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Donnerstag, 27. November 2025
was würde geschehn
Dienstag, 9. September 2025
riechen
am abend verkohlt uns eine kamikazemotte auf der herdplatte. es raucht. der mann flaxt "brennende motte im abendrot" und schnipst sie beiseite.
ich deklamiere feierlich "brennende motte im abendrot. ein gemälde aus dem nachlass von karl emanuel hotzenbümpf. karl emanuel hotzenbümpf ist der wohl bekannteste vertreter der 'niedersächsischen moderne' aus dem jahren 1972-73. einem malzirkel, zu dessen engstem kreis auch liselotte loh und josef weintraub gehörten.
die drei bildeten für wenige stürmische monate die später so genannte 'brennende künstlerkolonie schafhauser hüttchen' bei folstenhausen (vor der eingemeindung). an einem herbstabend bei einem komplett bekifften gruppentreffen eskalierte ein streit um eine tube chromweiss derart, dass dank des gebrauchs von joints und terpentin alle künstlerhütten komplett abgebrannt sind. karl emanuel hotzenbümpf malte in erinnerung an jenen denkwürdigen septemberabend das hier vorgestellte gemälde, weil er, wie er oft wiederholt hat, im bekifften kopf die umhersegelnden ascheflocken hunderter skizzenblätter für brennende motten hielt und singend darunter herumtanzte, bis ihn die ortsfeuerwehr folstenhausen einfangen und mit einer hochgradigen rauchvergiftung ins kreiskrankenhaus einliefern konnte.
ursprünglich war das gemälde als geschenk für die notaufnahme des kreiskrankenhauses gedacht, die es aber als zu makaber ablehnte. "
"boah stinkt das!" ningelt der mann dem ascheflöckchen hinterher.
fußnote: liselotte loh wandte sich in ihren späteren jahren dem kunsthandwerk mit lötkolben brandverzierter holzbrettchen zu. josef weintraub wanderte in den achtziger jahren nach nordfinnland aus und malt seitdem nur noch in weisstönen.
Montag, 8. September 2025
hören
regen.
vorher der wind, der ihn ankündigt. in den ritzen der klotür orgel spielt. türen knallt. die bäume schüttelt und mir in der küche vom balkon her blättchen wilden weins hereinweht.
dann einzelne tropfen, schnell ein rauschen. döng macht ein einzelner tropfen, der vom oberen balkongeländer auf die rostige konservendose platscht, die auf einem stöckchen , seit jahren tauben abwehrend in meinem blumenkasten steckt. döng.
wenn die wilde grüne wand aus wein im sommer verblüht - das wispernde geräusch mit dem hunderte blütenblättchen herabrieseln.
abends am fluss. zärtlich titschernde kleine wellen, kies, muscheln und sand vor sich her und wieder zurück schiebend. das unablässige pitschern und tropfen fingergroßer silbriger fischlein, die mückchen fangend aus dem wasser schnellen, in endlosen wasserkreisen wieder zurückfallen. ein glitzernder tanz in der dämmerung.
gänse und enten sammeln sich an den schlafplätzen, putzen sich, gefieder wird gefettet und raschelnd zurechtgerückt.
am morgen und abend die krähen in ihren schlafbäumen. quacksendes kwietschendes schnurrendes kakelndes vogelpalaver.
in der pappel im garten sammeln sich am abend stare. du siehst sie nicht. nur wenn einer mit seiner charakteristischen flügelform vor dem himmel flattert. vögel in allen zweigen. 15, 20 minuten lang ist der gesamte baum erfüllt von ihrem geplauder.
abgelöst werden sie von den halsbandsittichen, die, grüne kreischende geschwader, durch die gärten fliegen.
wer aussser mir hört das sirrende rauschen in meinem kopf?
vergessen sonnntag hochzuladen.
Samstag, 6. September 2025
spüren
tanzen in einem raum mit schwingboden
hinlegen und spüren - musik und das beben des bodens je nach bewegung meiner mittänzer:innen unter und in mir
anlehnen an die wärme einer sandsteinwand. am liebsten würde ich hineinsinken, meine haut in den körperwarmen stein einschmelzen einfließen lassen und darin verschwinden.
mein gesicht mit geschlossenen augen in den nebel des gartenschlauchs halten
im hof meines sohnes ein moosnest. insekten wohnen darin, unter meiner hand vibriert es ganz leise.
meine hände auf die rauhe duftende harzige rinde von kiefern pressen, bis sich rindenmuster und klebriges harz in meinen handflächen abzeichnen. skin of non human people.
