Freitag, 24. Februar 2017

garten 2017, baumrauten und die 5mincollage

nach der arbeit lockt mich eine funkensprühende sonne, so eine zwischen zwei wolkenbrüchen auf allem spiegelndem stahl und chrom scheppernde sonne, nicht nur aus dem büro, sondern hinaus, hinaus über die kleine straße und den feldweg in meinen garten. hallo garten sage ich, als ich das widerspenstige regenverquollene törchen öffne und eine girlande ockerfarbener rohrkolbenblätter ringelt sich um meine füße wie ein katzenschwanz. 
ich begrüße die lilien, die ihre zwei zentimeter schwerter aus dem boden schieben und gucken, ob die sonne das versprechen von frühling diesmal hält. im fliederbeet haben die mäuse ein schneeglöckchen in die tiefe gezogen, ein loch neben dem stengel grinst leer und die blüte baumelt fast auf dem boden. ich ruckle das kleinchen aus dem mauseloch und fülle ihm erde  
um die füße auf. 
nachbars schwarzpappel hat äste im sturm gelassen, dabei einen armdicken weit in den garten geschleudert. er hat sehr knapp das kleine alte apfelbäumchen verfehlt, gottseidank. 
ich schleife pappelholz auf einen haufen und sehe mich um. in den regentonnen ist das wasser getaut, glitzert tiefgrün und klar. keine ist geplatzt. die kleinen obstbäume sehen gut aus. überall schieben knospen, das versprechen von grün schläft noch eng und dicht gewickelt in pelzigen mäuseohren, klebrigen hüllen oder unter tiefgolden schimmernden deckblättern, hart wie chitin.

feldsalat kraust seine nasen an beeträndern. die vertrockneten stengel der herbstastern flocken grau wollen aus. an der hängeweide pelzen schon kätzchen. ansonsten ist noch alles kahl. die blattrosetten der nachtkerzen im filzigen strähnigen gras der wiese bleiben platt an den boden gedrückt, damit kein eishauch sie erwischt, falls er doch noch kommt.
mein rosmarin hat den frost überlebt! ich lasse die langen schwänze seiner duftenden zweige durch meine hände gleiten und weil sowieso keiner hinschaut, es ist keiner da in den gärten, küsse ich sie. mein rosmarinmonster. herzvieh.
noch im november, an einem eiswindigen tag, für dessen nacht zweistellig frost angesagt war, war ich mit dem rad rausgefahren, den rosmarin und andere pflanzen in altes pappellaub einzupacken. mir sind in früheren wintern schon große breit ausufernd herrliche rosmarinbüsche erfroren. 
dieser hat den winter gut überstanden und ist blaugrau gepünktelt voller blütenknospen. ich freu ich auf ihn, wenn er blüht! duftend und taumelnd voll bienen.
das feigenkind, letzten herbst eingepflanzt eine handbreit hoch, hat fußwarm in rottes laub gepackt auch durchgehalten. 
wie schön, wie schön, ihr seid da. ich streiche grünen trieben durchs fell, knabbere knospen und winzigen portulak, er wächst in löffeligen rosetten im erdbeerbeet. der wilde knofelschnittlauch winkt in der wiese, ich nehme händevoll mit.
die sonne wärmt mir den rücken, als ich steifbeinig in die knie gehe, mit steinernen waden, die den turnhallenausflug zum sport mittwochabend erst heute mit muskelkater vergelten. was hab ich mich gestern noch leichtfüßig gefühlt! 
im häuschen sichte ich vorräte, vier kürbisse matsch, fünf noch brauchbar, na gut. ein paar hände voll zwiebeln aus ihrem schalennest geholt und mit zwei kürbanten in den rucksack gefüllt. 
halbherzig rupfe ich um die erdbeeren herum etwas unkraut, sammle bruchstücke sturmzerscherbter und durch drei gärten geblasener plastikwellen, was mal das dach von nachbars tomatenhaus war. von dem steht nicht mehr viel. 
ein paar zweige zierjohannisbeere noch in den rucksack, sie wird später im wohnzimmer aufblühen, dann kämpfe ich wieder mit dem verzogenen törchen, hänge in den riegel das schloß und eile mich, vor dem nächsten wolkenbruch heimzufahren. 

der garnicht kam. wahrscheinlich weil der sturm lieber schach spielt.

am abend kürbissuppe und ein schmerzendes knie. 

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Hier noch ein paar Bilder zu diesem unglaublichen Himmel heut nachmittag. 
Die Wolken wechselten dauernd die Farben: 



 
seht ihr die Rauten? Kicher.



Und ehe es zu knapp ist und der Februar vorbei, noch gaaanz schnell meine 5-Minuten-Collage für die liebe Rösi! 

