Samstag, 20. Mai 2017

Herz. Tod. Blut und Silber II

I

durch dieses spaltbreit off'ne herztor
muss er sich zwängen,        
kerl
ungeschlachter.

dieser klotz
rüstungscheppernd, stinkend
nach schweiss und pferd
nach kampf und sieg und tod.

klotzfüßig trampelt er
schrammt stößt schürft sich durch die enge
verdunkelt licht
das schüchtern einfällt
winzige strahlen stehlen sich vorbei.

stolpert durch meine hallen
spürt nicht
schwerfällig und gerüstet wie er ist
wie ihm die luft ausgeht
es dunkler wird.
schiebt die schlechte sicht
dem engen helm zu,
luftnot
auf den zerschund'nen harnisch.

wankt
und bricht in die knie
schwer
ein koloss
unförmig grob
gräbt sein gewicht scharfkantig eckig hart
ins weiche meiner kammer.

kämpft keuchend
und erstickt in seiner rüstung.
blechern hält dieses leben an. 
ein leergelauf'ner aufziehkäfer.

nur noch
rot
hinter geschlossenen lidern
nur noch


rot



II

der ritter
sinkt zusammen.
sterbend mein gefangener.
sein blech verkeilt sich in den wänden.
sie gieren blutig 
öffnen sich und
ziehen sich zusammen.

die riesenfaust pulsiert
zerdrückt den käfermann
schrumpft ihn
zu einem spielzeug
presst
bis das gezappel stirbt.

öffne den rippenkäfig
nimm dein herz
in beide hände
leer ihn aus
den kerl
der jetzt zerdrückt zu schrott
und setz die kammer wieder ein.


herz
schlägt weiter.


III

die laken schüttle auf
und streiche mit den fingern glatt
dann zieh die tücher auf als leinwand.

mit schwarzer tusche wandre all den spuren nach
den fäden, wegen, flüssen,
die all das herzblut hat genommen
gelaufen in die laken
eingesickert trocknend
tiefrot gestockt in zähen pfützen
rechts und links des rippenkäfigs
blattmuster unter deiner hüfte
die spritzer, perlen
all die muster
gepulst vom rhythmus deines bluts.

ich folge dem schläfrigem braunrot mit brennendem schwarz
auf dem beissenden weiss deiner herzwand.

IV

aus meinem körperhaus
quellen quecksilbersäfte
glänzend
in perlen auf der haut.

sie rollen beinwärts
ein polierter rock
der mich umhüllt


fließt über meine knie
dünstet sein gift
und sammelt sich in
pfützen um die fersen 

und umtanzt die zehen
spielt silbern an den knöcheln.

ich gleite nieder
suche mein gesicht
lege die wange
auf den hellen see.

der spiegel zittert
unter dem atem
ein segel


(c) Eva Becker, 28.3.2017.
work in progress. 21.5.2017

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