bei den sandbänken in fluß waten. immer wieder wird der rhein unterschätzt, die strömung ist stark und reisst auch geübte schwimmende fort. kreist in der nacht der hubschrauber über dem fluß, wissen wir, da hat wieder jemand besoffen zu baden versucht. diesen sommer sprang sogar ein mann von der theodor-heuss-brücke. KEIN selbstmordversuch.
an glühenden tagen, wenn der fluss niedrig steht, reichen die sandbänke hinter laubenheim bis weit über die mitte des stroms. der schiffsverkehr findet drüben statt, auf der hessischen seite.
durchs wasser gehen, von sandbank zu sandbank. um die knöchel der rhein. erst kühl, dann wieder körperwarm, kühler, plätscherig niedrig, bis zu den stellen, wo er mir an die hüften geht, ich in die hocke gehe und nass wieder hochkomme. im sonnenlicht stehen bleibe, abkühlend. schaue den vögeln zu, die sich auf anderen sandbänken sammeln. der sog, der an den beinen schubst, mit dem das wasser mich hebt, sobald ich es zulasse. vorsichtig. treiben lassen bis ans andere ende der sandbank. sehe den kindern zu, die, mutiger als ich, an tieferen stellen schwimmen und tauchen. kommt ein frachter vorbei, schaukeln wir genüßlich in und mit den rollenden kielwellen.
setze ich die brille ab, ist es fast wie am meer.
spüren. spuren.
was ich spüre, berühre, anfasse, betaste, wiege, hebe, befühle, mich verletze, verbrenne, verbrühe, streichle, zwischen den fingern zerreibe, kose, ribbele, kratze, kraule und raufe. wie ich spüre gräbt tracks in meine nervenbahnen, vertieft sie oder bildet ganz neue. lernt alte verlernen. zieht spuren im nervenendengewitter. die einen verglühen ganz schnell, andere leuchten.
mir gefällt die vorstellung, dass was ich mit den dem aussen zugewandten teilen und flächen des körpers haptisch erfahre im hirn leuchtende funkelnde knisternde aufglühende spuren und wege zieht.
Freitag, 5. September 2025
auge
auge
schnell schnell gucken lesen zappen scrollen
schnell schnell
schalt mal runter
sieh
den klecks glitzerkleber auf asphalt, der grünblau schillernd den boden zum leuchten bringt
einen pinsel, verloren gegangen, hey, der ist schön - ich laufe den rest des abends mit einem pinsel im haarknoten herum
morgens auf dem weg am fluß sonnenlicht in silbersprenkeln auf dem wasser
weisse federschiffchen, möwen, schaukeln mit der strömung
ein kormoran taucht ab
die schwäne, die an der marina ihr revier haben, dümpeln wie dicke federkissen
ein angler
meine unbekannte bekannte radfahrerin, der ich fast allmorgendlich begegne, wir fahren in entgegengesetzte richtungen, sieht mich drehend und dehnend unter der trauerweide stehen und hebt grüßend die hand
eine junge frau trägt rosa kopfhörer mit katzenöhrchen
an einem andern tag eine schülerin im bus, rosa cropsweat, rosa joggbermudas, rosa socken, eine grasgrüne kniebandage und die löckchen über der stirn in zwei akkurate kringel gedreht, anmutig wie eine flamencotänzerin
abends im sand auf der lichtung stehen, in der zeit, die das licht braucht, bäume, wiesen und wege von grün und braun und gelb in scherenschnitte vor flammendem westhimmel zu verwandeln, drüben ein halber mond und die fledermäuse sausen zick zack jagend um uns her.
augen schliessen und auf den regen lauschen
Donnerstag, 4. September 2025
30dayproject 30 Tage Projekt . Sinne. Gleichgewicht
Sinne
sinnlich
senses
sensual
sensitiv
ich möchte wieder schreiben und ich möchte eine kontinuität entwickeln (die ich gelegentlich in meinen tagebüchern habe, aber auch da gibt es brüche und pausen) und ich möchte konsistent bleiben.
wie wäre es mit den sinnen. schreibe entwickle denke nach über sinne. wahrnehmung. fühlen. riechen. schmecken. hören.
gleichgewicht.
gestern ein termin mit sohn und architekt im alten häuschen, das ein kondensfeuchteproblem hat, im winter schimmel bekam an zwei aussenwänden und seltsames mycel unter der plane, die den fußbodenbelag vom asphaltestrich trennt. wir haben diverses besprochen und ein paar szenarien, wie man am besten weiter vorgeht, entworfen.
später fragte ich herrn b ob er uns bei der regenrinne bzw dem überlaufenden fallrohr helfen könne. wir standen draussen, er löste schrauben, r. stieg aufs kellerdach, löste die anderen schellen.
