Donnerstag, 25. Mai 2017

frühling erinnern

das mag ich an diesen vorfrühlingstagen, die sich damit in eine lange reihe der vorfrühlingstage meiner kinder- und jugenderinnerung reihen: der geruch eines späten nachmittags im übergang zwischen tag und abend. die feuchtigkeit des fallenden dunkels riecht mit einem mal fruchtbarer als winter, bekommt dieses aroma nach erde, die man in der sonne umgewühlt hat oder mit losen blättern weggerecht, erschrockene blasse triebe bloßlegend. der geruch von erde an der haut, der auch nach seifenschrubben in den rillen und unter den nägeln hängen bleibt.

in meinem elternhaus und dem dortigen garten hörte so ein erster vorfrühlingsabend erst dann wirklich auf, wenn wir uns gegenseitig den abendstern zeigten, als sei er just an diesem abend das erste mal im jahr allein für uns aufgegangen!
um dann lachend festzustellen, dass uns das, genau das! jedes jahr so ging und um immer noch lachend im diffusen dämmerdunkel die geräte zusammenzuräumen und hineinzugehn, in das goldene licht, das uns in das haus, ins warme winkte.  die terrassentür noch einen spalt haltend, damit der feuchte abendkühle geruch der erwachenden fruchtbaren erde noch ein weilchen länger zu schmecken war.

jetzt und hier in der stadt dunkelt es in den höfen schneller als auf den balkonen.
so gehört der abendunderdegeruch zu dem adventskalenderlicht, das die häuser gegenüber in ihren fenstern abwechselnd mit dem goldenen widerschein vom westhimmel anknipsen. 
die balkontür bleibt offen für das feuchte fruchtbare duften, das vom schon nächtlichen hof heraufzieht und aus den frischbepflanzten und gewässerten blumenkästen in die küche wandert. zusammen mit den letzten amselgesängen, die durch die hinterhöfe schallen.
bis es zu kühl wird und ich mit einem letzten sehnsüchtigen blick in den himmel, den himmel über den dächern der stadt, die balkontüre schließe. von hier aus sehe ich ihn nicht, den abendstern.

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ein text über frühlingserinnerungen, den ich 2012 geschrieben habe.
den garten meiner kindheit gibt es nicht mehr. aber es gibt meinen garten, die kindheitsgärten meiner kinder.  eine neue generation gartenerinnerungen wächst.
frühling beginnt mir mit der tag- und nacht-gleiche, vorher nicht. vorher ist winter und begrüße ich jeden tag, der heller ist als der vorige. ohne rolläden schlafend beglücken mich die morgen, an denen es vor dem wecker hell wird. die uhrenumstellung bejuble ich, endlich licht bis in den abend! die morgen holen schnell wieder auf. und irgendwann ist es früh so weit, dass die sonne es schafft über die ziegelhäutigen rücken und in mein zimmer scheint. durch das bücherregal wandert.
mittags leuchtet sie die küche aus, dass es von den töpfen blendet. nachts tanzt der mond boogie auf dem tupfigen terrazzo.
frühling. starengeschwätz. störche, gänse, kraniche. in der wohnung verteilt zweige, die blätter entfalten und blüten öffnen. schlehe und aprikose zuerst. rabenkrähen, die in der frühe ausgedehnte unterhaltungen vor meinem fenster führen. meisen kommen baden. amseln graben die blumenkästen um. die nachbarkatze schreit. tauben nisten an den unmöglichsten stellen (unter den balkonbank auf der werkzeugkiste - 10 cm platz. bekloppt). regen, der warm wird. graupel, händevollweise geworfen. 

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