Freitag, 6. Januar 2017

Winter und ich

Astrid hat eine Lanze für den Winter gebrochen und gibt das Feld frei für andre Beiträge.
Hmpf. Winter.
Ich wohne am Rhein, wir haben selten nennenswerten Winter (heute zum Beispiel, einige Grad minus, knackig und sonnig, schee isses) noch seltener Schnee und wenn, dann ist er in wenigen Stunden graue Innenstadtmatschepampe. Bäh.
Ich war als Kind genau 1x im Winterurlaub, als Freunde meiner Mutter sie und mich kurz nach ihrer Scheidung auf eine Schwarzwaldhütte mitnahmen. Es war knackig kalt, herrlich sonnig, voller Schnee und einfach klasse. Nur: Die Erwachsenen hatten einen Schlitten vergessen! So sind der Junge der andern Familie und ich - wie alt waren wir? 12 und 14 denke ich - auf einem umgedrehten Tisch geschlittelt. Im Affenzahn Hänge runter, die voller Obstbäume standen, über die Wege geflogn und kurz vorm Bach im Tal rechts und links abgerollt. Wuuuh!! Gaudi. Einmal gelang meinem Kumpel der Absprung nicht und alles was ich sah, als der Tisch die Böschung voller Gestrüpp abwärts rauschte, waren M.'s Füße, die oben rausschauten. Lachflash. Dann bin ich hinterher, wir haben am Bach, der zu schnell floss, um komplett zuzufrieren, eiskaltes Wasser getrunken, die papierdünnen Eisscherben bewundert und  vereint den Tisch durchs Gestrüpp und hügelauf gezogen.
Das ist eine meiner wenigen Kindheitserinnerungen an "wirklich" Winter.

Eine andere Erinnerung aus meinem Heimatort, den ich tatsächlich nur einmal wirklich eingeschneit erlebt habe und zwar so, dass die Straßen weder geräumt noch gestreut wurden. Weihnachten. Ich lief mit dem Schlitten zu meiner Oma, holte sie samt Geschenken ab. Wir luden alles auf den Schlitten, einer ihrer Christstollen, groß wie ein Fünfpfundbrot, in rotes Seidenpapier gehüllt, war dabei und leuchtete so schön in dem Weiss. Wir zogen den Schlitten heim zu uns. Weihnachten feiern. Ich hatte die Strassen noch nie so gesehen. Verschneit. Laternenlichtvergoldet. So still. Unsere knarzenden Schritte, das Gefühl unter den Sohlen. Wir niedrig die Äste hingen in unserem Garten, schneeschwer. Wer dagegenstieß, bekam Schnee ins Genick gestäubt.


März 2013! Da war mal Schnee in Mainz, der seinen Namen verdiente!

Was ich genoss und heute noch liebe, wenn es denn mal schneit, ist der Geruch. Dieses ganz klare. Kalte. Schneeluft. Das Geräusch der Schritte und wie dicker Schnee andere Geräusche verschluckt. Die Stadt bekommt nen Dämpfer auf. Der Geschmack von Schnee. Das unsagbar zarte Flüstern, mit dem Schneeflocken auf gefrorene Pflanzen fallen. Da bin ich nur Ohr.

Ich bin jemand, der bei über 25° C eher schläft und zu kaum was zu gebrauchen ist. Dass ich bei Frostkälte besser drauf bin, kann ich nicht so unbedingt sagen. (Ich hasse kalte Füße!) Ich bin der dazwischen-Typ. Frühling. Herbst. Winteranfang und -ende. Klare Kälte, aber nur wenig unter Null. Rauhreif. Wind. Horizont. Weitblick. Knapp bevor die Bäume austreiben oder wenn sie grade kahl geblasen sind. Wenn das Licht wieder kommt. Eine Lieblingsbeschäftigung: Knapp überm Frost, im Januar, Februar, bei Saftruhe, Bäume beschneiden und zwar genau in dem Licht der Nachmittage, das 3-2 Stunden vor Sonnenuntergang herrscht. Dann wird die Kontur, die Essenz eines Baumes oder Strauches sichtbar und ich muss eigentlich nur noch drumrumlaufen und alles Überflüssige wegschneiden. Zu keinem andern Licht sehe ich einen Baum besser.

Was mir einfällt: Ich habe als Kind Jack Londons Goldsuchergeschichten am Yukon verschlungen und mir immer vorgestellt, mal dorthin zu fahren. Ich hatte keine Vorstellung von der Kälte. 

Unbedingt nötig: Mütze. Bei 2-3cm Haarschnitt unbedingt. Sonst fallen die Ohren ab. Handschuhe, Schal, Wollmantel. Lange Unterhosen? Eher nein.  Fahrrad? Ja. Unbedingt.
Meine Kollegin, Wintersportwusel, ist eine Frierkatze. Lange Unterhosen von November bis März und oh bitte mach das Fenster zu. Ich dagegen bin kein Wintersportler, aber bitte mach das Fenster auf und lange Unterhosen frühestens ab -8° - lieber Stulpen zum Radeln. Klar radel ich. Oder laufe. Schlürfe Licht. So ein bisschen geht mir dieses kuschlige Kerzen-Teetasse-Buch, wenn es dann mal Mitte / Ende Januar geworden ist, auf den Wecker. Bekomme ich Hütten- oder Drinsitzen- oder Immernochvielzufrühsdunkelseinkoller. Muss ich raus. Himmel sehn. Mich durchpusten lassen.







Kommentare:

  1. Danke fürs Mitmachen! Ist ein sehr persönlich gefärbter Post geworden, was mir ausnehmend gut gefällt.
    Bon week-end!
    Astrid

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  2. Schneeluft... der Geschmack von Schnee... Ja Stimmt. Das hatte ich ganz vergessen. Liebe Grüße

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  3. Ja, früher haben wir Schnee (trotz Verbot der Eltern...) gerne ein wenig "genascht"! Das war Eis ohne das Taschengeld zu strapazieren! Ich hatte auch nicht mehr daran gedacht...
    Alles Liebe
    Heidi

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  4. ich hab immer an eiszapfen gelutscht und schnee genascht - lecker, ganz besonders diese tollen "lutscher"!! ansonsten gehör ich eher zu den "frostkötteln" und mag bei kälte gar nicht gerne rausgehen. aber wenn ich dann erstmal draußen bin, dann finde es es meist sogar auch schön - wenn's denn hinterher kerzen-tee-kamin gibt!!
    liebe grüße
    mano

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  5. sehr schön hast du die Winterstimmung beschrieben..

    ich habe als Kind auch immer die Nase am Fenster platt gedrückt wenne s geschneit hat
    leider war ich im Winter oft krank und konnte nicht raus..
    neidisch hab ich dann den anderen zugeschaut wenn sie im Schnee tollten
    (bis die Mandeln raus waren.. dann konnte ich auch raus :D )

    liebe Grüße
    Rosi

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