ich stand unten und sah senkrecht am giebel hoch, auf dem die sonne stand. leuchtender putz. blendend hell. darüber ein herbstblauer himmel - septemberblau - mit ein paar frisseligen verwehenden weissen wolken in fetzen. ich spürte, wie mich die bewegung der wolken, die leise hinter dem giebel verschwanden, narrte. zu narren begann. gleichgewichtssinn. verwirrt durch den anblick von verschwindenden wolken hinter einem statischen gebilde und das gebilde beginnt zu wandern. zu ziehen. das haus zieht. nicht die wolken. es schiebt sich hin zu mir. ich biege mich weg. möchte nicht fallen.
ich denke an christof ransmayrs buch der fliegende berg, in dem er erzählt, wie die einheimischen die berge betrachten, die hinter wolken verborgen sind und gelegentlich auf und wieder abtauchen. fliegende sind. fliegende berge, die sich vielleicht entscheiden auf einem rücken der erde platz zu nehmen und sichtbar zu werden. wenn sie nicht sichtbar sind, weg sind, sind sie fort geflogen.
ich denke ich werde öfter auf dieses buch zurückkommen. zu vieles darin hat mich tief berührt.
diese verwirrnis jedoch, gestern nachmittag, einen moment lang, ehe ich den kopf abwandte und den nacken ausschüttelte, um dieses seltsame nein nicht bedrohliche aber sinnverwirrende gefühl loszuwerden abzuschütteln, den blick wieder an festem auszurichten, boden, pflastersteine im löwenzahn, das fallrohr in meiner hand, mich erde.
am nächsten morgen fahre ich bus. was ich selten tue, aber mein rad steht noch am bahnhof, ich muss es holen um damit zur arbeit zu fahren. wenn der bus über die kopfsteinpflaster hoppelt, rumpelt es. ich spüre es in meiner wirbelsäule, meinem magen und in meiner blase. denke an den fliegenden berg und dass ich anfangen muss.
schreiben.
aufmerksam bleiben.
Sonntag, 22. September 2024
Die Vögel und immer wieder die Vögel
Während ich schreibe, blechtippeln gegenüber die Tauben im Sonnenlicht auf dem Rand der höchsten Regenrinne.
Ausflug nach Neuwied, die Heimat des Mannes besuchen. Wir gehen lange am Ufer entlang, bis zur Wiedmündung und über schattenfeuchte Wiesen zurück. Am Ufer eine kleine Herde Enten, ein, zwei Nilgänse dabei und eine Kanadagans in der Mauser, der ein paar fleddrige Flügelfedern bizarr aus dem Gefieder herausstehen.
Im Zug fahren wir in einen sinkenden Abend. Herrlicher Himmel. Das Samtrot des Sonnennuntergangs streift noch feuriges Gelb, das sich nach oben über orange-apricot-mintgrün zu türkis und petrol in der sich verdunkelnden Kuppel verwandelt. Im brennenden Orange zieht ein großer flacher Keil Zugvögel.
Neulich am Morgen betrete ich den Hof, als vor mir ein Wanderfalke abhebt. Er hat eine Taube in den Krallen, hält den Schwanz schwer navigierend hart nach unten. Ich sehe jeden Tüpfel jedes Muster auf den schönen Federn. Mit seiner Beute saß er auf einem Stapel auf dem Tisch liegenden Kissen und ich störte sein Frühstück. Nun muss er den kurzen Weg über Hof und Hintergärtchen mit der Taube schaffen, genug Flughöhe zu gewinnen. Ich bin betört. Einer der Falken der nahegelegenen Kirche vermutlich. Sie nisten seit Jahren dort, der Küster passt auf. Auf den Kissen ein paar gerupfte Federn und Flecke frischen Blutes.
Morgens auf dem Radelweg am Fluss entlang Flugverkehr über mir. Von Osten fliegt ein kreischender Trupp Halsbandsittiche Richtung Stadt, in die andere Richtung wenige Meter tiefer zwei Rabenkrähen, weniger gesprächig. Krk. Im Wasser Kormorane auf Jagd, Schwäne schaukeln herum. Auf den Ufertreppen dösen Tauben in der Sonne, dazwischen die eine oder andre schmal aufgerichtet aufmerksame Jungmöwe mit schwarzen Beinen und Käppchen, bereit, jederzeit aufzufliegen. Oben segeln die großen Geschwister über dem Fluß.
Nachmittags fallen auf die unkrautbewachsenen Schultern der Erdhaufen Distelfinken ein, Säämchen sammelnd und knuspernd, Sperlinge auch. Über den Weg knickst eine Bachstelze.
