Samstag, 15. Januar 2022

ich bin

ich bin der himmel mit brennenden streifen in ost,
die neugier einer nassen hundenase auf der spur einer hungrigen ratte,
ein weidenzweig, plötzlich unbeschwert, pendelnd, gelb,
fedriges leben im frost.
ich bin das schillernde gekreisch der möwen, treibend in der mitte des stroms, ein quirliger teppich aus vögeln,
nachtnebel bin ich, nistend im ufergesträuch der insel und ein rostiger kormorannruf,
die kielwelle zweier schwäne, die mit den schatten ankernder schiffe verschmilzt.

ich bin die freude über das licht, immer das licht,
die von meinen geöffneten handflächen in den himmel steigt,

eine stunde vor sonnenaufgang an einem morgen im januar



 

I am the sky with burning stripes in the east,

the curiosity of a wet dog's nose on the trail of a hungry rat,
a willow branch, suddenly abandoned, pendulous, yellow,
feathered life in the frost,
I am the iridescent screech of gulls, drifting in the middle of the stream, 
a swirly carpet of birds.
night mist I am, nesting in the shore bushes of the island and a rusty cormorant call,
the wake of two swans merging with the shadows of anchored ships.

i am the joy of the light, always the light,
rising from my open palms into the sky,

one hour before sunrise on a morning in january.
 
 
 
 eva becker. 15.1.2022

Dienstag, 4. Januar 2022

Regen

Regnerischer Morgen. Unterwegs im Dunkeln mit Schirm und Rucksack. Ein Mosaik aus Geräuschen. Rattat trommelt der Regen auf den Schirm, ob ich unter einer undichten Traufe gehe, plabb plabb , unter Balkonen - Stille - oder den Weg entlang. Dicke Tropfen dopsen mit lauten blobb vom Dachrand. Bäng deng deng deng singt es blechern auf Motorhauben, jedes geparkte Auto klingt ein bisschen anders. Und wenn sie fahren das Swuusch unter den Reifen, ein langes Zschschsch oder ein stürmisches Wosch - Mist, jetzt hat mich einer mit Pfützenwasser vollgespritzt. In den Kanalschächten strömt es, rauscht, mal tief, mal heller, je nach Durchmesser. Schliesse ich die Augen, klingt es wie kurvenreiche Bäche. In den Pfützen schlagen die Tropfen Blasen, haben Wasserhütchen, springen. Gluckernd und glucksend in holpernden Schlucken kommt der Regen die Fallrohre runter und hängt in hellen Fäden unter den Laternen.