Donnerstag, 23. Juni 2016

Wind

Wind


Das Büro liegt an einer Hauptverkehrsstraße. Normal ist schon laut. Ein paar Bäume gibt es auch. Heute früh zogen die Arbeiter vom Grünamt durch die Straße. Mit der Motorsense das durchaus spärliche Grün um die Baumfüße absäbeln. Laut. Unnütz. Dann läuft der Aufräumer hinterdrein. Mit dem Laubbläser! Ich HASSE Laubbläser! Er bläst die paar Grashalme, Sand, Dreck, kurzum alles, die Straße rauf, die Straße runter. Er trägt Mickymäuse. Ich versuche bei offenem Fenster zu telefonieren. Witzlos. Ich werfe ihm das Telefon an den Kopf. Er richtet den Laubbläser auf mich am Fenster. 
Der Wind den das Ding macht ist enorm. Akten blättern auf, wirbeln, Schranktüren fliegen auf, Ordner kippen heraus, drehen sich im Luftzug, öffnen sich - um mich tobt ein Papiertornado durchs Büro. Ich kämpfe mit allen Kräften das Fenster zu. Meine Kollegin kämpft sich zu mir vor und hilft. Wir drücken mit langen Armen, die Füße rutschen auf dem Boden weg. Der gegen uns gerichtete Luftdruck ist heftig. Fenster zu. Atem holen. Stille. Wir drehen uns um. Chaos. Ein paar Stunden lang stopfen wir den Papiertornado in den Schredder. Kann eh keiner mehr auseinanderfieseln, welche Police zu welcher Akte gehört. Das Büro bleibt zu. Schild an der Tür: Wegen Wirbelsturm bis auf weiteres geschlossen.

Kommentare:

  1. Die Geschichte gefällt mir, das Bild, das du malst ist köstlich!
    Auch ich hasse Laubbläser und Baumabsäger!
    Lieben Gruß von Ulrike

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