Vor ein paar Wochen kobolzt die letzte Brut Blaumeisen durch den Hof. Fünf Winzlinge purzeln durch die Heckenrose, die sich über zwei Höfe spannt, sammeln sich auf meinem Blumentisch, schaukeln an Pflanzen und Stöckchen. Jeden Nachmittag tropfen sie wie bunte Federbällchen in das wilde Rosengeheck, turnen, piepen, klettern, fliegen tiefer bis in die Pflanzen, den Tisch und zum Vogelbad. Eines beginnt mit Trinken und Plätschern, das Zweite hüpft mit herein, ein Drittes bleibt zweifelnd auf dem Rand sitzen, trinkt nur. Vier und Fünf hampeln lieber durch die Blumentöpfe, landen schwerelos elegant seitwärts an Stöckchen und Stangen. Ich liebe dieses Gekasper und Gewusel! Ein herrlicher wildgewordener Meisenkindergarten!
Vor und nach Sonnenuntergang das Gekakel, Lärmen und Schwatzen der Krähen. Sie gurren, grunzen, krächzen, quietschen, schnattern, fiepen, grollen. Ich stelle mir vor sie erzählen den Tag, sortieren Schlafplätze und diskutieren die Zugrouten. Am Morgen wache ich mit einem Lächeln von ihrem Gequassel auf und sehe ihnen am Abend zu, wie sie in großen Trupps durch den weit über uns noch abendhellen Himmel zu ihren Schlafbäumen fliegen. Unten bei uns sind die Bäume schon scherenschnittschwarz und die Fledermaus jagt.
Zwischen Wachen und Schlaf begegnet mir ein alter Kindertraum. Ich gehe die Straße entlang und gleite mühelos in die Luft. Die Beine nach hinten, Arme am Köper liege ich waagrecht und fliege meinen Weg. Nicht sonderlich hoch, aber eben nicht mehr dem Boden verhaftet. Auch in geschlossenen Räumen. Der Spaß unter der Decke zu kreisen und nicht gesehen zu werden. Denn wer hebt schon den Kopf? Im Michwiederhineinträumen das vergessene kribbelnde Gefühl in Füßen und Bauch. Ich kann fliegen!
Und ihr?
Freitag, 29. März 2024
Harte Zeiten
Die Stadt ist voll gehängt mit Werbeplakaten für eine Großspinnenausstellung.
Harte Zeiten für Arachnophobiker. Auffahrunfälle an Ampelkreuzungen oder mit geschlossenen Augen in der Fußgängerzone Roller fahren.
Nachts schwarze Farbe und Kabelbinderkneifzangenmassaker.
Das geplante Opferfeuer hinter dem Ende der Straßenbahngleise fällt aus.
Niemand will die Plakate so nah am Körper hintragen. Wer weiss, ob sie nicht -
Am nächsten Tag fahren wir Riesenrad.
Sonntag, 19. Juni 2022
gelb und die götter des fastfood. work in progress
Serviettengirlanden und leere Pappschalen säumen den Weg zum Altar. Ich ziele Kleingeld in einen hingehaltenen Becher. Ob ich den richtigen getroffen habe?
Die Neonröhren blinken hektisch und gehen aus. Erst im Dunkeln wage ich mich auf die Straße. Stoßstange über Stoßstange tanze ich zur anderen Seite, die duftende Tüte an die Brust gepresst, meine weit ausgebreiteten Nasenflügel halten den Schädelballon senkrecht. Ich sabbere.
| 19.6.22 | nicht nur, aber auch, für Marina | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Donnerstag, 5. Mai 2022
dreckwegtag
ivo zögerte. er war grün im gesicht, der gestank der in der sonne weich gewordenen hundekackbeutel setzte ihm zu, das flussufer war voll davon. hundekot in roten grünen und schwarzen beutelchen, dazwischen scherben, leere flaschen, plastikbecher, verpackungen aller art in allen stadien der zersetzung. kotze.
sie hatten sich freíwillig gemeldet für die reinigung dieses flussabschnittes. nachbarschaftsarbeit. ivo hatte gedacht, er könnte ein paar andere jugendliche kennenlernen. er war neu hier. zugezogen. in seiner heimatstadt war er in einen grünen ortsgruppe gewesen und sie hatte beete angelegt, infostände in der stadt gehabt, demos veranstaltet, den leuten etwas zu ökologie, energiesparen und lebensmittelverschwendung erzählt. und nun das hier. müll wegmachen.
"jetzt komm", maulte georg, "die andern sind schon viel weiter, was stehst du herum und träumst?" "der gestank." ivo würgte und nahm die maske ab, was eigentlich blödsinn war, denn dadurch überfiel der grauenhafte geruch ungefiltert seine nase. "boah nee, ich kotze gleich!" fluchte er.
