den Mobilfunkantennen quasseln  und kakeln  und fliegen Bäumchen wechsel Dich.  

Die Bettlerin vor dem Supermarkt  hat sich in sich gekauert, buchstäblich zusammengefaltet  auf ihre Tasche  gesetzt. In der Schale vor sich ein paar Münzen. 
Hast Du  ein Dach über dem Kopf, eine Dusche, ein Bett? Dein Haar glänzt gewaschen, Deine Augen sind stumpf. Ich versteh Deine Sprache  nicht, überlasse Dir Münzen.  

Wir treiben   wir treiben

Aufstehn,  Frühstück oder auch nicht, je nach Laune  und Magen, Kaffee, Zigarette oder lieber ein Smoothie? Mein Schwager schmiert Stullen mit Nutella,  um sie im Auto auf dem Weg zur Arbeit zu  mampfen. Ich klappe zwei Scheiben zusammen, brummt er. Nee Papa,  ruft hell seine Tochter. Vier.  Du klappst vier zusammen. Joo, stimmt, es sind vier. Aber Toastbrot zählt nicht. 

Wir  taumeln wir treiben

Hier hat mal Eine von Euch in  einem Text die Frage gestellt:  Bin ich jetzt erwachsen? Fühlt sich so erwachsen  sein an? Und es klang nach: Geht das jetzt immer so weiter?

Eine Freundin hat einen Fehler gemacht. Einen Fehler  aus Trauer und Liebe. Einen Fehler, der  sie nun, 3 Jahre später, 140.000 Euro ans Finanzamt  kosten  soll. Ein Betrag, den  sie  bis an ihr Lebensende  niemals zahlen  wird können.  
und  was jetzt? Privatinsolvenz? Mit Mitte 50?

Ein Bekannter aus  alten Tagen, der mir - zur Freude der Kinder anarchisch und wild - manchmal auf die Kinder aufgepasst hat, ist aus dem Thaddäusheim in eine ObdachlosenWG gezogen.  Glück gehabt, denke  ich, besser als Parkbank. Eine insolvenzbedrohte Freundin nimmt ihm maßlos übel,  dass er nicht weiterkämpft für eine eigene Wohnung, für einen Job. 

Wie nah  wir dem Absturz  sind, wie  wenig  uns trennt vor dem  Ende. Dem Ende der eig'nen  Beziehung, dem Ende des Mietvertrags, des Jobs, des Vertrauens, dem Gesundsein, dem Ende der Liebe des Lebens. 

Wir treiben    wir taumeln

Dieser Sommer hat es gut gemeint mit uns dieses Jahr, mit dieser Stadt, nur wenige Tropennächte, kein Erdrutsch in Finthen, keine Überflutung am Rhein,  kein tagelang endloser Regen. Und wir vergessen. Richten uns  ein.  Und vergessen die Anderen, die  es tagtäglich trifft, die  uns stündlich, minütlich in unsere strahlenden Rechtecke gespült werden, vergessen, dass sie echt sind, ihr Leben auf der  Kippe steht, hungrig, zerbombt oder weggespült, amputiert, heimatlos, Ernte zerstört wisch L'Oreal beutet Brasiliens Carnaubawachsbauern aus wisch eine Katze reitet auf einer Schildkröte wisch die nicht-to-do-liste für  den Monat November im  Garten wisch Sudan oder Gaza zerbombte zerstörte Städte von oben wisch  New  York  hat den ersten muslimischen Bügermeister wisch Fritze  Merz  passt  nicht in mein  Stadtbild wisch sieben Meerschweinchen auf einer Rutschbahn

Wir  trudeln wir treiben

tun alle Tage das  Gleiche, dazwischen ein Fest, ein  Besuch, noch ein Urlaub, kleinere Katastrophen, aber Hey, alles geht vorbei, Die Zeit heilt alle  Wunden, Es ist ja nur  Geld, Meine Frau wird befördert, der Kleine ist besser geworden in Mathe,  der Kollege noch immer ein egoistischer Arsch

wir trudeln wir treiben

Wird uns schon nicht treffen, Augen zu und durch, Wird schon nicht so schlimm, Warmzeiten hat es schon immer gegeben, Der E SUV wird erst im Januar geliefert, wir  bauen uns jetzt eine Wärmepumpe ein  und ihr?

Wir haben eine Mieterhöhung bekommen und mit der Rente, dem Job und ohne den Zuschuss  der Schwiegermutter können wir sie nicht mehr zahlen. Meine  Schwester hat Krebs und ein Freund liegt im  Sterben. 
 
Die Bettlerin  vor dem Supermarkt  hat  sich in  sich gekauert, buchstäblich zusammengefaltet  auf ihre Tasche  gesetzt. In der Schale vor sich ein paar Münzen. 
Hast Du  ein Dach über dem Kopf, eine Dusche, ein Bett? Dein Haar glänzt gewaschen, Deine Augen sind stumpf. Ich versteh Deine Sprache  nicht.
Was würde geschehn, wenn  ich sage,  komm, lass  uns essen, ich lade dich ein, Suppe, geröstetes  Brot, etwas Warmes im Bauch, ums Teeglas die Hände. 

Wir erzähl'n uns Geschichten. Sie müssen nicht wahr sein. 

7.-9.11.2025
 
Gelesen beim Open Stage Altstadtgeflüster im November. 
 
copyright  definitiv und einzig  bei mir! 
 
 
 

Sonntag, 16. April 2023

meine freundin geht auf ihre letzte reise

ich sehe zwei krähen auffliegen

sie landen nebeneinander wippend auf dem zaun, sehen sich an, eine streicht ab.

