Donnerstag, 22. September 2016

Tag-und-Nacht-Gleiche


Das Jahr nimmt seine hochgerafften Röcke runter
dass sie die Knöchel wieder wärmen
greift sich den Schal aus Spinnwebhaar
bestickt mit Tau und Hagebuttenperlen.
Die Nächte werden kalt.
Die Sonne im Frühnebel himbeerrot
sie wärmt erst gegen Mittag.
Noch läuft das Jahr barfüßig durch den Bärenpelz von braunem Gras,
steckt sich die späten Blüten hinters Ohr,
windet den Kranz aus Schlehdorn, Eberesche, Weissdornäpfeln
Waldrebenwirbelflausch und losen Hopfenzapfen,

jongliert mit grünen Igeln. Kastanienkindern kullern durch den Sand.

Die Gärten stehn im goldnen Sonnenblumenfeuer
und Topinamburblüten strahlen weit.
Die Astern leuchten pink und pudrig blau.
Im Efeu taumeln Bienen durch den letzten Nektar.
Die Grillen zirpen nur noch leise
sie werden steif und
​matt und grau wie Gras.

Ein Heupferd rastet staksig auf der Hand.
Die Falter sehn gefleddert aus.

Jetzt läuft es abwärts, dieses Jahr,
den Hügel abwärts in das Tal der Dunkelheit,
zu Nächten, die die Tore öffnen für die Toten,
und in der tiefsten längsten dunklen Nacht
zündet das Julfest seine Lichter an.
 

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