"ähh, da, schau mal", sage georg und jetzt war klar, was so fürchterlich roch. eine tote ratte, blutüberströmt und aufgebläht, lag halb im wasser. der fluss war braun wie tee und leckte an ihren beinen, der schwanz pendelte mit den wellen hin und her. die leiche stank überwältigend.
Samstag, 23. April 2022
bucha
mein freund j hat bilder und berichte geschickt aus bucha
meine erste raktion war ich erstarre und die zweite ich kotze
......................
ich sehe folter vergewaltigung sadismus und mord
was hat euch zu solchen monstern gemacht?
euch tiere zu nennen wäre eine beleidigung, selbst für den skorpion
mit was hat man eure herzen und hirne vergiftet
ihr seid guantanamo
drohnenbomben auf afghanische kinder
die schlächter von srebrenica und babyn jar
die scharfschützen, die auf die kniee fünfjähriger zielen
die mörder von schwangeren, die das ungeborene aus ihrem zerfetzten bauch zerren
und werfen wie einen ball
ihr seid
vergiftet
vergiftet
vergiftet
ihr seid die fratze des todes, der, weil menschengemacht,
nicht aufhören kann mit dem morden
ihr habt keine ruhe
bis nicht alles leben zerstört ist
die menschlichkeit kennt euch nicht mehr
ihr spuckt auf die leichen
taucht die finger in ihre wunden und malt euch siegeszeichen auf
lacht, mordet, vergewaltigt und foltert
und lacht
hört nicht auf
hört nicht auf
hört nicht auf
bis ihr, gesichter voran, im eigenen blut liegt
und verreckt.
23.4.2022
Dienstag, 29. Juni 2021
regen am nachmittag
es hat etwas zutiefst befriedigendes und beruhigendes, als am nachmittag endlich der regen einsetzt, auf den ich nachts gewartet hatte, wach im zweistundentakt, schwitzig, grummelig und morgens erwachte, zerschlagen.
als es am nachmittag endlich losgeht, erst feines nieseln, dann nebelartige regenvorhänge, die in den pfützen regenhütchen springen blassen und blasen schlagen, an- und abschwellendes getrommel auf dem nachbarhofdach aus blech, ist es so dunkel, das ich die winzigtüpfelige led-weihnachtsbeleuchtung anschalte, die sanftgelb vor sich hin leuchtet. ich lege mich aufs bett und schlafe ein. regengewiegt.
Dienstag, 16. Februar 2021
Strohrum und Stützfrikadellen
Herr Buddenbohm hat mich mit dem Weckwort Rummeroma und seiner Stützschokolade schlagartig ins Erinnern katapultiert. Rumaroma. Gab's bei uns nie. Aber Strohrum, den Oma jeden Sommer von ihrem südtiroler Wanderurlaub mitbrachte. Sie starb 2003. Eine Flasche von dem Zeug haben wir noch. Strohrum. 80%. Pure Chemie mit Zuckerkulör. Bah.
Kam in Kirschenmichel oder Apfelmichel, Rosinen und Korinthen für den Weihnachtsstollen wurden darin eingelegt, ein Schluck in alle Kuchenteige, weil "der hilft aufgehen". Im Winter Tee mit Rum. Die Erinnerung an den Geruch reicht und ich stehe in der niedrigen Küche, gestrichen in helltürkis, am großen Tisch mit seiner Wachstuchdecke, in die ich an langweiligen mach-deine-Hausaufgaben-Nachmittagen mit den Gabelzinken Löcher piekte, brav dem aufgedruckten Kreuzstichmuster nach. (So spitzige Gabeln gibt's heute nicht mehr. Gefährdung des Kindeswohls...) Meine kleine Oma wuselte, rührte Kuchenteig, schlug Eischnee mit den Schneerädchen*, ich drehte auch ne Weile, aber ihre Ausdauer hatte ich nicht. Am Spülstein nur fliessend kalt Wasser. Nescafe mit Kabapulver gemischt für's Kind. Oma mischte Pils mit Malzbier. Sie mochte es auch lieber süß.
Stützschokolade ist ein wundervoll assoziativer Begriff. Kann ich bestens nachvollziehen. Sind bei mir Stützkekse. Ich brauchs knirschend, knurspelnd, krachend.
