Gartenbegehung vorüber. Fünf Leute stiefeln durch unseren Garten, schwitzen, quasseln, bemängeln bisschen (Der Farn! Der Farn ist eine reine Waldpflanze! Der Farn hat im Kleingarten nichts zu suchen!) Okay. Lass es regnen, dann kann ich die Pfahlwurzeln grad so rausziehen, er wird noch vier Jahre lang immer wieder kommen, wenn ich weiss, es ist Begehung, geh ich kurz mit der Sense drüber. Grins. Es macht erfahrungsgemäß wenig Sinn, zu sagen, das habt Ihr aber letztes / vorletztes / vorvorletztes Jahr nicht beanstandet - sie können sich grundsätzlich nicht erinnern / waren noch nicht im Vorstand / der alte Vorstand eh zu nachlässig, bla bla. Wenn's weiter nix ist.
Pappelwolle überall. Eine fast geschlossene weisse Wolke aus Flausch, der in der Nase kitzelt, beim Einatmen Hustenanfälle gibt, aber sonst nicht stört. Madame trägt ihre Samen aus. Ist halt so.
Der Vorstand verlässt mehr oder weniger eilig den flauschigen Garten, niest sich nebenan noch durch einen und macht dann Mittag.
Heute zwei Wolkenbrüche. Das Wasser tanzt in den Regenrinnen, pladdert in Pfützen, läuft Fallrohre runter wo es nicht durchgurgeln kann, drei Minuten lang träuft und läuft alles über, dann knallt die Sonne schon wieder durch die Wolken, läßt jeden Tropfen blitzen und blenden und schlürft die Nässe grad so weg.
Am Nachmittag quartiere ich meine Wohnungspflanzen um in den Hof. Die ganze Bande an Pfennigbäumen und Weihnachtskakteen, das Untier von
Asparagus, die kleine Aloe. Jetzt dürfen sie Sonne, Regenwasser und
Vogelgeplärr tanken. Jepp. Plötzlich ein Tisch frei im
Wohnzimmer. Huch. (ist der dreckig...)
Während ich mit den Händen in der Erde wühle, Töpfe auffülle, Löwenmäulchen und Männertreu einpflanze (bisschen Farbe will ich ja auch), bekomme ich Besuch. Die Kleine aus dem vierten Stock hat der andern Kleinen im Erdgeschoss ein Bild gemalt. Sie kommt in den Hof, will durch die Terrassentür zu ihrer Freundin. Dort macht aber keiner auf. Sie stiefelt ins Treppenhaus, klopft. Kein Erfolg. Familie B ist noch nicht zuhause, sage ich. Doch, sagt sie, ich hab den Papa von Luzie gehört. Wenn Du meinst, sage ich und werkle weiter. Sie geht wieder an die Wohnungstür und klopft. Mit der gleichen hartnäckigen Beharrlichkeit, mit der sie sich jeden Nachmittag nach KiTa, Spielplatz, Hofspielen vier Stockwerke hoch brüllt, traktiert sie jetzt die Wohnungstür ihrer Freundin. Das Kind ist zäh. Sie stampft immer wieder zu mir in den Hof, um mir mit festem Blick über roten Apfelbacken zu erklären, sie klopft jetzt und der Papa (von Luzie) ist da, dann trabt sie wieder ins Treppenhaus und ich höre es poltern.
Ihre Brüllarien sind legendär. Eine Weile hab ich versucht, sie zu unterbrechen, indem ich die Wohnungstür aufmachte und sie ansprach. Kein Erfolg. Sie setzt sich dann auf die Stufe und brüllt, was die Lungen hergeben, bis ein Elternteil kapituliert und sie holt oder trägt.
Genauso hartnäckig wird jetzt diese Wohnungstür malträtiert. Wenn doch Keiner da ist?!
Ihr Vater sammelt sie schließlich ein.
Abends sind die Strasse rauf und runter Sperrmüllhaufen verteilt. Wir gehen gucken, wie immer. Das eine ist eine
Papa ist gestorben Wohnungsauflösung, das meiste noch intakt. Ich nehme diverse Vollholzbretter mit. Mein Mann ist entzückt über die Lattenroste. Also schleppen wir sie zu uns in den ersten Stock - um festzustellen, nö, sie passen nicht in die Betten der Kinder. Und nun? Ja was, sage ich, wir tragen sie wieder hin. Also wieder durchs Treppenhaus und um die Kurve. Äh. Unterwegs muss ich so furchtbar lachen, das ich das Ding fast fallen lasse. So albern, Lattenroste von Haus zu Haus zu tragen, kann man nur sein, wenn's nah ist. Hätten wir nicht das Maßband nehmen können?!
Und nun ist es frühe Nacht in der Stadt mit blassem Verkehrsrauschen, grade keinem Vogel mehr, die CD ist
auch zuende, unten klingelt Einer mit Schlüsseln rum, schliesst sein
Auto ab, der Wecker tickt, jemand kruschelt im Sperrmüll, Katze knurrt
Hund an, Zigarettenrauch zieht hoch zu mir in den ersten Stock,
klöngschepperbäng, oha, der Sperrmüll wird umgeschichtet, ein Fenster
geht auf, wer guckt, der Wecker tickt immer noch, Schritte entfernen
sich, Ruhe.
Schlaft gut, träumt bunt.