 

ich sehe das sonnenlicht gleissend auf dem rhein

und den himmel fast weiss. 


ich sehe blühende veilchen, ein büschel,

gewachsen auf angewehtem humus in einem baumknubbelknie

in einem langweiligen vorgarten unseres viertels.


ich sehe ein dünnes reis feuerdorn mit ein zwei drei blättern

gepflanzt in eine heckenlücke am wegrand in der josefstraße.


es ist der 14. april 2023. ich sehe, was du nie wieder sehen wirst, an, als sei es neu. 

ich erzähle dir meinen weg durch unsere straßen in gedanken, während du in deinem krankenbett dem tod entgegentreibst. schlafend. wortlos. beim erwachen verwirrt, bis dein blick fokussiert und zuklappt, weiterschläft. der anderen seite entgegen.

ich danke dir für 23 jahre und 4 monate freundschaft, küchengespräche, spaziergänge, juristisch-politische diskussionen, rückendeckung, unterstützung und hilfe, lachende zupackende frauensolidarität, ehrliche fragen und kommentare, und all die jahre deiner liebe zu meinen kindern.

ich danke dir für dich, liebste freundin

immer für dich

Sabine

danke

 

gute reise

Freitag, 3. März 2023

bäh. und ein paar links.

 hinter der fensterscheibe ist die sonne schön warm. in lichtflecken stehen. augen zu.

würde am liebsten das bett in die sonne zerren. geht nicht. falsche wohnungsseite....

immer noch kränklich, nachdem die grippe mich zwei drei tage komplett ausgeknockt hat. gestern war mir wieder nach ohren wackeln, staubsauern, kochen, wäsche machen... bin dann natürlich zu lange auf geblieben, verfroren ins bett und stunden nicht warm geworden. kein guter nachtschlaf. heute morgen eine arg verzauste verpeilte eule im spiegel. bäh. friere. 

 im iran werden mädchen vergiftet, mit essen, mit giftigem gas, daniela sepheri und gilda sahebi berichten, folgen sie ihnen auf ig, auf den podcasts, hören sie zu, machen sie es publik, nichts hasst das regime mehr, als die internationale aufmerksamkeit, sagen die beiden.  

ausserdem: die zweite folge von trauer und turnschuh ist raus, danke an hadija haruna-oelker und max czollek, es ist wichtig und großartig und denk- und lernstoff. ich höre sie beide gerne öffentlich denken. 

fridays for future läuft heute auch bei uns, 15.00 uhr, gutenbergplatz. ich bin zu krank. gehen sie mit, schlagen krach. es geht um unser aller zukunft.  gemeinwohlorientiertsein beisst sich mit stur kapitalistischem immer-weiter-wachsen. unser wachstum geht schon seit jahrhunderten zu lasten des sogenannten globalen südens. aber das pendel schlägt zurück.

passen sie auf sich auf. bleiben sie freundlich. versuchen sie heiter zu sein. nehmen sie wen in den arm. küssen sie ihre lieben. trinken sie tee. tanken sie sonne.

 


Mittwoch, 1. Februar 2023

Ein neues Jahr. Wieder. Ein geheilter Ellbogenknochen. Endlich wieder das Licht.

 Seit dieser Woche arbeite ich wieder im Büro. Die Schlinge ist ab, der Knochen verheilt, jetzt müssen Muskulatur und Sehnen wieder in Gang gebracht werden.

Der Physiotherapeut ist ganz fröhlich "ach schön, Sie haben ja gar keinen Muskulaturverlust! Oh, und die Schulter ist frei! Und keine Anspannung, schön. Da hab ich schon ganz andres gesehen. Da hab ich schon ganz andres gesehen", brummt er, ehe er meine Muskeln und Sehnenansätze malträtiert, dass ich schier losschreie. "Nur Mut!" sagt er. "Machen Sie alles im Haushalt. Der wird wieder. Den kriegen wir wieder grade!" Nur nicht aufstützen, gell. Keine Liegestütze oder so Zeug. Machen Sie Sport?" Als ich verneine, kommt ein "muss ja nicht" 

"Ich fahre Rad und hab 600 qm Garten", sage ich, leise entschuldigend, "das reicht mir." Wir reden über Gärten, das lenkt mich aber kaum von den Schmerzen ab.

Leicht lädiert aber dennoch grinsend gehe ich nach Hause. 

Am Nachmittag setze ich die üblichen zwei Brotteige an, Teig 2 (das Experimentierfeld) diesmal, einem Tip von brotsamkeit folgend, mit (vegetarischem) Schmalz, ich streue noch Majoran und Thymian dazu und gebe die Pötte in den beleuchteten Ofen zum Gehen. Die Küche ist saukalt. 

Endlich möchte ich einen lange aufgeschobenen Brief schreiben. Kaum am Schreibtisch stoße ich die volle Teetasse um, alles schwimmt. 

Ich trockne und wische und lege Papiere zwischen und verziehe mich grummelnd, das Laptop im Schoß, aufs Bett. Pfft. Dann halt kein Brief. Nach der Wutzerei ist die Laune eh angefeuchtet mopsig...

Entdecke über Wieseltier das Blog Unendlichkeitsfiktion und lese mich fest und rückwärts. Hachz. Froi. 

Gegen neun sind die Teige groß genug, in die Formen gekippt zu werden. Der Schmalz-Majoran-Thymianteig riecht umwerfend! 

Jetzt backen drei Kastenformen voll Brot. Es duftet. Ich schreibe. 

Das Wetter ist unentschlossen, 8°, nasswindig seit 2 Tagen, davor war es eklig kalt. Durch die Nähe zum Fluss wird es kaum trocken-kalt, immer ist da eine Feuchte, die in die Kleidung kriecht, Spaziergänge klamm macht, unangenehm.

Heute morgen das Licht! 

Um 7.45 pünktlich läuten die Glocken, gehen die Strassenlaternen aus, leuchten die Fenster in den oberen Stockwerken hell auf, in meinem Rücken ein Sonnenaufgang, den ich nur gespiegelt ahne, es ist hell, hell, hell, mein Herz hüpft, in den kahlen Bäumen die Nester, über mir kakelnd die Krähen, Tauben hocken noch pennend zusammengeplustert in den Baumkronen, wie dicke kleine Scherenschnittfederpuschels gegen das Himmelslicht. 

Unten blühen Schneeglöckchen, Stiefmütterchen auch. Im Bürohof pflücke ich vom Guerillagardeningborretsch zarte weiche Blattohren für den Salat. 

Auf dem Küchenvordach in einer winzigen Kante wächst seit Jahren Schnittlauch (unerrreichbar in 4 m Höhe). Das kleine Fleckchen von einem Balkon herabgefallene Erde mit Samen hat über die Jahre Humus angesammelt, Moos siedelt drumherum, die Pflanze wird umfangreicher und hat den dürren Sommer überlebt, um im Frühherbst noch einmal zu blühen. Jetzt im Januar baumeln die abgestorbenen Halme herunter, das Moos ist regenstrotzgrün und der neue Schnittlauch treibt nach.

 

Die Brote sind durch. Aus den Formen schubsen und  10 min nachrösten. Hmmm.

Nun ins Bett. Gemischte Lektüre: Ovendens Bedrohte Bücher und Atwoods  Das Jahr der Flut. 

Bleiben Sie zuversichtlich. 

Im Iran werden Menschen gefoltert, malträtiert, vergewaltigt, gebrochen, zerstört. 