Als ich Kind war, wären es eher Stützfrikadellen gewesen. Und zwar Freitag nachmittags. Mutter kam freitags am frühen Nachmittag heim, fertig nach einer Knochenwoche in einem Männerberuf. Kochen? Bloß nicht! Ab ins Auto und zum Strebel, der hatte Hähnchen am Grill und heisse Frikadellen. Bezahlt, Tüten genommen und zurück ins Auto. Eine Tüte gleich auf den Schoß. Aufmachen. Der Geruch! Boah. Dass der Magen noch lauter knurrt. Die Stützfrikadelle. Mundverbrennend heiss im blassen Brötchen.
Würd ich jetzt auch eine essen.
*Schneerädchen: oben Kurbel und Griff, mittig Zahnrad, unten ein Schlägerpaar. Simple Mechanik für Sahne und Eischnee
Montag, 23. November 2020
mental load
Mental Load & Self Care
Wer
den Großteil privater (unbezahlter) Care-Arbeit übernimmt, meistens
sind das Frauen, ist in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt, weil
die Zeit fehlt für die eigenen Aus- und Fortbildung oder politisches und
kulturelles Engagement. Dabei ist Zeit nur ein Faktor, vergessen wird
gerne die sogenannte Mental Load, die Last der Verantwortung, also die
Koordinationsleistung, Wissen und Überblick, was gerade ansteht und
getan werden muss.
Ein zweiter, damit eng verknüpfter Aspekt, der
alle Geschlechter betrifft: SelfCare, das Kümmern um sich selbst, die
Fähigkeit und Möglichkeit, sich selbst nicht zu vergessen trotz all der
Sorgearbeit. Nein sagen, damit es nicht noch mehr wird; Aufhören, bevor
es weh tut, zum Arzt gehen, bevor es zu spät ist. Wer darf dabei welchen
Part übernehmen und wie kommen wir gesamtgesellschaftlich gesehen raus
aus den alten Rollenmustern, die Ihr das empathische Kümmern und Ihm das
finanzielle Versorgen zuweisen?
Metaphorisches Bild zu Mental Load
Mental Load in ein technisches Bild gezeichnet stellt Hintergrundprozesse da, die nicht abbrechen. Ein Brower mit unzähligen tabs, die geöffnet sind und parallel benötigt werden. Ist dieser Load zu hoch – füllt sich der Arbeitsspeicher bis zu einem bestimmten Punkt, bis der PC abstürzt. Die Erwartung an Frauen ist immer noch sehr hoch, dass sie der Carearbeit nachkommen müssen.
Für viele Personen stellte es eine Erleichterung dar, mit dem Begriff Mental Load einen Begriff zu haben, welcher ihre Last in Worte fasst, fast wie eine Diagnose zu haben.
Quelle: https://equalcareday.de/3-mental-load-und-self-care/
Der gemeinnützige Verein klische*esc e.V. koordiniert die übergreifende Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den Equal Care Day, der am 29. Februar stattfinet - oder am 1. März. _____________________________________
Über die Seite @riseandrevolt auf insta bin ich erstmals über den Begriff mental load gestolpert und mir geht es genauso, wie oben beschrieben. Endlich einen Begriff zu haben für die Last, die ich trage (und Viele da draussen genauso!) an Verantwortung, Koordinationsleistung, Überblick, fünf to-do-Listen, die gleichzeitig blinken. Bisher nannte ich es immer Hamsterrad. Und bei der nächsten Depression "ich.kann.nicht.mehr" ohne es genauer benennen zu können.
Kranker Mann, Steuererklärung weil das FA schon Frist setzt, Überstunden im Job, Trauerarbeit bei der Transition meines Kindes, zu der ich mir keine Zeit lasse, depressive Abkracher, die zeitweise kaum händelbar sind, mentaler Druck, mit der Anpassung an die Transition und neue Situation fertig zu werden, die Wohnung, die leise stetig zusifft, eigene Anforderungen an dies, sell und jenes, die ich dem k.r.a.n.k.e.n. Mann nicht aufdrücken kann, Ankündigungen im Job auf bald noch mehr Arbeit (Chef will Partner den Bestand abkaufen), internalisiertes Verantwortungsgefühl, internalisiertes eigene-Grenzen-missachten, home-office ohne Diensthändi und am Küchenstuhl an 3 von 5 Tagen, (wann) gehst Du kranker Partner zum Arzt? (gehst Du überhaupt?), wann wird Dein Zustand besser? belastbarer? Donnerstag Kindgeburtstag, Kuchen, Geschenk, tralala, Äpfel bestellen ... Vater müsste auch mal wieder angerufen werden. (füllen.sie.beliebig.noch.zwei.seiten.auf.) Die Gesamtorganisation von ALLEM, die als Hintergrundprozess durchgehend am scheppern ist.
ich.mag.nicht.mehr.
ach. hätt ich fast vergessen. Weihnachtsgeschenke.