Tataa: 


von links unten im Uhrzeigersinn und wieder zurück:

Herzallerliebstes Tokiodirektimportwashitape, unentbehrlicher Lippenstift, ein paar Buntstifte einschließlich einem sehr alten verratzten Möbelschwedenblei, Garnrollen, Minifuzziteigschäberchen, ein franselndes Zitronennetz, noch ein Japanimport: das Dipschüsselchen für die Bentobox, 2 Glaseier, der gelbe Teigschaber ist auch aus Tokio, das Wörterbuch der mir am fremdest bleibenden Sprache, noch ne Serviette und eine sehr schmutziggelbe Mango. 

Nein, ich war nie in Japan. Aber die liebste Freundin, die auch Sohnes Patin ist, lebte dort 7 Jahre und schickte im Dezember Wuselkisten, gefüllt mit den japanischen Pendants zu unseren EinEuroShops. Teigschaber, Tape, Sticker, Büchlein, Blümchensticker, gehäkelte Dinge, Bürsten für Schuhe aussen Bürsten für Schuhe innen und Bürsten für Schuhe weiss, fragt nicht, es war schöner als Weihnachten, diese Kisten auszupacken, bunter, schriller, verrückter und ich habe immer noch Sachen daraus, die ich hege und liebe. Bambusborstenbürsten kriegst Du nicht kaputt. Genial.

Treibt's bunt!  
Helau Alaaf Konfetti unn Kamelle (wir werden den freundlichen Rückzug proben und freie Tage geniessen, lach)





Kommentare:

  1. Wie fröhlich ists bei dir :-) ! Ich habe den Ausflug grad sehr genossen.
    Herzliche Grüsse Simone

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  2. Freundlicher Rückzug - ganz mein Ding ;-). An Karneval mutiere ich immer zum Ostwestfalen, auch wenn ich das restliche Jahr über zum Lachen bestimmt nicht in den Keller gehe, ich käme ja sonst da gar nicht wieder raus!
    Die Baumrauten sind neu, hatten wir (glaube ich) noch nicht, und ja, ich sehe sie! Ich puste Gesundmachviren zu Deinem Knie, aber nur, wenn ich für meinen Tennisarm zwei oder drei davon hierbehalten darf. So ein Körper lässt sich aber auch immer wieder was neues einfallen (OK, manchmal ist es nicht neu, Tennisarm hatte ich nämlich schonmal - aber immerhin ist jetzt der andere Arm dran, Gerechtigkeit muss anscheinend sein).
    Liebe Grüße von Jorin
    PS Dabei spiele ich gar nicht Tennis!

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  3. Diese unbändige Lust auf Sonne und Garten. Ich verstehe sie so sehr. Zwischen zwei Schauern war auch ich heute dort. Da treibt noch nichts. Gerne wäre ich auch mit Dir gegangen, um den Rosmarin zu riechen.
    Lieben Gruß und ein schöne Wochenende
    Katala

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  4. ...mit dir gehe ich gerne in den Garten, liebe Eva,
    wie vergnüglich...morgen werde ich arbeitsmäßig einen Fasnachtsumzug besuchen, dann schließe ich mich dem freundlichen Rückzug an...hab eine gute und schmerzfreie Zeit,

    liebe Grüße Birgitt

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  5. Ich möchte auch am liebsten schon loslegen. Aber wir müssen uns wohl noch ein wenig gedulden. Toller Himmel, jawoll, mit Rauten.
    LG
    Magdalena

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  6. Wie schön, mit dir durch den noch winterlichen Garten zu schlendern und das Mauseloch grinsen zu sehen!
    Rosmarin - ich liebe ihn auch so wie du, meiner auf Balkonien wird auch immer umwickelt und erfreut mich auch jedes Jahr mit den herrlichen Blüten. Du musst also immer fahren zu deinem Garten, so was wie ein Schrebergarten wohl..
    Mit der Collage warst du jetzt auch spät dran, aber sie leuchtet schon frühlingshaft!
    Ich hab ja auch immer Spaß, mir die jeweiligen Zutaten anzuschauen... Hi,hi, wenn man nichts findet, ist das Nähkästchen oder die Buntstiftkiste stets eine ergiebige Fundgrube, gell!
    Beste Grüße von Ulrike

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  7. ich hatte gerade großen spaß beim gang durch deinen garten!! wenn es nicht gleich regnet, mach ich es dir nach und küsse meinen rosmarin :-)!
    liebste grüße
    mano

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  8. Ein schöner Gang durch deinen Garten, ich bin auch am Anfangen. Wenigstens die Laubberge will ich unter die Sträucher kriegen, denn nun bin ich drei Wochen lang nicht da (und fliege dann WashiTape aus Tokio direkt ein ;-)). Bis dahin bunte Grüße Ghislana

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  9. schön dein weiss*gelb collage * wörterbuch : hier version franz/deutsch ;)
    lieber gruss

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  10. ich weiß zwar nicht, was eine Bentobox ist, aber das Dipschüsselchen würde bei mir einen Ehrenplatz bekommen. So süß, dieses Bärchen!!

    Liebe Grüße
    ela

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