Wie harmlos, wie privilegiert, wie dankbar, über Brot und das Licht schreiben zu dürfen, ohne ins Gefängnis zu gehen.  

Lesen Sie Gilda Sahebi, Daniela Sepheri, seien Sie Ohr, werden Sie laut. Bleiben Sie aufmerksam.

Frau Leben Freiheit.  

 

Steuern auf Milliardenbesitze, Abschöpfung der Übergewinne,  keine SUVs - weder E noch Verbrenner (weil Monsterautos Ressourcenverschleuderung sind), kein Lebensmittelhandel an der Börse, keine Patente auf Saatgut und die Kohle bleibt drin.

...wenn ich mir was wünschen dürfte....  

 

 

Sonntag, 20. November 2022

Ein paar links zu Iran und anderen Themen

Der Ork am langen Tisch führt weiter Krieg.

In Iran kämpfen die Menschen, Frauen voran, gegen 43 Jahre Unterdrückung der Menschrechte. 

Inhalte teilen auf instagram hilft Inhalte verbreiten; unsere Presse ist grad einfach zu langsam. 

#yoursilencekills #oursilencekills @duzentekkal  @iranpari2022 #iranrevolution

auf dem Laufenden bleiben: https://linktr.ee/dasiranupdate   von Gilda Sahebi&Sahar Eslah

snowflake installieren als tor-zugang für die internetgesperren BürgerInnen in Iran. 

https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/wie-eine-schneeflocke-internetzensur-durchbrechen-kann,TJkckI8

So lautstark der Protest in Iran und so gewaltsam die Versuche seiner Niederschlagung, so lautlos 

verhungern der Süden Sudans und Somalia. Helfen! https://www.welthungerhilfe.de

https://www.aerzte-ohne-grenzen.de 

gute Nacht

Montag, 28. März 2022

Das Leben bleibt anders, weiter geht's trotzdem

Das Leben bleibt weiterhin anstrengend.

Da bombt einer ein Land in Schutt und Asche, trommeln Montag abends die Idioten der Q++denker immer noch gegen Impfpflicht und plärren Diktatur, wo sie doch spätestens jetzt, mit dem Verhalten des Orks am überlangen Tisch erleben können, was Diktatur wirklich ist. Wahrlich, denen ist nicht mehr zu helfen. Soifz. Unser alter Vermieter, stolzer liebenswürdiger Grieche von 85 Lenzen, liegt mit Covid und nun nacherkrankt mit Herzmuskelentzündung im Krankenhaus. Wir hoffen, er kommt wieder raus und wieder auf die Beine. Es ist schrecklich.

In Afghanistan weinen die Mädchen, denen der Schulbesuch trotz Versprechungen dennoch verwehrt wird.  Hungersnot in Madagaskar, Syrien, Sudan, Madagaskar, ich schlage Spenden dorthin vor, Ukraine sollte uns nicht die anderen Katastrophen  und Menschen vergessen lassen.

Der Huddel rund um unser Büro nach dem Tod des Chefs geht weiter, endgültige Entscheidungen stehen noch aus, erst mal Beisetzung, Steuerdompteuse, Verhandlungen. Die Ungewissheiten zehren und die psychosoziale Betreuung einer Person, die mir, sagen wir mal nicht freundschaftlichfamiliär nahesteht, frisst an mir und ich nehme der Situation (nicht der Person!! Gott bewahre!) übel, dass sie mich so beansprucht, wo meine Kraft doch anderswo gebraucht wird, die liebste Freundin mit Hirntumor, meine Familie und überhaupt. 

Aber grade geht es nicht anders. Wir müssen gemeinsam da durch, also helfen, organisieren und trösten, Termine und Koordination und der "ganz normale Job" - der bleibt ja "auch" noch zu tun. 

Um so dankbarer bin ich für Wochenenden, die mich raushalten aus allem, mal drei Tage Siegerland, Spaziergänge an der Nister, mal die Tour durch die Mainwiesen rüber nach Hochheim (im affenkalten Wind, aber barfuß! Hatte eine Wirkung wie Blitzableiter), mal Stunden im Garten, geruhsames Arbeiten, das tröstende nährende Sein meiner Liebsten um mich herum. 

Danke

 


Dienstag, 8. März 2022

beschissener tag

heute möchte ich mich am liebsten hinsetzen und weinen.

hinsetzen und weinen. alles zu viel. zu viel verantwortung. zu viel zu regeln. zu viel furcht, dass es ohnehin nicht klappen wird. nicht klappen kann. zu viel unwägbarkeiten. zu viel.

gestern war ich von dem karrussell in meinem kopf so dulle, dass ich mit dem zug zum omahaus fuhr für einen handwerkertermin und vor der tür den termin absagen musste, ich hatte die schlüssel nicht dabei. 

hirnleere.

(immerhin dann auf dem heimweg beim winzer vorbeigefahren und ein paar flaschen wein für den liebsten mitgenommen. ich bekomme noch eine geschenkt vom winzervater, der an einem großen möbel nagelnd, sägend und schleifend in der scheune steht und auf mein "was ist das?" nur gegenfragt "sind Sie katholisch oder evangelisch?" - nach einer weile erkenne auch ich es, da wird ein alter beichtstuhl zu einem ausschank umgebaut. "mein vater hat immer so verrückte ideen" sagt der sohn. den wein sicher auf dem rad verstaut, rolle ich wieder zum bahnhof und zugwärts heim.)

aber heute. da steht ein berg voller entscheidungen.entscheidungen, entscheidungen, entscheidungen. entscheidungen, die die nächsten tage betreffen: traueranzeige, wer, wie, welcher text, wann. entscheidungen, die die nächsten wochen betreffen: wer übernimmt den laden und regelt es wie. entscheidungen, die die nächesten jahre betreffen: bleiben oder gehen. mitgestalten, mittragen, (auch: mit auf die schnauze fliegen) oder anderswo in geregelten verhältnissen einsteigen, weitaus unaufregender, aber gesicherter, mit weniger verantwortung und weniger schnauzenfallpotential. ich werde noch 7 jahre arbeiten, vielleicht 8, habe ich die lust, die energie, das vertrauen in die anderen, zusammen den laden zu führen, den willen und die kraft, nebenher (haha) die fachliche ausbildung nachzuholen, die mir als quereinsteigerin (mit 18 jahren berufserfahrung) fehlt, entscheidungen, entscheidungen.

und über allem allem allem die nagende zerrende sorge um die liebste freundin mit hirntumoren. 

hinsetzen und weinen. 