Sonntag, 25. August 2019
das leben bleibt anstrengend
"ach das wird. und wenn nicht?" fasst den Zustand mittlerweile gut zusammen. Manche Tage versprechen Besserung, andere sind blutige Rückschläge.
Es ist wahnsinnig schwer, der Angst, Frustration, Depression, Hilflosigkeit, seinem Gefühl, völlig ausgeliefert zu sein, etwas entgegenzusetzen.
Portraits probieren.... nen, keinerlei Ähnlichkeit beabsichtigt, einfach der Wunsch auszuprobieren, was ich vor Wochen im scetchbook revival mal ansatzweise lernen durfte.
Das Wort Rekonvaleszenz auf der linken Seite kam erst zum Schluss dazu.
Ehe ich überhaupt gegenständlich begann, hab ich ich weiss nicht wieviele Schichten Gesso mit braun/indischgelb/tiefrot/neon so oft in- und übereinander gestrichen, dann stieg türkis ein und noch ein paar Schichten. Es tat so gut, einfach mit Pinsel und Farben abzutauchen. Den Kopf leer machen. Die Freude an dem Gefühl, wie die Farbe sich verteilen lässt, smoothie, pastos, cremig.
Dienstag, 20. Februar 2018
tell a story bus und bahn
Bahn: Ab der 5 Klasse bis zur 13 Zug fahren. 10 Minuten Fahrrad - Schussfahrt, Rad auf Gleis eins
Ich bin bei offenen Türen mit helfenden ziehenden Händen eingestiegen, ich bin in weit offene Gepäckwagen gehechtet, Ranzen vorneweg zur großen Rolltür reingepfeffert. Und so oft über Gleis eins gerannt... oh mann.
| Strassenbahnfahren in Riga |
Könnt Ihr Euch noch an die Triebwagen erinnern?
Klein pummelig rot. Der Lokführer saß vorne, nur getrennt von einem popligen Schiebetürchen von einer Horde aufgedrehter Schulkinder. Die Triebwagen hatten an den Aussenseiten große Schubfächer, in die jeweils das Schild gesteckt wurde mit dem Zielbahnhof. Die nicht verwendeten Schilder lagen vorne vor dem Schiebetürchen auf der Bank.
Und wenn 50 gröhlende Schüler einsteigen sieht kein Lokführer mehr die Schilder, aber ein Haufen Schulkinder hat die Schilder in Händen und veranstaltet den ohrenbetäubendsten Theaterdonner.
Ich glaube für die Triebwagenlokführer war der Samstagmittagzug die Strafe schlechthin. (Ja, Samstags war Schule!)
| Eisenbahnbrücke Mainz-Nord |
Ich bin mit der Bahn zum Studium gependelt, zu meinen ersten Arbeitsstellen und fast immer in den Urlaub gefahren.
Gegen Ende der Achtziger eine Reise nach Sucha Beskidska, Polen. Wir blieben zu einer Hochzeit drei Wochen und fuhren in der Zeit oft mit dem Frühzug nach Krakau und abends wieder zurück. Die polnischen Züge waren nun ja eher etwas schwammig mit der Pünktlichkeit... Aber wir hatten Gaudi mit den Schulkindern, die ihre Sprachkenntnisse an uns ausprobierten.
Eine Reise nach Ungarn vor 19 Jahren, mit dem Zug nach Gyula nahe der rumänischen Grenze. Es gibt leider keine Fotos. Stellt Euch vor: Der Nachtzug von Budapest nach Constanza (ein ausrangierter deutscher Zug mit diesen Griffen zum runterdrücken) fährt mit offenen Türen durch eine warme Sommernacht. Landschaft ohne Strassenlaternen. So richtig richtig Nacht. Und wir hängten rückwärts die Köpfe aus den Fenstern, über uns das herrlichste Band der Milchstraße. Wir haben uns versprochen, eines Tages nehmen wir den Zug nochmal, aber bis Constanza.
U Bahnfahren in Budapest!
Ich war geplättet, wie tief die Rolltreppen gehen!
Überhaupt Zugfahren in Ungarn: Superpünktlich.
Die Überlandbusse halten auf Zuruf / Zuwinken. Genial.
Ich bin eingeschworen auf Bahnfahren. Entspanntes Reisen, Kinder haben Platz zum Rumlaufen, lesen, dösen, schreiben, zeichnen, einfach rausgucken, Leute kennenlernen. Vier Menschen, vier Treckingrucksäcke, wir sind unterwegs. Manchmal vier Fahrräder dabei. Ich habe bis heute keinen Führerschein, wir kein Auto. Für uns ist es einfach eine andere Art der Organisation. Ich bin froh und dankbar, dass ich so leben kann.