Mittwoch, 2. März 2022

krieg und rassismus

Mal wieder ein Krieg. Zu all denen, die ohnehin am Laufen sind.

Die Behandlung von Flüchtenden ist beschissen rassistisch, so werden zB ukrainische Studierende aus Nigeria werden von anderen (weissen) UkrainerInnen mit Gewalt gehindert Züge zu besteigen oder anderweitig das Land zu verlassen. Auch die Medien offenbaren einen tief sitzenden Rassismus

Man könnte schlicht heulen und kotzen gleichzeitig vor Zorn. 

Der Herr K. von Wieseltier hat einen lesenswerten Gastbeitrag verfasst, dem ich nichts hinzufügen möchte, lest selbst. 

Ich wünsche mir mehr Reflektion in dem aufgeregten und aufrüstenden Getöse. 

Und keine Aufrüstung.  Bei dem tiefsitzenden rassistischen postkolonialen Gedankengut, dem Teile der Bundeswehr, des Verfassungsschutzes und der Polizei immer noch frönen, ist eine Aufrüstung eine große Gefahr für hiesige BürgerInnen genauso wie für in Deutschland aufgenommene  Geflüchtete, die nicht in das Weltbild unserer verbeamteten Faschos passen. Danke an Max Czollek für diesen wichtigen Einwand!

 

Mittwoch, 16. Februar 2022

abschied

 

Die letzte Woche war Achterbahn und wird so weitergehn. 7.2. mit meinem Jüngsten spazierengehn und in einem rümpelig mit rostzerfressenen Sprungfederrahmen abgesperrten Grundstück blühen die Schneeglöckchen, dass es einem in den Ohren klingelt. Ich bin dankbar bis zum sentimentalen Herumheulen, dass sich meine Familie um mich kümmert. 

Alles schmeckt nach Verlust. Loslassen. Veränderung, ohne Idee wohin.

Noch wünschten wir uns gegen alle Informationen eine klitzekleine Hoffnung für den Mensch auf der Intensivstation.

 



11.2. Gute Reise. Vor zwei Tagen hast Du aufgegeben. Ich sehe ins Licht und wünsche Dir eine gute Reise auf die andere Seite. Noch bist Du uns allen sehr nah.








 

Danach sind meine Tage voll mit arbeiten, trösten, alles un-mögliche klären, organisieren, trösten, selber abkrachen, vollkommen erlegt nach Hause kommen (Trauerphasen sind scheiss anstrengend), Stullenreste essen, schlafen wie ausgeknockt, wieder aufstehen, kochen, mit Farbe herumpinseln. Nachrichten? Egal. Weltgeschehen? Pfft. War was? Mein Kopf ist voll genug.  

 


Eine liebe Freundin schenkt mit vier Wünsche. Liebe. Mut. Licht. Kraft. Damit spielen. Die drei wundersanften Ölpastellstifte von sennelier, die ich zum Geburtstag bekam, mitspielen lassen.



Morgen ist Verabschiedung. Angesichts des Wetters beschleicht mich leise Angst, ob Strassenbahn, Busse fahren, die Autobahn frei sein wird, ob wir nicht alle davonfliegen...


atempartitur für einen der geht 

(markmaking mit kiefernzweigen, tusche, perylenrot tief, gelb, Wut, Trauer, Fassungslosigkeit und immer wieder dem Unglauben, dass das, was passiert ist, mit unserer hochtechnisierten Medizin passieren konnte)

 

Während ich schreibe, jault sich das Orkanwetter hoch. Orgelt in unseren Altbauritzen. Zieht unter Türen durch, jodelt in WC-Oberlicht, das unschliessbar ist. Klappert. 

Wedelt der Wind alle Zweige so wild, dass alle verfügbaren Bewegungsmelder in den umliegenden Höfen und Hauseingängen auf Dauerflutlichbeleuchtung bleiben.  

Passt auf Euch auf.  Bitte.  Alle.

Sonntag, 6. Februar 2022

Heute ist mein Herz schwer

Dieser Monat, noch nicht mal eine Woche alt, ist an Mist kaum zu überbieten. Es hagelt von allen Seiten Unglück. Zwei Menschen mit Krebs, der eine hängt im Zwischenreich der Bewusstlosigkeit auf der Intensivstation, nachdem es eine Nachblutung und Komplikationen gab. Seine Frau, in Südamerika unterwegs, bekommt keinen Flug aus dem Land, kann nicht an seiner Seite sein. Ein Freund, als Selbständiger und unter Corona in eher prekären Krankenversicherungsverhältnissen, darf eine umfangreiche Kieferoperation wahrscheinlich aus eigener Tasche bezahlen. Seine Frau einen anderen Eingriff am Knie wohl ebenso. Es ist zum Hoilen und Weglaufen. Ob ich meine Arbeitsstelle in ein, zwei Monaten noch haben werde, scheint momentan ebenso ungewiss. Ich habe die ganze Zeit versucht, alles so gut es geht, emotional auf Abstand zu halten, um noch zu funktionieren, aber es ist zunehmend Hals zuschnürend. Der Mensch vom diakonischen Werk, der eine Seniorenberatung bei meinem alten Vater machen sollte, hat festgestellt, garnicht zuständig zu sein und seine Erleichterung darüber war am Telefon so unüberhörbar, dass ich am liebsten geschrieen hätte. Nun geht das Ansprechpartner+Terminsfindekarrussell wieder von vorne los + 1 Tag Urlaub für mich, mit 2 Stunden Anreise und 2 Stunden zurück, es ist halt auf dem Land. 

Und dann das Wetter auch noch. Windig, sabbelig, es schifft. Ich wünsch mir die klare helle Kälte von Schnee. Das wird nix mehr. Der Rheintalgraben ist warm.

Eigentlich mag ich den Februar. Steigendes Licht. Die Amseln plärren am Morgen, was das Zeug hält. Der Himmel malt rosa Streifen im Osten, wenn ich zur Arbeit radle. Irgendwann hab ich Geburtstag, ich bin im steigenden Licht geboren. Ich liebe diesen Monat, in dem alles plötzlich so schnell geht. Der Schnittlauch auf dem Balkon ist schon 2 cm hoch, der Estragon treibt aus, überwinterte Glockenblumen strahlen lilablau, ich gucke die Winterlinge aus dem Boden, die totgeglaubte Hortensie kommt. Nur, dass diesmal alles so schwer fällt. Die Kranken, all die Ungewissheiten, Hoffen und Warten und Beten. 

Erinnerung an den Todestag meiner Mutter vor 9 Jahren. 9 Jahre ohne ihr Lachen, ihre Liebe zu ihren Enkeln, Gespräche über Gott und die Welt, ihre Neugier, keine Rollstuhltour durchs Quartier ohne Stop in der Buchhandlung (wir lassen heute noch alle Bestellungen auf ihren Namen hinterlegen). Sie fehlt.

Heute ist mein Herz schwer.

Samstag, 11. September 2021

wie frau plötzlich zum wiedschodrehen kommt....

Schräger Tag heute.

Wusste, ich hab zu tun, will die 35 Videosequenzen konzentriert durchgucken, notieren, wo Schnitt hinsoll, eine weitere Tonspur für "voice over" einsprechen.

Dann kommt alles anders. Ich bin viel zu früh wach, lese im Bett (Der Weltensammler von Trojanow) und als ich aufstehe, bin ich eigentlich noch schrecklich müde und gähne dauernd. Oh Wunder, der Große ist schon auf, der GöGa kommt dazu, wir frühstücken zusammen, der Kleine steht auf, zweite Kanne Tee, die Familie sitzt selten mit allen Vieren zusammen. Schön.

Ich radle zum Markt, zottle bei unseren Lieblingsständen vorbei und komme heim, die Taschen voll mit wunderbarem Brot, Spätzwetschgen, roten Beten, Suppentomaten, einer sehr dicken sehr runden Aubergine, einem kleinen schokobraunen Paprika, ach ich liebe Marktgänge!

Stehe in der Küche, die Suppentomaten verschaffen und die Kerne sichern, auf Papier streichen, beschriften, Saatgut für 2022. 

Schneide Zucchini in Scheiben, aufs Backblech, untern Grill. Schneide die Monsteraubergine in Scheiben, salzen und abtropfen. Die kommt als nächstes untern Grill. Hacke Knofel. Mariniere die gebratenen Zucchinischeiben mit Knoblauch, Salz, Pfeffer, Olivenöl, Petersilie, fülle die Auberginenscheiben mit Fetacreme, rolle sie auf. 

Der Kleine leiert ein Nähprojekt an, "mache aus 4 Hosen, die alle anders kaputt/zu klein sind, eine Patchworkneue". Also kommt die Nähmaschine ins Wohnzimmer, ich sitze nebenan in meinem Zimmer, doodle coloricombo und assisstiere immer wieder drüben an der Maschine / beim Stecken / beim Unterspule auffüllen usw usf. An konzentriertes Arbeiten an meinem Projekt ist nicht zu denken. Macht ja nix. Ist auch so schön, eine malt, einer näht, einer arbeitet am PC, einer räumt und werkelt - alle Türen offen, man hört einander, schliesslich rafft uns der Hunger von den Tischen, der Große "Mama, was kochen wir?"

So stehen wir beide in der Küche, schnippeln, kochen, er sorgt für Musik (Danke, wenn Du Musik zusammenstellst, tanze ich zwischen den Töpfen!) und Alle sammeln sich zum Futtern. Wieder alle zusammen. Wie selten das geworden ist und wie sehr ich es genieße. Der Große, sonst eher maulfaul wenig mitteilungsfreudig, erzählt. Familienwohlfühlen. Der Nachmittag geht mit offenen Türen weiter. Irgendwann ist die Hose fertig, mein Malschreibbrief fertig, Hummus zum Mitnehmen für den Kleinen geschnurrt, der zu Freunden verschwindet. Die Fledermaus ist im Hof, es wird ziemlich schnell dunkel.

Kann ich jetzt? Ich? Bitte mal? 

Hurray. Eine gute Stunde später oder so ist der erste Durchgang notiert für den Cutter. 

Ich stehe auf, suche etwas, kniee auf der Bettkante, als der Lattenrost von der Kante rutscht und ich zong 10 cm tiefer ratsche und mit dem Schienbein auf den Metallbettrahmen knalle. Ui. Ein Ei. Au. Und blau.

Sch...sch... sch...  Vergiss es. Nix mit Tonspur aufnehmen. Der Tag ist ge.lau.fen. 

Nun sitze ich also auf dem Bett, Eis auf dem Ei, das auf dem Schienbein prangt, höre Bachar Mar- Khalife's Album Ya Balad und erzähle Euch, was es mit den Videosequenzen aus dem ersten Absatz auf sich hat. Fragt nicht. Fast wie die Jungfrau zum Kind. 

Dank der wundervollen Mehrnousch Zaeri-Esfahani, die regelmäßig auf Literaturwettbewerbe aller Art aufmerksam macht, habe ich ein Gedicht bei pride poesie eingereicht - ein Gedicht und eine Filmidee, denn wer in die Auswahl kommt, hat ein Lyrikvideo zu liefern, zwischen 6 und 12 Minuten. 

Ich. Und Video. Pffft. Na gut, ich dachte, reich halt ein, wird eh nix. (Obwohl ich die Filmidee sofort parat hatte, ne) Pfft. Wurde aber. Zusage. Du bist in der Auswahl. Aaaaaaaaaaaa. Und jetzt?

Glücklicherweise vermietet hier ein Verein für kleineres Budget Videokamera und Eqipment. So zottelten mein liebes Kind und ich an dem sehr warmen Samstagmittag vor 1 Woche mit den Rädern auf in die Mainwiesen, weil ich im Krokodil zu drehen gedachte. Kommen an: Unter Wasser. Och nö. Och nö!! Und nun? Dann also die Räder (mit Kamerakoffer und Stativsack, verdammt, schwer) über die Staustufe rüber und an der andern Mainseite einen Platz ausgesucht. Noch ein Schwätzchen mit einem Mann, der mit seinen zwei kleinen Bullies unterwegs war (der eine hat mir das ganze salzige Bein abgeleckt, kicher), dann der Versuch, etwas brauchbares aufzunehmen. Ich sag Euch. Ähhh. Warum ist an einem Samstag nachmittag so viel auf dem Wasser los? Schiffe, Boote, Ruderer, Schiffe, Jetski, LAUT. 

Schliesslich 28 kurze Sequenzen, unter 1 min bis 3 min. Sonntags früh bin ich dann nochmal alleine los, an den Rhein diesmal. 7 weitere Minidrehs. Ulkig, beim Durchgucken stelle ich fest, die Mainaufnahmen waren alle viel kraftvoller, dynamischer, die am Rhein, frühmorgens, sanft stilles Wasser, alles ruhig (aber die Kamerhand sauverwackelt, grr) waren, fast alle jedenfalls, lahm. Von den insgesamt 35 Sequenzen bleiben roundabout 27 brauchbar zum zusammenschneiden. Was ein Fuddelkram! 