![]() |
| in Strasbourg unter einer Brücke durchfahrend |
Als die Flöhe klein waren, fuhren wir manchmal nach Oppenheim zur Burg Landskron oder nach Bad Münster am Stein, wandern. Die Kinder haben manche Zugstrecke in den Gepäckablagen kletternd verbracht. Darüber müssen wir heute noch lachen. Wir waren herrlich entspannt
Montag, 19. Februar 2018
tell a story - mit dem Rad
Radfahren lernte ich mit Omas großem 28 Zoll-Rad auf der damals noch unbefestigten Straße vor ihrem Haus. Zu hoch das Ganze, um sitzend an die Pedale zu reichen, aber toll zum Rollern und Sausen und im Stehen strampeln. Wie alt ich da war? Irgendwas zwischen 5 und 7 glaube ich. Dann bekam ich ein eignes Rad, ein rotes Damenklapprad, das ich so lange fuhr, bis es geklaut wurde. Nach diesem gab endlich ein großes Rad für mich. 26 oder 27 Zoll, mit dem waren wir Anfang der Achziger zu Fünft auf einer Radtour rund um den Bodensee. Das Format war so ausgefallen, dass wir auf der schweizer Seite, als mir der Mantel riss, keinen Fahrradmonteur fanden, der einen passenden Mantel hatte! So steckte er unter das gerissene Mantelstück ein Ersatzstück eines Stollenmantels, pumpte auf und es hielt. Ich fuhr am andern Tag etwas hoppelnd - der Reifen war ja an einer Stelle dicker/höher - bis auf die deutsche Seite, wo wir dann einen Velo-Schrauber fanden, der auch meine Mantelgröße führte.
Zur Schule fuhr ich die Monate Mai bis Oktober mit dem Rad, 10 km über die Landstraße. Im Sommer waren wir ein ganzer Pulk Kinder und Jugendliche, die gemeinsam radelten. Als der erste ein Mofa hatte, hängten wir uns dran. Großes Gejohle! Wenn man zu spät in den Unterricht kam, griff man vorher kurz in die Kette, zeigte verschmierte Pfoten vor und entschuldigte sich mit "mir ist die Kette runtergefallen"...
Mein Vater übte mit mir Platten flicken, Dynamo austauschen und Birnchen wechseln, Kabel neu ziehen, Kontakte prüfen etc., denn ohne Licht durfte ich nicht fahren.
Diese Verantwortung wünsche ich mir jeden Winter, wenn es mit all den unbeleuchteten Crashradlern in der Stadt ständig beinah-Unfälle gibt! Es ist einfach so rücksichtslos und scheissgefährlich, ohne Licht zu fahren!
Was ich leider nie gelernt habe, ist eine Gangschaltung wieder einrichten.
Irgendwann suchte ich mir mein erstes 28 Zoll Rad aus. Mit hohem gebogenem Lenker - so hollandradmäßig, eine Fahrradform, die dem alten schwarzen Rad meiner Oma entsprach, auf dem ich fahren lernte und die mich seither nie mehr verlassen hat. Darauf fahre ich am bequemsten. In den Zeiten der schwer lädierten Hüfte, als mir das Rad über Jahre die Beine ersetzte, war der tiefe Einstieg Gold wert und ich habe nie aufgehört zu fahren. Schön viel Gänge und ich radle hoch auf den Lerchenberg.
Wir wohnen mitten in der Stadt und erledigen radelnd alles. Arbeit, Schule, Einkäufe, als die Kinder klein waren mit Anhänger und / oder Kindersitz, Lastenanhänger für alles, was in den Garten muss oder sonstwohin.
mit den Rädern im Garten, 2014 (nein, der Kerl hat keine Skoliose, er bläst den Bauch auf und macht Quatsch)
Lesestoff und Schulhefte gehen im Sommer mit raus.
Das bisher schwerste: Im Anhänger 3 hölzerne Kompostmieten aus dem Baumarkt, ein kleiner Sack Anzuchterde, Stickel für's Himbeerbeet. Boah, was ne Strampelei!
Die Kinder radeln genauso zu Schule, Sport, Musik, Freunden.
Im Urlaub werden Räder geliehen.
Von der letzten Tour im alten Jahr hab ich ja schon erzählt:
Am Main entlang.
Ohne Rad wär ich nur halb. Und eine Bauchlandung bei Glatteis hält mich nicht davon ab, wieder zu fahren. Liebe Emma, danke für diesen Aufruf zu Geschichten!