Aber, es gibt ja Hilfe! Schnitt macht für die Menschen, die es nicht können, ein Profi in Köln, den der die Ausschreibung veranstaltende Verein irgendwie verpflichtet hat. Find ich ja so was von klasse! Ich stelle also zusammen, sage, was wohin soll, lade es in die Wolke, der lädt es runter, schneidet, schickts wieder in die Wolke, ich gucks mir an, darf sagen, was ich noch geändert haben will. (Stein vom Herz fall, am Anfang hiess es, man müsse zum Schnitt einen Tag nach Köln kommen. Hilfe, dachte ich, ich hab noch nie 'n Wiedscho geschnitten!) 

Tja, da bin ich  mal gespannt, was der Profi aus meinem dilettantischen Gewackel zaubern kann.  

Will noch wer Tee? Oder Mirabell-Heidelbeer-Kuchen? Menno, bin ich müde. Weltensammler, ich komme. 

Treibt's bunt.  

Und der nächste Post wird, versprochen, endlich der Rückblick auf die sagenhaft schöne Sommerpost! Die war so klasse. Schönste Papiere! Es war ein Fest.


Sonntag, 4. Juli 2021

Gartenrundgang

Prinzessin auf der Erbse!
Wir hatten dank einem kühlen und nassen Mai eine Erdbeerschwemme sondersgleichen




Zum Unmut des Vorstandes habe ich ein paar Jahre eine Kiefer gehegt "die muss da raus! Die gehört nicht in einen Kleingarten!" Schade. Ich liebe Kiefern.



Baumtransport nach Hause, links Kiefer im Eimer, rechts die Erde dazu.


Die Madame hatte laut Baumbegutachter einen Blitz abbekommen - muss Jahrzehnte her sein.

Aber sie ist gesund, sagt er. 




 Das waren Fotos vom 26.6.2021 am Abend, die mein Jüngster gemacht hat.

Nun kommen die von heute. 


Des GöGa Wein hat vortrefflich angesetzt!




Das Hochbeet von 2020 wurde durch Winterregen und Frühjahrsregen immer flacher und ist ein niedriges Hügelbeetchen geworden. Die Kürbanten scheinen es zu mögen.


Einmal Augen schliessen für Duft und Gebrumm


Durch die Wiese schrammeln mit dem Brill. 


das klein Bäumchen trägt wie wild. Cox Orange.

braucht wer ein paar Pfund Zitronenmelisse ?


Hmmm, da schmiss ich einfach die 4 Jahre alten restlichen Saaterbsen hin, mit dem Gedanken "davon geht bestimmt eh nix mehr auf" und plötzlich hab ich Erbsen!


Die Feige hat sich schön gemausert und das Schleierkraut wird von den winzigsten 2mm Bienlein angeflogen, von irren Schlupfwespen und grüngoldenen "Scheisshausfliegen" (sagte meine Oma immer dazu) - es riecht wirklich sehr beeindruckend nach heftigen Käsefüßen!


Ein Bohnenkrautkissen




Bohnen Ringelblumen und Bohnenkraut, hinten Erdbeeren, vorne Tomaten.


Mal gespannt, wieviel Sorten Tomaten heuer tragen. Angezogen hab ich etwa 7 Sorten. 

oder mehr? Überraschungstüte...

Tja, der GöGa dachte, es seien Buschbohnen. Aber sie klettern !!!


Borretsch und Mangold im Rennen um das Riesenblatt

Es gibt Kartoffeln!!



Die Kokarde möchte partout nicht im Beet sein


Weiss wer, wie das hier heisst?


Den Zucchini einen neuen Platz im Staudenbeet spendieren. Gefällt. 





Die liebste Madame darf bleiben! Hurra! Der Baumbegutachter hat entschieden, sie hat Bestandsschutz, sie ist gesund und sie lassen einen Klettererer rein, das Totholz rausnehmen. Ab jetzt jährliche Beurteilung. Uff. Steine vom Herzen roll. 


Wer hamm Kürschn! saure Kürschn. Lekka. 


Die Farbe kommt auf dem Foto nicht annähernd so knallig rüber, wie das blüht! 


 

Es grüßt die Nachtköchin. Salzkartoffeln von gestern mit Ei und Milch zerpampseln, gut würzen, auf Hefeteig streichen, rollen, schneiden und Kartoffelpü-Schnecken backen. 

Der Rhabarber-Quark-Kuchen steht aufm Balkon im Schuckefinstern, der schaffts heut nacht nicht mehr aufs Bild. Null Uhr! Schönen Sonntag allerseits!


Mittwoch, 30. Juni 2021

vermischtes

beschließe wieder mehr zu bloggen. 

es entschleunigt.

nachdem ich die letzten zwei, drei tage mich fast komplett rückwärts durch klagefalls blog gelesen habe, seinen links folgend auch rechts und links in buddenbohm (kannte ich schon ) und wald und höhle geguckt, geht mir instagram grad auf den wecker. zu bunt, zu schnell, zu schnell over. verhöre mich in den song rocky trail der kings of convenience. sehr nettes video. grins. dauerschleife.

baue an den eight wishes büchern, die ich am freitag bei rachel hazell gelernt habe (thank's so much!!) versuche eines aus A 3 gefaltet. das papier ist zu schlabbrig.

die maus ist wieder da. wir sehen sie im küchenunterschrank verschwinden, schwipps das schwänzchen winkt noch, dann ist sie weg. hinterm, unterm küchenschrank. die löcher, durch die die heizrohre laufen, sind weit genug, ein fellchen durchzulassen. ich vermutete sie dem geräusch nach im zwieback, trug ihn runter und schüttete ihn aus, um ihn mauslos zu finden und beim wieder in die küche kommen, siehe oben, schwänzchen und weg. 

später springt sie in die zwiebelkiste, bis wir reagieren, ist sie ungesehen hinten wieder raus, die lebendfalle mit käse wird verschmäht. wir achten darauf, die küchentüre verschlossen zu halten, die söhne möchten sie nicht wieder in den zimmern haben. (das letzte mal nachts um halb eins mäusejagd, bis sie sie in einen schuh sprang und in diesem die treppe runter dann auf der strasse rausgeschickt wurde)

die balkontüre bleibt nun offen, in der hoffnung, sie geht dort hinaus und verpisst sich. den zwieback schliesse ich im geschirrschrank ein.

treffe im büro-hausflur k. aus der wohnung obendrüber, die nach der krebserkrankung letztes jahr nun babyfeine kleine kringellöckchen bekommt. es sieht zuckersüß aus. wir quatschen uns zusammen über hausflur und treppen bis in den hof, wo ich das umzugsdesaster des anderen nachbarn beseitige. fünf vollgestopfte müllsäcke liegen vor'm container rum, der eh schon nicht mehr zugeht. es fühlt sich doof an, immer mal wieder diese spießige hausmeisterinnenrolle zu übernehmen, aber wenn die säcke vorm container liegenbleiben, holt die müllabfuhr morgen den container nicht raus, weil sie ihn nicht rausfahren können. mir könnts ja wurscht sein, ich wohne da nicht, aber... (ich bin auch der pingel, der krumm geknautschte kartonagen aus den papiertonnen rausnimmt und ordentlich platzsparend wieder reinfaltet...)

in der stadt komme ich ungeplant an einem lagerverkauf vorbei und verlasse ihn mit einem neuen paar laufschuhen (vorne schön breit, zehenfroide) und gemütlichen sandalen wieder.  selten so schnell schuhe gekauft. zuhause laufe ich abwechselnd in dem einen und dem anderen paar rum.

r. kommt zornmütig heim, kracht den rucksack auf den tisch, brüllt "mein fahrrad ist ein wirtschaftlicher totalschaden!!"   er hatte in der stadt unterwegs immer nervöser ein klackergeräusch gehört, ist schliesslich abgestiegen und aufmerksam um das fahrrad gegangen - rahmenbruch direkt über dem tretlager.  nicht vorzustellen, was in voller fahrt hätte passieren können. schutzengel, sage ich. so ein scheiss, sagen wir beide, die garantie vor einem jahr abgelaufen, ein neues rad in der qualität, uff, das wir teuer.  der fahrradschraubist an der ecke verspricht ihm, nach einem passenden rahmen zu suchen, auf den sich alle anderen teile umschrauben lassen. 

mademoiselle neugierige amsel lässt sich wieder blicken, testet ihren mut aus, handspannenweit neben mir zu landen, das hält sie nur kurz aus, fliegt wieder weg, kommt wieder, zwei mal das gleiche spiel, schliesslich lässt sie sich zwei ellen entfernt entspannt nieder. 

das programmkino öffnet wieder! juchz! mit nomadland.!!den will ich sehen, seit er besprochen ist. buche zwei plätze direkt für die abendvorstellung am ersten tag und bin erstaunt, dass das kino nicht ausverkauft ist.  jetzt noch ein ticket für den pcr-test am nachmittag.

es regnet. das schönste geräusch, schlafen zu gehen. begleitet von hania rani's musik.

Sonntag, 28. Februar 2021

Über die Freude, den eigenen Körper zu mögen

Über das Gefühl, den eigenen Körper zu mögen. 

Wenn sie ihre Hände ansah und bewegte und bei jedem einzelnen Finger dachte, dass er ein Wunderwerk war aus Gelenken und Sehnen und Knöchelchen, das machte, was sie wollte und manchmal besser oder schneller, als sie denken konnte. Automatisch. Wenn sie in dem Automatischen im Kopf die Bremse zog und das Automatische zum Bewussten werden ließ und darüber zu einer ganz großen Dankbarkeit kam. 

Dieser Körper hat mich durch viele Jahre getragen, trägt mich immer noch und funktioniert im Großen und Ganzen erfreulich gut.

Wie sie die Freude am Bewegen wieder entdeckte. Am Hüpfen. Beine schwingen. Hampeln und Hopsen, wie sie es nannte. Mit dem Wochen immer furchtloser, immer achselzuckender, immer weniger verunsichert, wenn die Jungmänner und Jungmädels federnd an ihr vorbeiwippten, joggend, und sie da stand, hospte und hampelte, mit ihren bald sechzig Jahren und deutlichem Übergewicht. Wie ihr die Blicke immer weniger ausmachten und vielleicht sogar weniger wurden, manchmal sogar ein Lächeln, neulich ein scherzhaftes Gespräch mit einer Familie, die vorbeikam, als sie die Beine über die leeren Fahrradständer schwang. Gutes Kickboxtraining meinte der Vater und sie täuschte einen Kick an und sie alberten herum. 

Wie gut es tat, abends beim Umdrehn im Bett Muskelkater zu spüren, okay, die gezerrte Stelle an Schlüsselbein links war weniger lustig, aber die würde auch wieder weggehn. Treppen mit Schwung nehmen zu können, bis oben! Ja, sie war zu schwer und würde das wahrscheinlich kaum geändert bekommen, Diäten konnte sie sowieso in die Tonne treten, aber sich leichter zu fühlen, weil beweglicher, weicher, leichtgängiger, das war es, was es ausmachte. Freude in diese Corona-Herumhock-Trägheit spülte.  Dass sie es zulassen, nein, falsch, genießen konnte, wie sich im Körper ein Gefühl aufstaute, das auf-in-die-Laufschuhe rief oder jetzt-auf-die-Matte, das Gefühl mit Genuß hochkommen ließ, ganz bewusst spürte und zuließ, dass sie sich bewegen wollte.  Nicht dem ich-müsste-etwas-tun gequält nachkommen, halb pflichtbewusst, halb angenervt, sondern dass da ein Wille hochkam, der stärker war als Faulheit, als Bequemlichkeit und faule Ausreden, eine Freude über das, was ging, was erkennbar nach mehreren Wochen besser ging, leichter ging, Spaß machte, Freude am Bewegen, Freude am eigenen Körper. Und leise auch Stolz. Zu dieser Freude, die lange abhanden war, zurückgefunden zu haben. Stolz auf diesen Körper, was der, trotz Alter, Übergewicht, fehlendem Training, fehlender Kondition, noch konnte, und langsam wieder konnte.  Dass sie es geschafft hatte, sozusagen als Nebeneffekt, ohne es als Ziel gehabt zu haben, den hartnäckigen Schmerz in der Aussenleiste des linken Fußes einfach wegzutrainieren. Wieder Kraft in die Muskeln bekam. Stärke.

Vor ein paar Jahren hieß ihr Jahreswort Leichtigkeit, weil die ihr abhandengekommen war, im Denken, Fühlen, Ausdrücken, Schreiben, alles war schwer gewesen, niedergedrückt, langsam, festgefahren, ernst, ohne Witz. Das Jahr war vergangen, ohne dass die Leichtigkeit zurückgekommen war.

Beim Hopsen und Hampeln wurde ihr klar, was diesmal ihr Jahreswort sein würde, nein, war. Schon war. Die ganze Zeit schon. Und sie hatte es nicht gesehen: Beweglichkeit. Sie freute sich darauf. Tanzen. Drehen und Hüpfen. Sich leicht bewegen zu können. Zutrauen in diesen Körper zu fassen. Wie ein Kind. Auf einem Bein. Lachend.

Samstag, 20. Februar 2021

Vermischtes. Hanau. Kochen. Garten.

Am 19. Februar 2020 wurden neun Menschen von einem rassistischen Terroristen in Hanau erschossen. 

Wir trauern um Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velko.

Esra Karakaya führte ein langes Gespräch mit Mohamed Amjahid und Çetin Gültekin, Bruder des ermordeten Gökhan Gültekin: Wie werden die Angehörigen von Staat, Polizei und der Stadt Hanau unterstützt? Wie gehen die Medien mit dem Terroranschlag um? Warum funktioniert der Hanauer Notruf immer noch nicht und wie kann es überhaupt sein, dass der Notausgang der Arena Bar auf Anweisung der Polizei verriegelt wurde? Und wo – THE F*CK – bleiben eigentlich die Aufklärung und die Konsequenzen daraus?! Zitat aus Karakayatalk. Nachzuhören auf Karakayatalk.    Bitte hören, aushalten und teilen.

Mein großer tiefer Dank an Esra für diese Sendung.

Beschämend, traurig, bitter.  Und nein, #HanauwarkeinEinzelfall und #Hanauistüberall. 

Ich bin betroffen, zornig, enttäuscht. Und beschämt. 

Unsere Zivilgesellschaft, WIR Alle müssen zusammenstehen, dass die Rechten, die Islamhasser, die Rassisten, und all die, die sie willentlich und wissentlich unterstützen, in Behörden, bei der Polizei, in Parteien, beim Verfassungsschutz, verdammt noch mal damit nicht durchkommen. Und wir alle müssen uns überall dann an die Nase fassen, wenn wir Vorurteile und Stereotype wiederholen, glauben, ihnen aufsitzen, nicht hinterfragen, nicht halt, stop, nein, so nicht rufen.  

Wie kann es sein, dass Waffenscheine bekannt rechtsextremer rassistischer Personen nicht umgehend entzogen und die Waffen eingezogen werden?

Wie kann es sein, dass im Gegenteil  seit 2020 derart viel Waffenscheine neu ausgestellt worden sind?! Wer zum Teufel noch mal stellt sich da systematisch blind? 

Wie kann es sein, dass der hessische Opferhilfsfond statt für die Opfer rechtsextremer rassistischer Gewalt nun für alle Opfer von Gewalttaten gelten soll und damit die Opferfamilien von Hanau in eine unwürdige Opferkonkurrenz zu Opfern sämtlicher Straftaten zwingt? Quelle

Wie kann es sein, dass es heute 1 Jahr nach Hanau, nach den Aufklärungsdesaster der NSU Morde, nach dem Aufdecken rechtsextremer Seilschaften in Kreisen der Polizei und des Verfassungsschutzes, immer noch keine unabhängige externe Überwachungsstelle für genau diese Behörden und Vorfälle existiert?  

Wie kann es sein, dass Jedermensch in diesem Land weiss, dass wir systemimmanenten Rassismus haben, aber Seehofer mit der Ablehnung einer Studie über Rassismus und Rechtsextremismus bei der Polizei durchkommt?  

Oh mann. man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte. 

*  *  *  *  * 

Das war jetzt keine schlaue Überleitung, wenn ich jetzt auf ein Achtung 180°Schwenk anderes Thema segle.

Der Göttergatte tut den Wunsch nach Grünkernbratlingen kund. Ich grabe die Küche um bis in die dritte Reihe der Vorratsgläser. Der vorhandene Grünkern ist gut 5 Jahre alt und riecht definiert ranzig. Das Grünkernmehl  dito. Der Buchweizen steht dem in Scheusslichkeit nichts nach.  (3 Jahre überm MHD) Oh Mann, ich müsste öfter die dritte Reihe durchchecken, was?! Ärger. Was nun? Hirse ist da. Bisher war ich ja kein großer Hirsefan, das Zeug mag Sohn 1, der sich gerne Hirsebrei kocht. Ich fand Hirse immer, naja, bröselig, trocken, manchmal hart, langweilig. 

Tjaaaa, wenn man den Kram aber entsprechend dopt mit all den Gewürzen, den diese meine Küche bekanntermaßen hergibt, dann werden Hirsefrikadellen saulecker!

Hirse in Brühe aufkochen und quellen lassen. Abkühlen. In eine Schüssel kippen. 1 kleine Zucchini grob raffeln. Dazukippen. 100 g Ziegenkäsefrischkäserollen reinkrümeln. (Im Nachinein sage ich, es hätten 200 g drangekommt.) 1 große Zwiebel und 2 große Knofelzehen feingehackt anschmoren. Dazu. 2 Möhren grob raffeln, anschmoren, dazu. Würzen: Pfeffer, Salz, Majoran, Kräuter der Provence, Muskat, so weit, so normal.

Und jetzt das Doping: Raz el Hanout, Galgant, Chillie, geräuchertes Paprikapulver (obergeil, ich sags Euch) und 2 rohe Eier. 

Im übriggebliebenen Kreppelfett von letztem Sonntag (Kokosöl und Distelöl) anbraten. Achtung, krümelt beim Wenden. Wird mir fast aus der Pfanne gemampft. Sogar von den Familiennasen, die bei Zucchini seeehr hochgezogene Augenbrauen bekommen und lange Zähne. 

Machen wir jetzt öfter, glaube ich. Bis wieder wer Grünkernschrot mitbringt. Der kommt dann aber in die erste Reihe....

*  *  *  *  *  * 

Der Frühling kriegt plötzlich Schluckauf und explodiert, mich brummsummseln die Holzbienen fast über den Haufen, zum Glück sind sie soo laut, dass ich ausweichen kann, die Küchentür steht den halben Tag offen, der Göga rennt ein paar Stunden barfuß und in kurzen Hosen in der Wohnung rum (Spinner), Sohn 2 stellt sich in die Küche und bäckt Nussecken, die Tulpen auf dem Balkon sind schon 4 cm hoch, im Garten hat der Kerbel Schnee und Frost überstanden und steht wie ein grünes Spitzendeckchen im Kompost und die Schneeglöckchen blühen!

Danke an wen auch immer, der die dahin geschleppt, vergraben oder ausgesäät hat. 

Garten ist Wundertüte. Jedes Jahr. Hachz. 

Treibt's bunt.